Bayerische Ingenieurekammer-Bau
Ingenieurbüros unter Druck: Auftragsrückgänge, Ingenieurmangel und Strukturwandel
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Das Infrastrukturpaket der Bundesregierung kommt in den Ingenieurbüros nicht an. Ein Jahr nach der Einigung auf das 500 Millionen Euro Sondervermögen für Investitionen in Infrastruktur und Klimaneutralität und mehrere Monate nach dem beschlossenem „Bauturbo“ ist die wirtschaftliche Stimmung der bayerischen Ingenieurbüros sehr verhalten. Dies ergibt die Konjunkturumfrage der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, die jährlich im März durchgeführt wird.
Geschäftslage, Auftragsvolumen und Erträge bewerten die bayerischen Ingenieurbüros schlechter als im Vorjahr, die Mehrheit rechnet mit stagnierenden Entwicklungen. Belastend wirken vor allem Auftragsrückgänge und gestörte Projektabläufe, aber auch die zunehmende Vergabe an Generalplaner. Eine große Herausforderung bleibt der anhaltende Ingenieurmangel: Viele Büros finden trotz steigender Einstiegsgehälter kaum qualifizierte Bewerber. So fällt auch die Investitionsplanung der Büros für 2026 zurückhaltender aus als noch im Vorjahr. Gleichzeitig steigt der Druck durch strukturelle Veränderungen im Markt.
Eintrübung bei Geschäftslage und Auftragsvolumen
Bei der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage zeigt sich ein Rückgang zum Vorjahr: 49,8 Prozent der Büros bewerten ihre Geschäftslage als gut (Vorjahr: 53,2 Prozent), 37 Prozent als befriedigend (2025: 36,2 Prozent) und 13,1 Prozent als schlecht (2025: 10,6 Prozent).
Beim Auftragsvolumen ergibt sich ein ähnliches Bild. Sowohl der Anteil positiver Meldungen als auch der optimistischen Erwartungen sinkt leicht. Das derzeitige Auftragsvolumen bewerten nur noch 49,4 Prozent als gut (2025: 53,1 Prozent), aber 13,3 Prozent als schlecht (2025: 10,9 Prozent). Für das Jahr 2026 rechnen lediglich 17,4 Prozent der Befragten mit steigenden Aufträgen, während 25,4 Prozent weniger Aufträge erwarten.
Die Branche blickt damit sowohl bei der Geschäfts- als auch bei der Auftragslage verhaltener als im Vorjahr in die Zukunft.
Umsätze und Erträge: Stagnation und wachsende Unsicherheit
Die Umsatzentwicklung bleibt von Stagnation geprägt. Nur noch 19 Prozent rechnen mit steigenden Umsätzen. 53,7 Prozent der Büros gehen von gleichbleibenden Umsätzen aus, während 27,4 Prozent sinkende Umsätze erwarten.
Die Ertragslage zeigt ein vergleichbares Muster: Nur noch 36,8 Prozent bewerten sie als gut – ein leichter Rückgang gegenüber 2025. Auch bei den Aussichten für das Jahr 2026 dominiert Vorsicht: Fast 60 Prozent rechnen nicht mit einer Veränderung der Ertragslage, knapp ein Viertel erwartet eine Verschlechterung.
Investitionen bleiben zurückhaltend
Auch die Investitionsbereitschaft der Ingenieurbüros verschiebt sich merklich. Während 50,5 Prozent gleichbleibende Investitionen planen, steigt der Anteil derjenigen, die ihre Ausgaben reduzieren wollen, auf 28,8 Prozent (Vorjahr: 24,4 Prozent). Steigende Investitionen planen nur 20,6 Prozent der Büros.
Wirtschaftliche Auswirkungen der aktuellen Lage
Die Folgen der wirtschaftlichen und politischen Lage in Deutschland spüren die Ingenieurbüros deutlich: Mit 46,8 Prozent berichtet fast die Hälfte der Büros von einer Verschlechterung, nur 13,3 Prozent spüren eine Verbesserung.
Die Liste der externen Einflussfaktoren wird länger - hier zeigt sich deutlich, welche Faktoren den Büros im Jahr 2025 Sorgen bereiteten. 47,9 Prozent nennen Auftragsrückgänge, Stornierungen und Ausschreibungsengpässe und 38,3 Prozent gestörte Projektabläufe aufgrund aktueller Krisen.
Weitere 38,3 Prozent sehen die verstärkte Vergabe an Generalplaner und Totalunternehmer als Problem – ein Anstieg um über 18 Prozentpunkte. Letzterer Trend legt massiv zu und sorgt bei vielen Büros für Wettbewerbsdruck. Auch der Wegfall der verbindlichen Honorare (HOAI-Sätze) wird von über einem Drittel der befragten Büros als Schwierigkeit genannt.
Ingenieurmangel bleibt weiter problematisch
Der Fachkräftemangel bleibt ein strukturelles Problem. Aktuell haben 40,2 Prozent der befragten Büros offene Stellen zu besetzen. 59,4 Prozent der Büros finden jedoch keine qualifizierten Bewerber - trotz weiter steigenden Einstiegsgehältern. So steigen inzwischen 56,5 Prozent der Masterabsolventen mit Gehältern über 50.000 Euro ein. Für die Büros bedeutet dies steigende Personalkosten bei unverändert hartem Wettbewerb um Talente - für den Nachwuchs hingegen ein attraktiveres Berufsfeld.
Fazit: Stabile Basis – aber wachsende strukturelle Belastungen
Die Konjunkturumfrage 2026 zeigt, dass die bayerischen Ingenieurbüros solide aufgestellt sind, aber zunehmend unter konjunkturellen Unsicherheiten und langfristigen strukturellen Herausforderungen leiden.
Die Ingenieurbüros stehen 2026 wirtschaftlich und personell vor einem herausfordernden Jahr: wirtschaftlich gebremst, strukturell unter Druck, personell angespannt. Ohne bessere Rahmenbedingungen, ohne Nachwuchs und ohne verlässliche Auftragspraxis droht der Branche eine dauerhafte Schwächung - mit unmittelbaren Folgen für Infrastruktur, Klimaanpassung und Bauqualität in Bayern.
Dabei sind die Ingenieurbüros ein zentraler Wirtschaftsfaktor und trotz konjunktureller Gegenwinde gerade in Bayern eine tragende Säule der Wirtschaft. Aber stabile Zukunftsaussichten brauchen verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Das Infrastrukturpaket und der Bauturbo müssen endlich zünden!
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