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Landesgartenschau Neuss 2026

Warum haben wir so viel Sand?

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Seltene Sanddünen und heimische Artenvielfalt auf der Landesgartenschau Neuss 2026

PRESSEMITTEILUNG

Neuss, 2. September 2026

Auf dem Gelände der Landesgartenschau Neuss ist ein vielfältiger Lebensraum für heimische Pflanzen und Tiere entstanden. Gemeinsam mit der Biologischen Station im Rhein-Kreis Neuss e. V. wurden artenreiche Wiesen und naturnah gestaltete Sanddünen angelegt, die charakteristische Landschaften und Pflanzengesellschaften des Niederrheins erlebbar machen.

Das alte Geläuf auf der Landesgartenschau Neuss erinnert an die historische Pferderennbahn, die seit 1875 das Stadtbild prägte und besonders für ihre Winterrennen bekannt war. Der Erhalt dieses Sandgeläufs als markantes Merkmal des ehemaligen Rennbahngeländes war von Beginn an Teil des Gestaltungskonzeptes der Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH. Dieses sollte erlebbar bleiben und zu einem ökologisch wertvollen Sandmagerrasen-Biotop entwickelt werden.

Hierfür wurden auf der alten Sandbahn rund 1.300 m3 regionaler, ungewaschener Feinsand aufgeschüttet und fünf große Sanddünen modelliert. Sie befinden sich im Norden, Südosten und Südwesten des Geländes überwiegend in den leicht geneigten Kurven angeordnet und orientieren sich an den seltenen Binnendünen des Niederrheins.

Neue Lebensräume nach dem Vorbild des Wahler Bergs

Ein bedeutendes natürliches Vorbild befindet sich bei Stürzelberg: Der Wahler Berg gehört zu den wenigen gut erhaltenen Binnendünen der Region. Aufgrund seiner besonderen Flora und Fauna ist er als sogenanntes Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Teil des europäischen Naturerbes.

Viele der ehemals im Rhein-Kreis Neuss vorhandenen Binnendünen wurden im Laufe der Zeit überbaut, aufgeforstet oder anderweitig zerstört. Mit den neuen Sandflächen auf dem Landesgartenschaugelände wurden Ersatzlebensräume für Pflanzen und Tiere geschaffen, die auf trockene, warme und nährstoffarme Standorte angewiesen sind.

Der für die Dünen verwendete feine Sand stammt aus einer nahegelegenen Abgrabung. Um die Besiedlung mit charakteristischen Arten wie Silbergras, Bauernsenf, Moosen und Flechten zu unterstützen, wurde am Wahler Berg vorsichtig Bodenmaterial mit darin enthaltenen Samen und Sporen entnommen und auf den neu angelegten Dünen verteilt.

Gleichzeitig diente das behutsame Abtragen einzelner Oberbodenbereiche am Wahler Berg dem Naturschutz: Arten wie das Silbergras benötigen offene, kaum bewachsene Sandflächen, um sich erfolgreich entwickeln zu können.

Riesige „Sandarien“ für seltene Arten

Die trockenen und warmen Sandflächen bieten auch spezialisierten Tierarten einen wertvollen Lebensraum. Zu den typischen Bewohnern gehören Sand-Laufkäfer sowie verschiedene Wildbienen- und Wespenarten, die ihre Nester im offenen Sandboden anlegen.

Die Dünen können daher zu Recht als riesige „Sandarien“ bezeichnet werden. Sie zeigen anschaulich, wie eng Pflanzen, Tiere, Boden und Pflege miteinander verbunden sind – und wie auf dem Gelände der Landesgartenschau in Neuss neue Lebensräume für die heimische Artenvielfalt entstehen können. Auf dieses Prinzip zahlen auch die Zielarten-Mischpflanzungen von Jessica Gabler im südöstlichen Teil des Landesgartenschaugeländes ein.

Zielarten-Mischpflanzung auf der Landesgartenschau – Gestaltung und Artenschutz vereint

Im Jahr 2024 hat der Bund Deutscher Landschaftsarchitekt*innen NRW zum ersten Mal den nrw.studierenden.preis für studentische Abschlussarbeiten ausgelobt. Der Preis dokumentiert und würdigt die Innovation und Kreativität der Studierenden. Den ersten Preis bekam Jessica Gabler für ihre Masterarbeit „Integrierte Zielarten-Mischpflanzung", in der es ihr gelang, ein digitales Werkzeug zu entwickeln, mit dessen Hilfe Pflanzungen zur Förderung von Wildbienen entwickelt werden.

