Weser-Kurier

Weser-Kurier: Über Irans Präsidenten Ruhani in Davos schreibt der "Weser-Kurier" (Bremen) in seiner Ausgabe vom 24. Januar 2014:

Bremen (ots) - Hassan Ruhani ist noch nicht einmal ein halbes Jahr im Amt - doch er hat schon jetzt geschafft, was ihm Beobachter bestenfalls am Ende einer gesamten Amtszeit zugetraut hätten: Er hat sein international lange geächtetes Land anscheinend aus der Schurkenstaat-Ecke geholt. Sein Auftritt beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos war ein weiterer Schritt beim Wiederaufstieg des Iran in die Liga der "ehrbaren Staaten". Erst der Atomkompromiss mit dem Westen, der ihm die innenpolitisch wichtige Lockerung der Handelssanktionen eingebracht hat. Und dann in der Schweiz sein charmantes Werben um Auslandsinvestitionen in sein wirtschaftlich zugrunde gerichtetes Land. Ruhanis Botschaft ist klar: Die Zeiten der Konfrontation sollen nunmehr vorbei sein und der Iran wieder ein verlässlicher Partner der internationalen Staatengemeinschaft. Dass Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kühl auf die warmen Worte Ruhanis reagiert, war zu erwarten. Wobei selbst er verbal abgerüstet hat: Im Gegensatz zur UN-Vollversammlung, wo er noch mit einer großformatigen Zeichnung vor der iranischen Atombombe gewarnt hatte, beließ er es in Davos bei seiner Standard-Einschätzung, dass die Mullahs in Wirklichkeit doch nur auf die Vernichtung Israels hinarbeiten würden. Von der Hand zu weisen ist Netanjahus Warnung tatsächlich nicht - obwohl Ruhani zuvor betont hatte, dass der Iran Frieden mit den Ländern im "Osten und Westen, Norden und Süden" haben wolle. Er hätte einfach sagen können, mit allen Ländern. Doch der Präsident tat es nicht, sondern präzisierte zweideutig: Seine Regierung wolle Frieden "mit allen Ländern, die wir offiziell anerkennen". Wohlgemerkt: Der Iran hat Israel bis heute nicht anerkannt. Und seine Andeutung, er halte nach 35-jähriger Pause die Wiedereröffnung der US-Botschaft in Teheran für möglich, versteckte er in einem Fernsehinterview, anstatt dies offiziell bei seiner Davos-Rede zu sagen. Wirkliche Entspannung geht anders - und nährt die Sorge, dass der Präsident doch nur ein geschickter Marketingchef ist im Auftrag der echten Nummer eins im Staat: dem erzkonservativen Ajatollah Ali Chamenei.

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