Emissionsmarkt Deutschland: Kapitalerhöhungen im Aufwärtstrend, Börsengänge im Wartemodus
PwC-Analyse: Im deutschen Emissionsmarkt zeigt sich im zweiten Quartal 2026 rege Aktivität / Die IPO-Bilanz fällt mit nur einem Börsengang verhalten aus/ Kapitalerhöhungen ziehen deutlich an / PwC-Experte Dirk Menker rechnet nicht mit einer Aufholjagd im Herbst, aber mit einem soliden Gesamtjahr für Kapitalmarkttransaktionen
Frankfurt am Main, 08. Juli 2026. Die Entwicklung am deutschen Emissionsmarkt zeigt im zweiten Quartal 2026 ein insgesamt robustes Bild. Zwar hat sich trotz verbesserter Kapitalmarktbedingungen nur ein Unternehmen neu auf das Börsenparkett gewagt, aber bei den Kapitalerhöhungen zeigt der Trend deutlich nach oben – ein klarer Hinweis, dass die Aufnahmebereitschaft des Marktes grundsätzlich vorhanden ist.
Zu diesen Ergebnissen kommt die Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“, für die das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC vierteljährlich die Aktienneuemissionen sowie Kapitalerhöhungen von Unternehmen mit Primary Listing an der Börse Frankfurt erfasst. Darüber hinaus werden Neuemissionen von Unternehmensanleihen deutscher Emittenten erfasst.
„Die Transaktionsaktivität hat in der ersten Jahreshälfte spürbar zugenommen. Diese Entwicklung zeigt klar: Der deutsche Kapitalmarkt zeigt sich robust und aufnahmebereit; Transaktionen lassen sich erfolgreich durchführen“, kommentiert Dirk Menker, Partner bei PwC Deutschland für Capital Markets.
Tina Bloos, Partnerin im Bereich Capital Markets bei PwC Deutschland, ergänzt: „Trotz der anhaltenden geopolitischen und makroökonomischen Unsicherheiten sehen wir aktuell ein in weiten Teilen ein vielversprechendes Marktumfeld für Transaktionen. Allerdings ist nach wie vor Flexibilität von Emittenten gefragt, sowohl in Hinblick auf das konkrete Timing als auch hinsichtlich der Bewertungserwartungen. “
IPO‑Aktivität bleibt verhalten – dennoch solides Gesamtjahr in Sicht
Im zweiten Quartal verzeichnete die Frankfurter Börse lediglich ein Initial Public Offering (IPO): Die electrovac AG schaffte mit einem Emissionsvolumen von rund 33,5 Millionen Euro den Sprung in den Prime Standard der Frankfurter Börse. Das Unternehmen ist auf Gehäuse spezialisiert, die Elektronik in sicherheitskritischen Anwendungen schützen – von Airbags über Raumfahrt bis hin zu militärischen Systemen – und konnte von der aktuellen Popularität des Verteidigungssektors profitieren.
Insgesamt wurden im laufenden Jahr bereits vier IPOs registriert; im Gesamtjahr 2025 waren es nur drei. Das Emissionsvolumen beläuft sich zum Ende des ersten Halbjahres bereits auf 692 Millionen Euro und ist somit fast doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum (H1 2025: 378 Millionen Euro); 2025 waren es insgesamt 1,186 Milliarden Euro.
Kapitalerhöhungen sorgen für Lichtblicke
Deutlich dynamischer zeigt sich der Markt für Kapitalerhöhungen im zweiten Quartal: Fünf Unternehmen beschafften sich auf diesem Weg frisches Kapital in Höhe von insgesamt 2,858 Milliarden Euro. Die größte Transaktion ging auf das Konto der RWE AG: Der Energieversorgungskonzern spielte somit Erlöse in Höhe von rund 1,952 Milliarden Euro zur Finanzierung der Mehrheitsübernahme des Übertragungsnetzbetreibers Amprion ein.
