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Börsen-Zeitung: Den Worst Case eingepreist, Kommentar zum Aktienmarkt von Christopher Kalbhenn

Frankfurt (ots) - Die Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Netzwerkausrüsters Huawei, Wanzhou Meng, hat an den Aktienmärkten das Fass zum Überlaufen gebracht. Per se ist dies Festnahme sicherlich keine Nachricht, die den Dax auf das niedrigste Niveau seit zwei Jahren drücken muss. Doch der Zeitpunkt war aus Sicht der Aktienmärkte so unglücklich, dass eine negative Reaktion nicht ausbleiben konnte.

Hatte das US-chinesische Zölle-Moratorium zum Wochenauftakt noch Hoffnungen geschürt, dass es im Handelsdisput der beiden größten Volkswirtschaften der Welt in absehbarer Zeit auch zu einer dauerhaften Lösung kommen würde, könnten diese Hoffnungen nun möglicherweise dahin sein. Hinzu kommt, dass die Inversion im kurzen Laufzeitenbereich der US-Zinskurve die latenten Rezessionsbefürchtungen befeuert hat. Eben diese hatten wiederum maßgeblich zu den starken Kurseinbußen am Dienstag an der am Mittwoch geschlossenen Wall Street geführt, so dass die Aktienmärkte in einer bereits angeschlagenen Verfassung von der Nachricht zu Huawei getroffen wurden.

Mit den neuerlichen Kurseinbußen tun die Aktienmärkte aber nun zu viel des Schlechten. Sie unterstellen damit, dass der Handelsdisput sich zu einem verheerenden Handelskrieg ausweiten wird und nicht zuletzt deswegen die sich aufgrund der Zinskurve andeutende Rezession quasi vor der Tür steht. Kurzum: Sie preisen den Worst Case ein. Dabei ist es alles andere als gewiss, dass er auch eintreten wird.

Die Inversion der US-Zinskurve ist zum einen noch gar nicht eingetreten. Auch wenn sich dies bald ändern könnte, ist die Verzinsung der zehnjährigen Treasuries immer noch höher als die der zweijährigen. Zum anderen ist die Zinskurveninversion in der Vergangenheit zwar ein zuverlässiger Rezessionsindikator gewesen. Im Durchschnitt hat es aber mehr als ein Jahr gedauert, bevor eine Rezession folgte. Zudem ist nicht klar, ob eine schwere Rezession kommen wird oder eine weniger gravierende, die sich auf eine Kontraktion in zwei aufeinander folgenden Quartalen beschränkt.

Nicht zuletzt ist Donald Trump so unklug gewesen, sich selbst zur Hauptursache der zurückliegenden Rekordjagd des amerikanischen Aktienmarkts zu erklären. Dadurch gerät er nun durch die fallenden Kurse umso mehr unter Druck. Am Markt wird derzeit nicht eingepreist, dass der US-Präsident nun ein gesteigertes Interesse haben dürfte, die Wogen in den Beziehungen zu China zu glätten, um einen anhaltenden Kursverfall zu verhindern.

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