Weser-Kurier

Weser-Kurier: Zum Thema Joseph Blatter schreibt der "Weser-Kurier" in seiner Ausgabe vom 13. Juli 2012:

Bremen (ots) - Karl-Heinz Rummenigge hat Joseph Blatter einmal mit Husni Mubarak verglichen, dem ägyptischen Potentaten, den das eigene Volk aus dem Amt jagte. Das war nicht nett und auch nicht nett gemeint von Herrn Rummenigge, vor allem aber passte dieser Vergleich nicht. Joseph (seine Freunde nennen ihn Sepp - und er hat viele Freunde) Blatter ist vielmehr ein Aal - und dieser Vergleich, den wir gegenüber den Aalen dieser Welt zu entschuldigen bitten möchten, hat gestern Bestätigung gefunden. Der ältere Herr aus dem Wallis ist so wenig greifbar wie der glitschige Fisch der Gattung Anguilla. Wer das bis gestern immer noch nicht kapiert hatte, dem dürfte ob der neuesten verbalen Biegsamkeit des FIFA-Präsidenten der Mund noch beim heutigen Frühstuck offenstehen. Blatter wuselte sich flink durch die aktuellen Untiefen der Juristerei, bog sich hier das Recht zurecht und drehte dort so lange am Wort, bis er wieder die Unschuld vom Schweizer Lande war. Also war gestern alles wie immer. Es wird auch so bleiben. Wer glaubt, den Allmächtigen des Weltfußballs am Kanthaken zu haben, ist naiv. Auch der Schlamm dieser Schlacht wird an ihm abperlen. Danach darf die Ethikkommission ein wenig palavern, es wird ein paar (hui) Enthüllungen geben, und der Blatter Sepp wird entrüstet Transparency International um Hilfe bitten. Letzteres wäre - kein Scherz - nicht das erste Mal. Ende 2011 hat Blatter schon mal bei der Organisation angefragt, ob sie beim Schönfärben mitmachen möchte. Transparency hat dankend abgelehnt - anders als der Bittsteller hat sie einen Ruf zu verlieren. Aber wie dem Mann beikommen, der sich und seine Organisation selbst über Regierungen stellt? Es soll schon Politiker gegeben haben, die wollten in anderem Zusammenhang die helvetische Festung mit Kavallerie stürmen. Im Fall der FIFA mit Sitz in Zürich aber wären alle berittene Einheiten der Welt wohl zu wenig, um die Trutzburg des Selbstgerechten an die FIFA-Straße 20 zu schleifen. Da war das mit Mubarak in Ägypten schon einfacher.

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