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Börsen-Zeitung: Vertrauensvorschuss, Kommentar zur Eon-Bilanzpressekonferenz, von Andreas Heitker.

Frankfurt (ots) - Eon-Aktionäre sind zurzeit wahrlich nicht zu beneiden. In diesem Jahr steht ihr Unternehmen vor einem bitteren Gewinneinbruch, und 2012 wird wohl auch nicht wirklich gut. Die Brennelementesteuer belastet den Energiekonzern in diesem Jahr mit rund 1 Mrd. Euro. Das Gashandelsgeschäft wird einen Verlust einfahren, der ebenfalls bei etwa 1 Mrd. Euro liegen wird. Und das niedrige Preisniveau an den Strombörsen wird sich ebenfalls heftig in der Bilanz von Deutschlands größtem Versorger niederschlagen. Der Anpassungsprozess des Konzerns, so räumt selbst Vorstandschef Johannes Teyssen ein, verlange allen Stakeholdern ein hohes Maß an Vertrauen ab.

Teyssen hat durchaus gute Argumente auf seiner Seite, die ein solches Vertrauen rechtfertigen würden. Er könnte damit punkten, dass sich Eon auch in den anstehenden schwierigen Geschäftsjahren zur Zahlung einer Mindestdividende verpflichtet hat. RWE hat darauf verzichtet. Mit ihrer Dividendenrendite gehört Eon auch in den nächsten Jahren wohl zu den führenden Unternehmen im Versorgersektor. Im operativen Geschäft kann der Düsseldorfer Konzern zudem darauf setzen, dass die CO2-Belastungen ab 2013 - wenn es keine Zertifikate mehr kostenlos gibt - nicht so groß ausfallen werden wie bei einigen Konkurrenten. Auch deshalb kommt Eon wohl ein Jahr früher aus der Krise wieder heraus als RWE. Zudem hat Teyssen noch ein paar Asse im Ärmel: Das Gas-Upstream-Geschäft, das in den vergangenen sieben Jahren aufgebaut wurde, steht vor einem großen Ergebnissprung. Und die Milliarden-Investitionen in den russischen Strommarkt beginnen sich ebenfalls langsam auszuzahlen.

Die Unsicherheit im Aktionärskreis bleibt dennoch groß, weil immer noch nicht entschieden ist, in welche neuen Märkte außerhalb Europas Eon künftig expandieren will. In fünf Jahren will das Unternehmen ja schon ein Viertel seines operativen Gewinns außerhalb von Europa erzielen. Der russische Markt wird dazu beitragen und ebenso die Windparks in den USA. Alles weitere steht noch in den Sternen. Teyssen hat nach seinen jüngsten Erfolgen beim Desinvestieren von Nicht-Kerngeschäften und beim Schuldenabbau einen Vertrauensvorschuss erhalten. Wie lange dieser noch anhält, wird entscheidend davon abhängen, welche Perspektiven er den Aktionären in den neuen Märkten aufzeigen kann.

(Börsen-Zeitung, 10.3.2011)

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