Zusätzlich gelang dem Raumfahrtunternehmen OHB ein Re-IPO, das aufgrund der bereits bestehenden Börsennotierung statistisch ebenfalls als Kapitalerhöhung geführt wird. Zusätzlich zu einer Platzierung durch die Altaktionäre i.H.v. bis zu 368,4 Millionen Euro besorgte sich das Unternehmen via Kapitalerhöhung 481,6 Millionen Euro, um M&A‑Aktivitäten, einen Produktionsausbau und Zukunftsprogramme zu finanzieren.
Insgesamt haben bereits acht Unternehmen (Gesamtjahr 2025: 20) im laufenden Jahr Kapitalerhöhungen an der Börse Frankfurt durchgeführt. Ein deutlicher Aufwärtstrend zeigt sich insbesondere mit Blick auf die Erlöse: Das Volumen aus Kapitalerhöhungen liegt bis dato bei 2,952 Milliarden Euro; im Gesamtjahr 2025 waren es 3,820 Milliarden Euro.
Fremdkapitalemissionen: High‑Yield belebt sich, Investment‑Grade stabil
Für das Fremdkapitalsegment zeichnet die PwC-Analyse ein differenziertes Bild: Das High‑Yield‑Volumen stieg im zweiten Quartal auf 8,5 Milliarden Euro und lag damit rund 85 Prozent über dem Vorquartal sowie circa 7 Prozent über dem Vorjahresquartal. Die PwC-Expert:innen sehen darin ein klares Indiz für eine selektive Wiederbelebung in diesem Segment.
Im Investment‑Grade‑Segment zeigt sich im Quartalsvergleich eine weitgehend stabile Entwicklung: Das Volumen stieg auf 26,5 Milliarden Euro – ein Plus von 3 Prozent gegenüber dem ersten Quartal und rund 6 Prozent im Vergleich zu Q2 2025. Die Spreads bleiben trotz geopolitischer Risiken und makroökonomischer Unsicherheiten eng – ein Hinweis auf eine robuste Risikobereitschaft und stabile Finanzierungsbedingungen.
Marktausblick: Solides Umfeld, aber ruhige Pipeline
Trotz der größtenteils soliden Marktbedingungen bleibt die aktuelle IPO‑Pipeline hinter den Erwartungen zurück. Nach der Verschiebung des geplanten Börsengangs durch den Rüstungskonzern KNDS sehen, die PwC-Expert:innen nur wenige aussichtsreiche Börsenaspiranten für 2026. Ein Grund für die Zurückhaltung könnte das veränderte Timing einiger Börsenaspiranten sein: Aufgrund der Unsicherheiten zu Jahresbeginn haben viele Unternehmen ihre IPO-Vorbereitungen zunächst zurückgestellt und streben den Gang aufs Parkett nun eher für 2027 an.
„Wir sehen, dass viele Unternehmen den Vorbereitungsprozess bewusst strecken, um zum richtigen Zeitpunkt an den Markt zu gehen. Die grundsätzliche Bereitschaft ist da – es ist eine Frage des Timings“, erklärt Dirk Menker. Insgesamt bleibt der Ausblick für den deutschen Transaktionsmarkt dennoch solide, wenn auch nicht besonders dynamisch: „Einen ausgeprägten IPO‑Herbst erwarten wir nicht, aber wir rechnen durchaus mit einigen weiteren Börsengängen im Jahresverlauf“, so das Fazit von Tina Bloos.
Über die Analyse:
Im „Emissionsmarkt Deutschland“ erfasst PwC vierteljährlich sämtliche Aktienneuemissionen sowie Kapitalerhöhungen von Unternehmen mit Primary Listing an der Börse Frankfurt. Darüber hinaus werden Neuemissionen von Unternehmensanleihen deutscher Emittenten erfasst. Die Angaben der Kapitalerhöhungen basieren auf Informationen von LSEG, Bloomberg und Capital IQ und beinhalten Transaktionen bis einschließlich 26. Juni 2026.
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