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Weser-Kurier: Kommentar von Jan Oppel zur Fahrt der "Nachtwölfe"

Bremen (ots) - Nein, sie verdienen diese Aufmerksamkeit nicht: Die Mitglieder des russisch-nationalistischen Rockerklubs "Nachtwölfe" auf ihrer umstrittenen "Siegestour" von Moskau nach Berlin. Statt auf breiter Front in Richtung deutsche Hauptstadt zu brettern, ist der Konvoi des Motorradklubs in Kleingruppen zersplittert. Der geplante Triumphzug scheint schon jetzt ausgebremst. Am Montag schafften es lediglich einige Sympathisanten und Familienangehörige der Biker über die deutsche Grenze zur KZ-Gendenkstätte in Dachau. Mehreren Mitgliedern der "Nachtwölfe" wurde die Einreise verwehrt. Gegen ihr vermeidliches Vorhaben, der Roten Armee als Befreierin von der NS-Diktatur zu gedenken, wäre an sich nichts einzuwenden. Die Aktion verfolgt aber vor allem einen anderen Zweck: "Wo wir sind, ist Russland", lautet das Vereinsmotto der "Nachtwölfe". Die Putin-nahen Motorradfreunde stehen für einen aggressiven Nationalismus und großrussische Allmachtsfantasien. Einige von ihnen kämpfen in der Ukraine aufseiten der pro-russischen Separatisten. Die "Nachtwölfe" wollen mit ihrer skurrilen Roadshow das Leid der NS-Opfer für ihre Ideologie instrumentalisieren und inszenieren sich selbst als Ausgesperrte. Das Katz-und-Maus-Spiel mit den Grenzern nutzen sie, um den Eindruck eines russlandfeindlichen Klimas in Europa zu schinden. TV-Sender wie "Russia Today" und andere russische Medien nehmen diese Propaganda dankend an. Die "Nachtwölfe" waren in der Vergangenheit immer wieder in gewaltsame Auseinandersetzungen verwickelt. Trotz der in Westeuropa geltenden Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit ist es richtig, die Rocker mit ihren Maschinen nicht ungehindert ziehen zu lassen. Die ohnehin angespannten Beziehungen mit der russischen Regierung sollten nicht wegen der Ausfahrt einer Handvoll rechter Biker weiter strapaziert werden.

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