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08.07.2013 – 21:48

Weser-Kurier

Weser-Kurier: Zur Baustellen-Beschwerdestelle schreibt der "Weser-Kurier" (Bremen) in seiner Ausgabe vom 9. Juli 2013:

Bremen (ots)

Der öffentliche Dienst hat sich radikal verändert. Die Zeiten, in denen der Staat als Obrigkeit immer recht hatte, sind lange vorbei. Die Bürger sind keine Bittsteller mehr, sie sind nicht mal mehr Bürger, sie sind Kunden. Jedenfalls in der Theorie. Denn sie zahlen Steuern und erwarten dafür Leistungen. Falls die Leistungen nicht stimmen, hat der Kunde das Recht zu reklamieren. Dazu gibt es Bürgerbeauftragte und Ombudsmänner, "Hotlines" und Mailadressen, Dienstaufsichtsbeschwerden und Petitionsausschüsse. Wer sich in Peter Ramsauers Ministerium über "Schlafbaustellen" beschweren will, nutzt dazu den "Baustellenmelder". Der Adressat der Beschwerden ist aber nicht etwa der Minister selbst oder sein Stab. Nein, es sind die Verantwortlichen in den Ländern. So weit, so gut, so populistisch. Man muss sich nur wundern, dass das Baustellenmelder-Mailfach nicht überquillt. Denn die Deutschen gelten quasi als Großmeister der Beschwerde. Vor allem deutsche Touristen sind berüchtigt. Und wenn man die Nörgler und Meckerer, die Berufsquerulanten und Bedenkenträger auch noch ausdrücklich auffordert, sich zu beschweren, wird sich immer noch ein Haar in der Suppe finden lassen. Auch im sogenannten Baustellenmanagement. Man kann sich über marode Straßen beschweren und über Baustellen für ihre Reparatur, über den Zeitpunkt, wann sie repariert werden und wie. Man kann sich über die Unfallgefahr in Baustellenzonen beschweren und über das Tempolimit und über die Geschwindigkeitskontrollen. Obendrein kann man sich über den Sanierungsstau in der Verkehrsinfrastruktur beschweren. Das kann man machen. Man kann seinen Ärger auch für sich behalten und sich ganz im Stillen schwarz ärgern. Wer dazu neigt, dem sei indes geraten, das Land nicht zu verlassen, jedenfalls nicht mit dem Auto und nicht Richtung Osten oder Südosten. Denn Deutschland hat eines der komfortabelsten und sichersten Verkehrsnetze der Welt. Im Gegensatz zu Griechenland oder Rumänien. Und in Russland gibt es angeblich das Sprichwort, wonach das Land nur zwei Probleme hat: Dummköpfe und Straßen. Deutschland hat dagegen wohl eher nur ein Problem. Und Peter Ramsauer.

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