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Börsen-Zeitung: Über dem Abgrund, Kommentar von Bernd Wittkowski zur äußerst kritischen Situation bei der WestLB

    Frankfurt (ots) - Seit mindestens zwei Jahren stand die WestLB am Rande des Abgrunds. Jetzt ist sie einen Schritt weiter. Die maßgeblich vom Land Nordrhein-Westfalen (NRW) und mit knapper Mehrheit von den regionalen Sparkassenverbänden getragene, von ihren Eigentümern und den Steuerzahlern schon früher ein ums andere Mal notdürftig mit Kapitalspritzen aufgepäppelte Bank ist faktisch pleite. Je näher der 30. November rückt, der Tag, an dem die aktuelle 4-Mrd.-Euro-Garantie der Aktionäre ausläuft, desto mehr scheint der Kapitalbedarf zu steigen. Inzwischen ist von bis zu 6 Mrd. Euro die Rede. Bisher waren 3 Mrd. Euro für eine dann angeblich gesunde, von toxischen und nichtstrategischen Aktiva entlastete Kernbank im Gespräch.

    Eine Woche vor Ultimo hat nun die Phase der entscheidenden Krisentreffen und Nachtsitzungen begonnen. Am Montagabend kamen die Chefs der Landesbanken zusammen, die freilich in ihrer Mehrzahl selbst nichts mehr auf der Naht haben. Die anderen regionalen Spitzeninstitute der Sparkassen müssten gemäß der Haftungssystematik des Verbundes zuerst einspringen, sollte die WestLB den Offenbarungseid leisten und offiziell solidarische Hilfe der "Schwesterinstitute" bzw. der gesamten Gruppe beantragen. Bisher ist dieses Ansinnen nur informell vorgetragen worden. Doch die Begeisterung über die Idee, den Stützungsfall durch freiwillige Beiträge zu vermeiden, hält sich außerhalb von NRW in engen Grenzen. Von einem "dreisten Erpressungsversuch" ist die Rede.

    Was da läuft, ist ein erbitterter Kampf um die Lastenverteilung, und zwar auf verschiedenen Ebenen. Erstens zwischen dem Bund bzw. dem Bankenrettungsfonds Soffin auf der einen sowie den WestLB-Eignern und der Sparkassengruppe insgesamt auf der anderen Seite. Zweitens innerhalb des Sparkassenlagers zwischen NRW und dem Rest der Welt. Die Sparkassen im Rheinland und in Westfalen-Lippe gelten jenseits dieser Regionen keineswegs als so arm, wie sie sich geben. Und Unterstützung etwa von der BayernLB, der HSH Nordbank oder der LBBW: Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

    "Moratorium", "Insolvenz", "Abwicklung" - dass aus diversen Kreisen diese Szenarien lanciert werden, mag in einem solchen Verhandlungsstadium zum Preispoker gehören. Aber über dem Abgrund schwebend pokert es sich schlecht, da gibt es auch keine leeren Drohungen mehr. Man muss in diesem Fall stündlich mit allem rechnen.

    (Börsen-Zeitung, 24.11.2009)

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