Deutsche Umwelthilfe e.V.

Deutsche Umwelthilfe zum Welternährungstag: Einstieg in die naturverträgliche Landwirtschaft muss Kernaufgabe der neuen Regierung werden

Berlin (ots) - Deutsche Umwelthilfe fordert, die Lebensmittelverschwendung mit Hilfe einer nationalen Reduktionsstrategie bis 2030 zu halbieren - Umwelt- und klimaschädliche Emissionen aus der Landwirtschaft müssen dringend reduziert werden - Neue Regierung muss Düngerecht überarbeiten

Anlässlich des Welternährungstages am 16. Oktober 2017 fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Koalitionäre auf, den flächendeckenden Einstieg in eine natur-, klima- und gesundheitsverträgliche Landwirtschaft und Tierhaltung zum Kernstück der Koalitionsverhandlungen zu machen. Zudem müsse der verschwenderische Umgang mit Lebensmitteln entlang der Wertschöpfungskette, der nicht nur Ressourcen vergeudet, sondern auch zu unnötigen umwelt- und klimaschädlichen Emissionen führt, beendet werden. Dazu ist aus Sicht der DUH die Festschreibung eines verbindlichen Maßnahmenkatalogs inklusive Zeitplan und Reduktionsziel für die Lebensmittelverschwendung notwendig.

In Deutschland landen jährlich rund acht Millionen Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle im Müll. Der verschwenderische Umgang mit Lebensmitteln bedeutet nicht nur unnötigen Verbrauch landwirtschaftlicher Flächen, sondern hat negative Auswirkungen auf Klima und Umwelt. Bei der landwirtschaftlichen Produktion von insbesondere tierischen Lebensmitteln entstehen Luftschadstoffe und Treibhausgas-Emissionen, die die Luft verpesten und die Klimakrise befeuern.

"Die Verschwendung wertvoller Lebensmittel ist nicht nur moralisch ein Skandal. Auch könnten erhebliche Mengen klimaschädlicher und gesundheitsgefährdender Treibhausgase und Luftschadstoffe vermieden werden. Angesicht des derzeitigen Defizits zum Erreichen des nationalen Klimaziels bis 2020 ist die Landwirtschaft dringend aufgefordert, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten", so Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Die "Daten zur Umwelt 2015", herausgegeben vom Umweltbundesamt, geben an, dass die Ernährung in Deutschland im Jahr 2011 131 Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen verursachte, darunter das als Lachgas bekannte N2O, Kohlendioxid (CO2) und Methan. Die Emissionen schaden nicht nur dem Klima, sondern auch unserer Gesundheit und der Biodiversität. Hier spielen insbesondere die durch die intensive Tierhaltung freigesetzten Stoffe Ammoniak und Methan eine Rolle. Diese sind neben ihren direkten negativen Folgen zudem Vorläuferstoffe für Ozon und Feinstaub, beide Luftschadstoffe sind besonders gefährlich für die menschliche Gesundheit und die Umwelt. In Deutschland sterben laut dem neuen, am 11.10.2017 veröffentlichten "Air quality report" der Europäischen Umweltagentur jährlich über 66.080 Menschen an der erhöhten Feinstaubkonzentration (PM 2,5) und 2.220 Menschen aufgrund der Ozonkonzentration vorzeitig.

Die DUH fordert die neue Bundesregierung auf, die Halbierung der Lebensmittelverschwendung bis 2030 gesetzlich festzuschreiben und dazu eine verbindliche nationale Minderungsstrategie mit kurzfristigen und wirksamen Maßnahmen zu erarbeiten.

Ein wichtiger Hebel, um die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, ist aus Sicht der DUH die Kennzeichnung von nicht leicht verderblichen Lebensmitteln mit einem das bisherige Mindesthaltbarkeitsdatum ergänzenden Verbrauchsdatum. Damit können Händler noch unbedenklich genießbare Lebensmittel auch nach dem offiziellen Verfallsdatum billiger oder umsonst abgeben, ohne Haftungsrisiken einzugehen.

Zudem fordert die DUH die Bundesregierung auf, für die wichtigsten Schadstoffgruppen aus der Landwirtschaft, Stickstoff und Methan, nationale Minderungsstrategien zu erarbeiten.

Bereits 2013 hat die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen zu hoher Nitratbelastung eingeleitet und die Bundesrepublik 2016 verklagt. Die hohe Nitratbelastung ist vor allem auf die Überdüngung aus der Landwirtschaft zurückzuführen. Sie wirkt sich auf Gewässer und unser Trinkwasser aus. Zu viel Nitrat in Flüssen, Seen und Meeren trägt zudem dazu bei, dass Pflanzen- und Tierarten aussterben. Gleichzeitig wird die Emissionshöchstmenge für Ammoniak von 550 Kilotonnen in Deutschland seit Jahren überschritten. In der Atmosphäre bildet Ammoniak sekundären Feinstaub, der das Risiko für Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen erhöht, die Lungenfunktion reduziert und Krebs verursacht. Zudem führen Ammoniakemissionen zur Versauerung und Nährstoffüberversorgung (Eutrophierung) von Ökosystemen, was die Biodiversität erheblich verringert. Aus diesem Grund hat die DUH im Januar 2016 gegen die Bundesregierung auf Einhaltung der EU-Grenzwerte geklagt.

"Die Alarmsignale sind mehr als eindeutig und dennoch hat es die schwarz-rote Regierung unter Angela Merkel nicht geschafft, wirksame Maßnahmen gegen steigende Nitratwerte festzulegen. Dass zuletzt die Verabschiedung des Kernstücks des Düngerechts, die Stoffstrombilanzverordnung scheiterte, ist ein Armutszeugnis für die Regierung. Die neue Koalition muss die Überarbeitung des Düngerechts sofort in Angriff nehmen und mit einer nationalen Stickstoffminderungsstrategie zur Reduktion der Emissionen beitragen - zum Schutz der Natur, des Klimas und unseres Trinkwassers", so Müller-Kraenner.

Ebenfalls kein Schritt weiter kam die Bundesregierung beim Klimaschutz in der Landwirtschaft. Es fehlen konkrete nationale Gesetze und Verordnungen, die direkt die Senkung der Methanemissionen zum Ziel haben und eine nationale Minderungsstrategie mit Maßnahmen und Zeitachse konkret vorschreiben. Diese sind aber dringend notwendig, um die nationalen Klimaschutzziele erreichen zu können, zumal die Treibhausgasemissionen der deutschen Landwirtschaft im Jahr 2014 gegenüber dem Vorjahr sogar um etwa 2,2 Prozent auf insgesamt 66 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente angewachsen sind. Ursache für diesen Anstieg sind insbesondere Methan- und Lachgasemissionen. Sie werden verursacht durch die Tierhaltung oder die Lagerung von Wirtschaftsdünger.

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Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer
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