Gärten sind ein wichtiger Rückzugsraum für Wildbienen. Mit circa 600 heimischen Arten stellen Wildbienen eine vulnerable Insektengruppe dar, denn sie sind unterschiedlich stark auf ihre Pollenquellen spezialisiert. Zielarten-Mischpflanzungen fusionieren das Wissen der Mischpflanzungskonzepte des Bundes deutscher Staudengärtner (BdS) mit dem Wissen um die Beziehungen zwischen Wildbienen und ihren Pollenquellen.

Gleich drei verschiedene Zielarten-Mischpflanzungen für ganz besondere Wildbienenarten zeigen auf 1000 m² auf dem Gelände der Landesgartenschau Neuss, wie schön Artenschutz sein kann. In der Staudenflur der niederrheinischen Hartholzaue trifft so gestalterisch hochwertige Pflanzplanung auf gezielten Artenschutz. Das Prinzip: Zielarten-Pflanzungen erlauben eine höhengestaffelte Gestaltung nach Leitbildern aus der Natur bei standortgerechter Pflanzenwahl. Die Kombination horizontaler und vertikaler Blütenformen schafft abwechslungsreiche Kontraste.

Exemplarisch wurden drei Wildbienenarten als Zielarten definiert und mit einer Pflanzung gefördert, die viele ihrer lebensnotwendigen Pollenpflanzen enthält:

Blutweiderich-Sägehornbiene: Früher im Tiefland weit verbreitet, ist diese Wildbienenart heute rückläufig und noch mäßig häufig. Die Wildbiene ist auf Blutweiderich als einzige Pollenquelle angewiesen. Diese Pflanze wächst an Flussufern, in Auen, Feuchtwiesen und Gräben, bevorzugt wechselfeuchte, nährstoffreiche Böden. Auch viele ausgezeichnete Sorten werden von der Wildbiene als Pollenquelle genutzt. Als strukturgebende Staude eignet sich Blutweiderich auch für frische Beete und urbane Retentionsflächen. Nur eine weitere Wildbienenart ist auf Weiderich spezialisiert.

Weidenröschen-Blattschneiderbiene: Diese Wildbiene ist in Waldgebieten und an Siedlungsrändern häufig, sofern Schmalblättriges Weidenröschen auf Kahlschlägen oder Ruderalflächen wächst. Von Juni bis August sammeln die Weibchen dort Pollen und legen ihre Brutzellen in Totholz an, oft ausgekleidet mit Blattstücken. Nisthilfen werden gern angenommen. Blattschneiderbienen sind gut erkennbar, da sie beim Pollensammeln den Hinterleib anheben. Im Garten wird das Weidenröschen noch selten verwendet, obwohl es ökologisch wertvoll ist. Keine weitere Wildbienenart sammelt ausschließlich an Weidenröschen Pollen.

Glockenblumen-Sägehornbiene: Wo Glockenblumen noch an sonnigen Wegrändern, Waldrändern oder in den Gärten Europas blühen, lässt sich ab Mitte Juli mit etwas Glück die Glockenblumen-Sägehornbiene beobachten. Bei Regen lohnt sich ein Blick in die schützende Glockenblüte, wo diese Wildbienen auch übernachten. Das Weibchen ist relativ groß und an der rotbraunen Endfranse am Hinterleib gut erkennbar. Zum Nisten gräbt sie eigene Gänge in schütter bewachsene Bodenstellen. In diese Bruthöhlen trägt sie Pollen für ihre Larven ein. Weitere neun Wildbienenarten sind auf Glockenblumen spezialisiert.

Nachhaltiger Beitrag zum Artenschutz

Durch die obigen Maßnahmen trägt die Landesgartenschau in Neuss zur Erholung biodiverser und widerstandsfähiger Ökosysteme bei. Diese werden im Stadtpark verbleiben und langfristig eine Heimat mit ökologischem Mehrwert auch für zukünftige Generationen gestalten.

Die Landesgartenschau Neuss läuft noch bis zum 11. Oktober 2026.

Pressestelle der Landesgartenschau Neuss 2026 GmbH:

Monika Steuten I Katja Feller

Tel: 02131 75114-60

E-Mail: presse@landesgartenschau-neuss.de

Landesgartenschau Neuss 2026 GmbH
An der Münze 7‑9 | 41460 Neuss

www.landesgartenschau-neuss.de

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