IWC70: Wale trotz 40 Jahren Walfangmoratorium weiterhin bedroht
Hamburg, 24. September 2026 – Vierzig Jahre nach Inkrafttreten des weltweiten Moratoriums für den kommerziellen Walfang kommen Regierungen, Wissenschaftler:innen und Artenschutzorganisationen vom 27. September bis 2. Oktober zur 70. Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC70) in Australien zusammen. Während die meisten Staaten den Walfang längst beendet haben, töten Island, Norwegen und Japan weiterhin Wale. Der IFAW (International Fund for Animal Welfare) wird gemeinsam mit anderen Artenschutzorganisationen vor Ort sein und sich weiter für das weltweite Ende des kommerziellen Walfangs sowie die Einführung dringend notwendiger Schutzmaßnahmen für Wale einsetzen.
„Die internationale Staatengemeinschaft hat sich vor mehr als 40 Jahren darauf geeinigt, die Jagd auf Wale zu beenden. Nichts rechtfertigt, dass Island, Norwegen und Japan trotzdem weiter an dieser brutalen Praxis festhalten“, sagt Andreas Dinkelmeyer, Kampagnenleiter des IFAW in Deutschland. „Die Jagd auf Wale ist grausam, bedroht Walpopulationen und schadet zudem dem internationalen Ansehen der beteiligten Länder. Gerade Island zeigt, dass Walfang weder gesellschaftlich noch wirtschaftlich eine Zukunft hat. Umso erfreulicher wäre es, wenn sich die isländische Regierung im Rahmen der Internationalen Walfangkommission entsprechend ihrer Ankündigung und im Interesse einer Mehrheit der Isländer:innen zu einem endgültigen Ende des Walfangs bekennt.“
Das internationale Walfangmoratorium gehört zu den wichtigsten Erfolgen des internationalen Walschutzes. Dennoch haben Norwegen, Island und Japan seit dessen Inkrafttreten im Jahr 1986 zusammen schätzungsweise 45.000 Wale getötet. Allein 2026 genehmigte Japan den Fang von mehr als 400 Walen, während Norwegen bereits mehr als 400 Tiere getötet hat. Auf Island tötete das Unternehmen Hvalur Hf. in der kürzlich beendeten Saison 93 Finnwale. Gleichzeitig kündigte die isländische Regierung an, im kommenden Frühjahr einen Gesetzentwurf vorzulegen, der den kommerziellen Walfang in isländischen Gewässern beenden könnte.
Doch selbst ein Ende des kommerziellen Walfangs würde die Gefahren für Wale nicht vollständig beseitigen. Neben dem Walfang bedrohen zunehmend auch andere menschliche Aktivitäten wie Schiffskollisionen, Beifang, das Verheddern in Fanggeräten und Unterwasserlärm die Meeressäuger.
„Wale sind heute mit noch mehr und anderen Gefahren konfrontiert als vor 40 Jahren. Diese Bedrohungen sind weniger sichtbar, aber ebenso tödlich. Wir müssen sicherstellen, dass Wale nicht nur vor Harpunen geschützt werden“, ergänzt Andreas Dinkelmeyer. „Schifffahrtsrouten müssen um wichtige Walhabitate herumgeführt, Schiffsgeschwindigkeiten gesenkt und Maßnahmen ergriffen werden, damit sich Wale nicht in Fischereigeräten verheddern.“
Die Artenschutzorganisation IFAW (International Fund for Animal Welfare) nimmt an der IWC70 teil. Als Mitglied der von ihr mitinitiierten „ End Commercial Whaling Coalition“ hat sie eine internationale Petition für das Ende des kommerziellen Walfangs ins Leben gerufen. Die Initiative wurde anlässlich des 40. Jahrestags des internationalen Moratoriums für den Walfang gestartet.
Hintergrundinformationen
- Australiens Küste bietet eines der deutlichsten Beispiele für den Erfolg des Walfangmoratoriums. Als der Walfang in australischen Gewässern eingestellt wurde, war die Buckelwalpopulation an der Ostküste auf kaum mehr als 100 Tiere zurückgegangen. Heute ziehen jedes Jahr Tausende Wale entlang der australischen Küste. Aktuelle Sichtungen von Südkaper-Müttern und ihren Kälbern sowie außergewöhnliche Drohnenaufnahmen einer Buckelwalgeburt vor der Küste von New South Wales zeigen die bemerkenswerte Erholung von Walpopulationen, wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gibt.
- Der IFAW gehört zu den führenden Nichtregierungsorganisationen, die sich mit der Bedrohung durch Schiffskollisionen befassen. Der IFAW arbeitet weltweit in Gebieten mit hohem Kollisionsrisiko – unter anderem vor Sri Lanka (Blauwale), im Hellenischen Graben vor Griechenland (Pottwale), an der Ostküste der USA und Kanadas (Nordkaper) sowie vor Südafrika (Buckelwale und Südkaper) – an Lösungen zur Verringerung des Kollisionsrisikos. Über die IWC und die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) setzt sich der IFAW dafür ein, dass in Gebieten mit hohem Risiko für diese gefährdeten Populationen die bestmöglichen wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigt werden.
- Wale sind entscheidend für die Gesundheit mariner Ökosysteme. Durch ihre Wanderungen verteilen sie Nährstoffe und fördern das Wachstum von Phytoplankton – Mikroorganismen, die rund 50 Prozent des weltweiten Sauerstoffs produzieren – und binden große Mengen Kohlenstoff. Wale speichern zudem große Mengen Kohlendioxid in ihrer eigenen Biomasse. Wenn ein Wal stirbt und auf den Meeresboden sinkt, wird dieser Kohlenstoff häufig über sehr lange Zeiträume dort gespeichert. Dadurch leisten Wale einen messbaren Beitrag zur Kohlenstoffspeicherung im Ozean und damit auch zum Klimaschutz.
Fotos und BUs finden Sie hier: https://spaces.hightail.com/space/sg07Fl7tmV
Für weitere Informationen oder Interviews kontaktieren Sie bitte:
Raphael Heinetsberger
Pressesprecher
t: +49 (0) 40 866 500 38
Der IFAW (International Fund for Animal Welfare) ist eine weltweit tätige gemeinnützige Organisation für die bessere Koexistenz von Tieren und Menschen. Wir sind in mehr als 40 Ländern der Welt und auf den Meeren im Einsatz. Wir retten und pflegen Tiere, wildern sie wieder aus und bewahren und schützen ihre natürlichen Lebensräume. Die Probleme, denen wir uns stellen, sind drängend und komplex. Um sie zu lösen, brauchen wir mutiges Handeln und kluges Denken. Wir arbeiten mit Gemeinden, Regierungen, anderen NGOs und Unternehmen zusammen. Gemeinsam finden wir neue und innovative Wege, damit sich alle Arten in ihrem Lebensraum entwickeln können. So geht’s: ifaw.org