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Börsen-Zeitung: Hochtief ungeschützt, Kommentar von Christoph Ruhkamp zur Ankündigung des Milliardärs August von Finck, sich von seiner Sperrminorität bei Hochtief zu trennen

Frankfurt (ots)

Wird der größte deutsche Baukonzern zum
Übernahmeziel? Der Milliardär August von Finck erwägt einen Verkauf 
seiner Sperrminorität bei Hochtief und erweist sich damit nicht als 
der erhoffte langfristige Investor, der seine Hand schützend über das
Unternehmen hält. Der Streubesitzanteil könnte auf bis zu 94% 
steigen; die übrigen 6% hält der Konzern selbst. Was der Kapitalmarkt
von der Ankündigung Fincks hält, zeigt der leicht steigende 
Aktienkurs: Offenbar überwiegt die wachsende Übernahmefantasie. Der 
beim Verkauf drohende Preisdruck tritt in den Hintergrund.
Die Trennung von dem Anteilspaket wäre in mindestens zwei 
verschiedenen Varianten denkbar. Entweder werden die Aktien außerhalb
der Börse im Rahmen einer Privatplatzierung breit gestreut - wohl 
überwiegend bei deutschen Institutionellen. Oder es wird spannender: 
nämlich bei Weitergabe des vollständigen Pakets an einen 
Finanzinvestor oder an einen strategischen Investor. So wurde im 
vergangenen Jahr etwa über ein Interesse des französischen 
Baukonzerns Vinci oder des britischen Konkurrenten Wimpey spekuliert.
In Bieterwettbewerben konnten sich zuletzt aber immer öfter 
Beteiligungsgesellschaften mit ihren billig fremdfinanzierten Geboten
durchsetzen. Aus dieser Gruppe wird die Investmentbank Macquarie als 
möglicher Interessent genannt, weil ihr Fonds auf 
Infrastrukturinvestments spezialisiert ist. Die Australier könnten 
vor allem auf Hochtiefs Flughäfen schielen. Denkbar wäre sogar der 
Verkauf der hochprofitablen australischen Tochter Leighton.
Für den scheidenden Vorstandschef Hans-Peter Keitel sind solche 
wilden Spekulationen nichts Neues. Als vor knapp drei Jahren RWE ihre
Mehrheit an dem Essener Baukonzern am Kapitalmarkt platzierte, war 
die Situation eher noch schlimmer; denn der Börsenwert lag nur bei 
einem Drittel des heutigen Niveaus. Die Investmentbanken kamen damals
mit vielen interessanten Vorschlägen - und gingen unter anderem mit 
der Erkenntnis, dass die Übernahme eines Baukonzerns gegen dessen 
Willen schwierig und nicht ratsam ist. Denn ein solches Unternehmen 
muss jeden Tag um einzelne Großprojekte kämpfen, und das ist eine 
Frage qualifizierten und motivierten Personals. Eine feindliche 
Übernahme wäre vor diesem Hintergrund bar jeder Vernunft.
(Börsen-Zeitung, 22.12.2006)

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