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Börsen-Zeitung: Der Oppenheim-Skandal, Kommentar von Bernd Wittkowski zu den Missständen beim Bankhaus Sal. Oppenheim

Frankfurt (ots)

Es war im Juli 2008, die Finanzkrise ging in ihr
zweites Jahr, da erzählten Matthias Graf von Krockow und Friedrich 
Carl Janssen im Gespräch mit der Börsen-Zeitung ihren aktuellen 
Lieblingswitz: "There are two sides of a banks balance sheet - the 
left side and the right side. On the left side nothing is right, and 
on the right side nothing is left." Sal. Oppenheim war nicht gemeint,
und so hatten die persönlich haftenden Gesellschafter richtig Spaß an
ihrem Wortspiel.
Eineinhalb Jahre später dürfte ihnen, die sich damals über die in 
ihrer Branche herrschende Gier und Spielkasino-Mentalität aufregten 
und eine Rückbesinnung auf die Tugenden des ehrbaren Kaufmanns 
anmahnten, ebenso wie ihren Partnern Christopher Freiherr von 
Oppenheim und Dieter Pfundt das Lachen im Halse stecken bleiben. Denn
ihre Bilanz ist es, auf deren linker Seite nichts in Ordnung ist und 
in der rechts vom Eigenkapital wohl nicht allzu viel übrig wäre, 
hätte nicht vor allem die Deutsche Bank den Gesellschaftern eine 
Eigenmittelzuführung vorfinanziert.
Der Fall Oppenheim, das wird von Tag zu Tag deutlicher, ist ein 
Skandal, wie er selbst in der deutschen Bankengeschichte, die ja nun 
an zum Himmel stinkenden Vorkommnissen nicht gerade arm ist, 
Seltenheitswert hat. Sal. Oppenheim, das war mal eine Bank der 
Superlative, die größte Privatbankgruppe Europas, deren 
Verantwortliche irgendwann selbst glaubten, alles, was sie anfassen, 
werde zu Gold. Heute weiß man, dass Oppenheim tatsächlich eine Bank 
der Superlative ist: Setzt man die Geldvernichtung in Relation zur 
überschaubaren Größe des Instituts, dann gibt es in jüngerer Zeit 
kaum eine andere Zockerbude, in der so schnell so viel Kapital 
verjuxt wurde. Als hätte es nach missglückten Industriebeteiligungen,
verlorenen Zertifikatewetten, fehlgeschlagenen Kredit- und 
Immobilienengagements oder der Lachnummer um den versuchten Verkauf 
der Tochter BHF-Bank noch eines Beweises für das kolossale Versagen 
bedurft, kommt nun zu allem Überfluss die Geschichte mit den dubiosen
Krediten an Organmitglieder hoch.
Menschlich können einem die Beteiligten und die betroffenen 
Familien angesichts der Dimension dieser realen Tragödie, die sich 
kein Dramatiker ausdenken könnte, inzwischen wirklich leidtun. Dass 
die für die Misere Verantwortlichen als Banker abtreten müssen, ist 
dagegen überfällig. Sie können in Zukunft als begnadete Witzeerzähler
auftreten.
(Börsen-Zeitung, 22.12.2009)

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