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Weser-Kurier: Kommentar zum Thema Hartz-IV-Sanktionen

Bremen (ots) - Wer Hartz-IV-Sanktionen thematisiert, kann sich im Grunde nur in die Nesseln setzen. Das gilt insbesondere für alle, die nicht von Hartz IV leben müssen. Sie haben leicht reden, gewiss, und betreten vermintes Gelände, so oder so. Selbst wenn sie laut darüber nachdenken, welche Aussagekraft die präsentierte Statistik überhaupt haben kann. Die Zahl der Sanktionen ist angestiegen. Warum, das weiß keiner wirklich ganz genau. Außer der Boulevardpresse, die Fakten und Schlagzeilen schafft, von "Sauerei" und "tricksen" schreibt - ein Schlag gegen die Solidargemeinschaft, die sich diese Nation leistet und leisten will. Noch. Man braucht nicht viel Fantasie, um nachzuvollziehen, dass Hartz-IV-Sätze beileibe nicht so üppig sind, dass man Abzüge mir nichts, dir nichts in Kauf nehmen könnte. Im Gegenteil: Man muss wohl vermuten, dass es viele Hartz-IV-Empfänger gibt, denen offenbar keiner richtig erklärt hat, dass ihren Rechten auch Pflichten gegenüber stehen. Nicht von ungefähr verstoßen offenbar auffallend viele junge Menschen gegen die Auflagen, bestimmt nicht nur aus Faulheit, sondern wohl auch aus reiner Unkenntnis. Daneben gibt es Menschen, die sich einfach nicht mehr einfinden können, in diese Gesellschaft mit dem System Hartz IV, mit Regeln und Ansprüchen, und die alle Sanktionen hinnehmen. Ihnen wird das Geld gekürzt - bis sie auf der Straße landen. Aber besonders vermint ist das Gelände, das man beim Thema Hartz IV betritt, wenn man ganz nüchtern feststellt, dass mehr als 900.000 Verstöße gegen diverse Auflagen doch erstaunlich viel ist. Und besonders verblüffend ist, dass ihre Zahl steigt - mit der Zahl der offenen Stellen. Es ist schwer zu begreifen, warum es zu viel verlangt sein kann, sich bei der Agentur an- und abzumelden, Termine wahr- und Stellen anzunehmen, selbst wenn es sich nicht um Traumjobs handelt. Und selbst, wenn es viele Termine sind, weil viele Jobs angeboten werden. Das Solidarprinzip in der Arbeitslosen- , und der Kranken-, in der Pflege- und der Rentenversicherung gehört zu den bedeutendsten sozialen Errungenschaften dieser Republik: Die Starken finanzieren die Schwachen mit. Weil sie es können, und weil sie es wollen. Die Akzeptanz dieses Prinzips bröckelt allerdings seit Jahren - und sie bröckelt mehr und mehr. Zum Beispiel durch Politiker, die sich die Stimmen von Besserverdienenden erkaufen. Oder durch "Florida-Helmut". Zu befürchten ist auch: durch immer mehr Hartz-IV-Verstöße.

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