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LIBANON: Eine Million nicht explodierter Streumunitionen bedrohen die Bevölkerung

München (ots)

Laut der Erklärung eines Repräsentanten der
Vereinten Nationen in Genf bedrohen ungefähr eine Million nicht
explodierter Streumunitionen die Bevölkerung im Südlibanon. Drei
Menschen fallen diesen Blindgängern täglich zum Opfer. Die UNO hat
die Verwendung von Streubomben im Libanon angeprangert. Handicap
International fordert die deutsche Politik auf, sich international
wirkungsvoll gegen diese heimtückischen Waffen einzusetzen - und
national mit einem völligen Verbot von Streubomben voranzugehen.
Laut Chris Clark, dem Verantwortlichen der Vereinten Nationen für
Entminung und Minenaufklärung im Südlibanon, wurden über 2,8
Millionen Streumunitionen von der israelischen Artillerie über dem
Südlibanon abgeschossen - die meisten davon während der letzten 72
Stunden des Konflikts. Die Streubomben, die zusätzlich von der
israelischen Luftwaffe abgeworfen wurden, sind in diese Zahl noch
nicht eingerechnet. Die schweren Bombenangriffe haben über 500
Standorte getroffen. Über 40 % der Streumunition ist nicht beim
Aufprall explodiert! Dies bedeutet laut Chris Clark, dass der Boden
im Südlibanon von ca. einer Million nicht explodierten
Streumunitionen übersät ist. Diese hohe Konzentration übertrifft noch
ähnliche Situationen nach den Kriegen im Irak, in Afghanistan und im
Kosovo, wo ebenfalls Streumunition eingesetzt wurde.
Da Streubomben nicht gezielt abgeworfen werden, sondern sich über
weite Gebiete verteilen, wurden viele zivile Gegenden getroffen. Die
nicht explodierte Munition verseucht nun Wohngebiete, Äcker, Schulen,
Straßen... Diese Bedrohung verhindert die Rückkehr zu einem normalen
Alltagsleben und stellt ein tödliches Risiko für die Zivilbevölkerung
dar. Innerhalb des letzten Monats wurden bereits 92 Zivilisten Opfer
von Unfällen mit Streubomben - über ein Drittel der Opfer waren
Kinder. UN-Hilfskoordinator Jan Egeland verurteilt Israels Einsatz
von Streubomben als "schockierend" und "total unmoralisch".
UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat die Verwendung von Streumunition
im Libanon ebenfalls angeprangert und von Israel verlangt, die
Abwurfstellen offen darzulegen.
Handicap International ist Gründungsmitglied der Cluster Munition
Coalition, die sich seit 2003 für ein Verbot von Streubomben
einsetzt. In Belgien hat dieses Engagement Anfang 2006 bereits das
Parlament dazu bewegt, als erstes Land weltweit ein Verbot von
Streubomben zu beschließen. Die deutsche Sektion von Handicap
International ruft auch die PolitikerInnen im deutschen Bundestag
dazu auf, dem Beispiel der belgischen Regierung zu folgen und
Streubomben völlig zu verbieten.
"Überlegungen der Politiker, nur Streubomben mit einer Fehlerquote
über 1% schrittweise abzuschaffen, reichen nicht aus", erklärt
François De Keersmaeker, Geschäftsführer von Handicap International
Deutschland. "Angesichts der allein im Libanon im jüngsten Konflikt
eingesetzten Menge von Streumunition würden selbst bei dieser relativ
geringen Fehlerquote noch 28.000 Blindgänger liegen bleiben - das
heißt 28.000 potentielle zivile Opfer. Damit können wir uns nicht
abfinden! Wie beim Protest gegen Landminen muss auch im Blick auf
Streubomben die Öffentlichkeit den Druck auf die Politik erhöhen."
Über 225.000 Menschen aus ganz Europa haben bisher die Petition von
Handicap International für ein Verbot von Streubomben unterzeichnet.
(www.streubomben.de)

Pressekontakt:

François De Keersmaeker,
Geschäftsführer 089-54 76 06-14, 0177-55 63555
Eva Maria Fischer,
Pressereferentin 089-54 76 06-13, 0177-64 78 506

Original-Content von: Handicap International e.V., übermittelt durch news aktuell

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