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Börsen-Zeitung: 100 Dollar in Sicht, Kommentar zum Ölpreis von Christopher Kalbhenn

Frankfurt (ots) - Wie zu jeder Ferien- und Feiertagssaison ertönt auch in diesen Tagen das Klagelied über die fiesen Ölkonzerne, die ihre Marktstellung missbrauchen und den armen Autofahrer an der Zapfsäule schröpfen. Zumindest in diesem Winter ist der Vorwurf aber nicht ganz fair. Es stimmt schlichtweg nicht, dass die Kraftstoffpreise ohne nachvollziehbare Gründe anziehen.

Denn an den Weltmärkten verteuern sich die Notierungen für das schwarze Gold merklich. Der Preis für ein Barrel der US-Ölsorte WTI hat bei 92 Dollar den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren erreicht, bei der Nordseesorte Brent rückt mit Notierungen von 94 Dollar die Marke von 100 Dollar allmählich in Sichtweite. Ein Blick aus dem Fenster genügt, um einen der Gründe des Preisanstiegs auszumachen. In Europa und in den USA sorgt der zum Teil deutlich kälter als üblich ausfallende Winter für eine hohe Nachfrage nach Heizöl.

Hinzu kommt die starke Entwicklung der Weltwirtschaft. Die Schwellenländer zeigen wieder die sehr hohen Wachstumsraten, die vor der Finanzkrise maßgeblich dazu beitrugen, die WTI-Notierung auf Rekordhöhen von nahezu 150 Dollar zu treiben. Aber auch in den Industrieländern, deren Konjunktur zu einem guten Teil vom Emerging-Markets-Boom angetrieben wird, steigt die Nachfrage der Wirtschaft nach Öl deutlich. Chinas Nachfrage erreichte im November mit einem Volumen von über 9 Mill. Barrel pro Tag Rekordniveau. Noch stärker wurde der globale Nachfrageanstieg jedoch von den OECD-Ländern getragen. Im dritten Quartal betrug der Anstieg ihrer Nachfrage gegenüber dem Vorjahr nahezu 2 Mill. Barrel pro Tag. Auch der Vorwurf, der spätestens nach Überschreiten der 100-Dollar-Marke wieder zu hören sein dürfte, dass der Ölpreisanstieg ein Resultat von Spekulation ist, wird vor diesem Hintergrund nicht zu halten sein. Die hohe Nachfrage ist ebenso real wie die Verknappung der Bestände.

Überdies ist es fraglich, ob die Rekordnotierungen des Jahres 2008 wieder erreicht werden. Viele Spekulanten haben sich in der Krise, als der Ölpreis einbrach, eine blutige Nase geholt. Außerdem verstärkt China gerade die Maßnahmen zur Bekämpfung des Inflationsanstiegs und spekulativer Exzesse. Sie könnten zu einer deutlichen Wachstumsverlangsamung führen - mit entsprechenden Folgen für die Ölnachfrage.

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