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Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)

Covid-19 in Iranisch-Kurdistan: Schlechte Versorgung und mangelndes Vertrauen

Covid-19 in Iranisch-Kurdistan:

  • Medizinische Infrastruktur in kurdischen Gebieten besonders schlecht
  • Behörden sollen Medikamente, Desinfektionsmittel und Schutzmasken nach Teheran abtransportiert haben
  • Ausgangssperren und Quarantänemaßnahmen würden den Staat überfordern

Der Vielvölkerstaat Iran ist neben China und Italien derzeit am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen. Besonders dramatisch sei die Lage in Iranisch-Kurdistan. Das berichtet Dr. Kamal Sido, Nahostexperte der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). In den mehrheitlich kurdisch besiedelten Regionen im Westen und Nordwesten des Landes sei die medizinische Infrastruktur viel schlechter als im Rest des Landes.

"Es gibt deutlich weniger Krankenhäuser und medizinisches Personal. Das gilt auch für die Zahl der Apotheken und deren Versorgung mit Medikamenten oder Desinfektionsmitteln", erklärt Sido. "Menschen aus der Region berichten uns, dass die iranische Behörden Medikamente, Desinfektionsmittel und Schutzmasken aus den Städten Kurdistans nach Teheran und andere Städte abtransportierten, als sich die Pandemie dort ausbreitete." Diese Maßnahmen der Regierung verschlechterten die medizinische Versorgung der kurdischen Regionen zusätzlich. Nun verbreite sich das Virus rasant. Täglich würden Menschen sterben. "Es gibt kaum Möglichkeiten, alle Todesursachen nachzuvollziehen, denn viele Fälle werden gar nicht registriert", so Sido. "Seit Samstag sollen allein in der Stadt Saqqez 17 Menschen wohl an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben sein."

Weil es kaum Vertrauen zwischen den Machthabenden und der Bevölkerung gebe, könnten die iranischen Behörden nicht einfach Ausgangssperren verhängen. Zudem hätte der Staat nicht die Kapazitäten, diese auch durchzusetzen. Wegen der harten westlichen Sanktionen und der selbstverschuldet maroden Wirtschaft, könne die Bevölkerung im Falle einer landesweiten Quarantäne auch nicht versorgt werden.

Als sich die Corona-Pandemie in China ausbreitete, unterbrach der Iran den belebten Reiseverkehr mit dem fernasiatischen Land nicht. Iranische Medien berichteten kaum über die Ansteckungsgefahr. "Die Regierung wollte wohl die Beteiligung an den Parlamentswahlen am 21. Februar nicht negativ beeinflussen", vermutet Sido. "Oppositionelle Gruppen hatten zu einem Wahlboykott aufgerufen."

Einige staatliche Medien berichteten in der Nacht vom 20. auf den 21. Februar schließlich doch über die große Verbreitung des Virus, spielten dessen Gefährlichkeit jedoch weiter herunter. Nach offiziellen Angaben seien im Iran bisher 23.049 Menschen infiziert, 1812 davon gestorben. Es wird vermutet, dass die tatsächlichen Zahlen deutlich höher liegen. In den dicht besiedelten Teilen der Großstädte Irans, wo auch Geflüchtete beispielsweise aus Afghanistan leben, sei die Ansteckungsgefahr besonders groß.

Im Iran leben neben der persischen Mehrheit auch aserische, kurdische, arabische, belutschische, turkmenische und assyro-aramäische Minderheiten sowie kleinere ethnische und religiöse Gruppen. Weit mehr als die Hälfte der rund 81 Millionen Menschen im Iran gehören nicht-persischen Nationalitäten an. Als Volksgruppen mit eigener Sprache, Kultur und Geschichte werden sie jedoch nicht anerkannt, sondern unterdrückt und diskriminiert.

Sie erreichen Kamal Sido im Homeoffice unter ksido@gmx.de oder 01736733980.

Gesellschaft für bedrohte Völker
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Tel.: +49 551 499 06-21
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E-Mail: info@gfbv.de
www.gfbv.de
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