Ozon-Grenzwertempfehlung überschritten: Deutsche Umwelthilfe kündigt an, Minderungsmaßnahmen vorm Bundesverwaltungsgericht durchzusetzen
Berlin (ots)
- DUH-Auswertung zeigt: 263 von 280 Messstationen überschreiten bereits Mitte August die WHO-Empfehlungen für bodennahes Ozon für ein gesamtes Jahr
- Am stärksten belastete Messstationen in Baden-Württemberg und Bayern - Schlusslichter Schwarzwald-Süd, Neuenburg, Weil am Rhein, Friedrichshafen und Freiburg
- DUH im September vorm Bundesverwaltungsgericht, um Maßnahmen zur Senkung zentraler Ozon-Vorläuferstoffe durchzusetzen
Eine Auswertung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) auf Grundlage aktueller Messdaten des Umweltbundesamtes (UBA) zeigt eine alarmierende Belastung mit bodennahem Ozon in Deutschland: Bereits Mitte August liegen mindestens 263 von 280 Messstationen und damit 94 Prozent über der Ozon-Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Besonders belastet sind Schwarzwald-Süd mit 55 Tagen über 120 µg/m³ im höchsten 8-Stunden-Mittel, Neuenburg mit 52 sowie Weil am Rhein, Friedrichshafen und Freiburg mit jeweils 51 Tagen.
Die DUH fordert von der Bundesregierung wirksame Maßnahmen zur Einhaltung der Emissionsminderungsvorgaben. Diese erfassen neben flüchtigen organischen Verbindungen (NMVOC) und Stickoxiden (NOx) auch zentrale Vorläufer von bodennahem Ozon. Konkret braucht es aus Sicht der DUH die konsequente Aufarbeitung von Dieselgate sowie eine verbindliche Flächenbindung in der Tierhaltung, um die Tierzahlen und damit die Methanemissionen als weiteren wichtigen Ozon-Vorläufer zu reduzieren.
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: "Deutschlandweit stehen 22.000 Todesfälle jährlich mit bodennahem Ozon in Verbindung. Im Kartoffel- und Weizenanbau verursacht das Gas Ernteverluste in Millionenhöhe. Die Klimakrise verschärft die Belastung weiter: Immer häufigere Hitzeextreme schaffen ideale Bedingungen für die Bildung von Ozon. Die Bundesregierung darf nicht länger wegsehen. Noch immer sind rund acht Millionen Dieselfahrzeuge mit illegalen Abschalteinrichtungen und extrem hohen Stickoxidemissionen auf deutschen Straßen unterwegs. Diese dreckigen Fahrzeuge müssen endlich nachgerüstet oder stillgelegt werden. Wir werden die Bundesregierung im September höchstrichterlich zwingen, ihr Luftreinhalteprogramm endlich mit geeigneten Maßnahmen nachzubessern."
Im Juli 2024 hat das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg nach einer Klage der DUH bestätigt: Das Nationale Luftreinhalteprogramm reicht nicht aus, um die europäischen Reduktionsvorgaben für Stickoxide, Feinstaub, Ammoniak und Schwefeldioxid aus der NEC-Richtline sicher einzuhalten. Weil die Bundesregierung sich weigert, das Urteil zu akzeptieren, verhandelt nun im September das Bundesverwaltungsgericht.
Hintergrund:
Bodennahes Ozon entsteht durch die Reaktion von Stickoxiden, flüchtigen organischen Verbindungen und Methan unter starker Sonneneinstrahlung und hohen Temperaturen. Rund drei Viertel aller Methan-Emissionen in Deutschland entstehen in der Landwirtschaft, vor allem durch die Verdauung von Rindern sowie durch die Lagerung und Ausbringung von Gülle in der Rinder- und Schweinehaltung. Bei den Stickoxiden zählt der Verkehr zu den Hauptverursachern, insbesondere Dieselfahrzeuge.
Die WHO empfiehlt für Ozon einen Wert von 100 µg/m³ im höchsten täglichen 8-Stunden-Mittel, der nur an drei bis vier Tagen pro Jahr überschritten werden sollte. Die UBA-Auswertung weist Überschreitungstage erst ab 120 µg/m³ aus. Die tatsächliche Zahl der Tage oberhalb der WHO-Empfehlung kann damit noch höher liegen.
Link:
Die DUH-Auswertung finden Sie hier: https://l.duh.de/p260820
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