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Börsen-Zeitung: Wachstumsrisiken bleiben, Kommentar von Stephan Lorz zu den jüngsten Wachstumsdaten für Deutschland

Frankfurt (ots) - Die deutsche Wirtschaft strotzt vor Stärke. Um 2,2% hat das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal zugelegt - so stark wie nie seit der Wiedervereinigung. Bundesbank, Forschungsinstitute und Geschäftsbanken haben ihre Wachstumsprognosen bereits nach oben revidiert. Ein Plus von deutlich über 3% wird nun für 2010 erwartet. Und es wird auch kein Strohfeuer sein, wie bisher einige Ökonomen noch mutmaßten. Denn wie die Detaildaten aus dem zweiten Quartal jetzt zeigen, hat der Aufschwung inzwischen auch etwas an Breite zugelegt. Neben dem Export hat sich ein weiterer Wachstumspfeiler herausgebildet: die Ausrüstungsinvestitionen. Und selbst die seit Jahren erstarrte Privatnachfrage kommt langsam in Schwung. Sie expandierte das erste Mal seit vier Quartalen. Zudem sinkt die Sparquote, und die Ausgabefreude nimmt zu.

Manche Volkswirte rufen vor diesem Hintergrund bereits ein "deutsches Jahrzehnt" aus: Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit sei wiederhergestellt und verteidigt worden, das Produktportfolio der deutschen Wirtschaft suche seinesgleichen, die heimischen Unternehmen gingen gestärkt aus der Krise hervor und die Geldpolitik der EZB gebe der heimischen Wirtschaft zusätzlich Rückenwind, weil sie die Zinsen aus Rücksicht auf die schwächeren Euro-Länder niedriger halten müsse, als es für den Zustand der deutschen Wirtschaft angemessen wäre. Deutschland, so heißt es, "startet durch".

Doch selbst diese überaus positiven Umstände sind noch keine Gewähr für einen nachhaltigen Aufschwung. Wenn die ausländischen Geschäftspartner schlappmachen, schlägt das umso stärker auf die heimische Wirtschaft zurück. In den USA stottert der Konjunkturmotor bereits wieder, in China droht eine Überhitzung des Immobilienmarkts und in vielen Euro-Staaten kommt die Privatwirtschaft wegen der öffentlichen Schuldenberge auf keinen grünen Zweig. Es ist deshalb an der Zeit, durch Reformen die deutsche Binnennachfrage zu stützen, damit sich ein selbsttragender Aufschwung entwickeln kann. Bisher aufgeschobene Sozialreformen müssen den Bürgern mehr Netto vom Brutto lassen, damit sie mehr konsumieren können. Und in der anstehenden Tarifrunde sollte der Lohnverteilungsspielraum voll ausgeschöpft (nicht überschritten!) werden. Selbst der Gewerkschaftsnähe unverdächtige Ökonomen fordern das inzwischen.

(Börsen-Zeitung, 25.8.2010)

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