Ultra-Fast-Fashion-Gigant Shein geht an die Börse: Deutsche Umwelthilfe warnt vor Risikogeschäft auf Kosten von Umwelt und Gesundheit
Berlin (ots)
Am 1. September 2026 geht der Ultra-Fast-Fashion-Konzern Shein in Hongkong an die Börse. Die erwartete Bewertung liegt mit rund 27 Milliarden US-Dollar etwa 70 Prozent unter der Prognose von 2022. Das zeigt, dass auch der Kapitalmarkt die Risiken des Ultra-Fast-Fashion-Modells zunehmend einzupreisen scheint. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert klare politische Regelungen, damit Kurzlebigkeit, Ressourcenverschwendung und riesige Textilabfallmengen sich nicht lohnen.
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH: "Das Ultra-Fast-Fashion-Geschäftsmodell auf Kosten von Umwelt und Gesundheit darf keine Zukunft haben - erst recht nicht an der Börse. Denn ein Börsengang lebt von der Aussicht auf weiteres Wachstum und künftige Gewinne. Wenn diese Gewinne aber nur möglich sind, weil die wahren Kosten für Ressourcenverbrauch, Textilmüll, Schadstoffe und Umweltzerstörung bei Mensch, Natur und Allgemeinheit landen, läuft etwas grundlegend falsch. Ein solches Geschäftsmodell darf durch einen Börsengang nicht noch zusätzliches Kapital für weiteres Wachstum erhalten.
Dass Shein heute rund 70 Prozent niedriger bewertet wird als noch 2022, ist deshalb ein wichtiges Signal: Wo Politik beginnt, diesem Geschäftsmodell Grenzen zu setzen und Unternehmen stärker für seine Folgen verantwortlich zu machen, steigt auch dessen wirtschaftliches Risiko. Genau hier müssen wir ansetzen. Die Europäische Union hat erste wichtige Regeln geschaffen, Frankreich geht bei Fast Fashion noch weiter. Es wäre fatal, wenn Deutschland jetzt hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.
Unsere Schadstoffanalysen zeigen, wie dringend weitere Regeln und deren konsequente Durchsetzung sind: Knapp 40 Prozent der von uns untersuchten Shein-Produkte hätten aufgrund von Verstößen gegen europäische Chemikalienvorschriften gar nicht erst verkauft werden dürfen. Bundesumweltminister Carsten Schneider muss das geplante Textilgesetz deshalb zu einem echten Anti-Fast-Fashion-Gesetz machen. Die Politik muss dafür sorgen, dass sich Überproduktion, Ressourcenverschwendung und Geschäfte auf Kosten von Umwelt und Gesundheit nicht länger rechnen. Wer diese Kosten verursacht, muss sie auch tragen - und dann wird sich auch am Kapitalmarkt zeigen, wie zukunftsfähig dieses Geschäftsmodell tatsächlich ist."
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