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Übermut tut selten gut? Nicht immer!

Übermut tut selten gut? Nicht immer!
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Wann haben Sie sich das letzte Mal etwas getraut? Wann haben Sie zuletzt Ihre Komfortzone verlassen? Den Sprung ins Ungewisse gewagt? Ein zu viel an Selbstvertrauen und auch ein ausufernder Optimismus sind gemeinhin eher verpönt. Aber sind nicht gerade diejenigen unter uns erfolgreich, die über ein hohes Maß an Risiko- und Veränderungsbereitschaft verfügen? Sind es nicht manchmal die besonders verrückten Ideen, die sich durchsetzen und die schönsten Geschichten schreiben?

Wir alle kennen die gängigen Sprichwörter und Redensarten:

„Übermut tut selten gut.“

„Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“

„Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.“

Über Jahrzehnte haben sich diese Glaubenssätze in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt. Grundsätzlich ist gegen die dahinterliegende pädagogische Absicht auch nichts einzuwenden. Übermut wurde lange definiert als eine Selbstüberschatzung zum Nachteil anderer. Selbstverständlich bestätigt dies die negative Konnotation des Übermutes und wir fühlen uns in unseren Glaubenssätzen bestätigt. In modernerer Auslegung versteht der Übermut sich dagegen als ausgelassene Fröhlichkeit, die oft mit mutwilligem oder leichtsinnigem Verhalten einhergeht. Klingt nicht mehr so schlecht wie die Ursprungsdefinition, aber auch nur bedingt erstrebenswert. Warum dann trotzdem mehr Mut zum Übermut?

Der Mut steckt in uns allen. Erinnern wir uns zurück an unbeschwerte Kindheitstage. Wie viele Sachen haben wir zum ersten Mal ausprobiert? Wir wussten noch so wenig von dieser Welt und hatten viel zu entdecken. Ohne ausgeprägtes Risikobewusstsein haben wir uns unseren Platz in der Welt erobert. Haben das Laufen erlernt, uns an das Fahrradfahren gewagt oder einfach den höchsten Punkt des Klettergerüstes erklommen. Genau das sind die Arten von Erfahrungen, die wir auch heutigen Kindern stets ermöglichen sollten, ganz unter dem Grundgedanken: „Du schaffst das. Ich glaube an dich.“

Junge Heranwachsende brauchen Raum und Zeit, um die dingliche Umwelt selbstbestimmt und eigenmotiviert zu erforschen. Sie brauchen die Chance, Risiken einzugehen und Fehler zu machen. Nur so können sie nachhaltig daraus lernen. Allzu oft neigen wir dazu, unsere Liebsten zu behüten und vor den Herausforderungen der Welt bewahren zu wollen (Stichwort: „Helikopter-Eltern“). Dies kann dazu führen, dass sich das Kind in seiner Euphorie und seiner Neugier gebremst fühlt. Nicht selten sind es die überangepassten, „braven“ Kinder, die uns in positiver Erinnerung bleiben. Doch wer führt wohl das spannendere Leben? Die wilde, unkonventionelle Pippi Langstrumpf oder ein Kind, das nur darauf bedacht ist, die Erwartungen der Erwachsenenwelt zu erfüllen?

Auch hier seien Sprichwörter und Zitate aufgeführt, die den zuvor genannten entgegenstehen:

„Die größte Gefahr im Leben ist, dass man zu vorsichtig wird.“

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“

„Sei frech und wild und wunderbar!“

Eine gesunde Portion Übermut kann uns helfen, über uns hinauszuwachsen, Unbekanntes auszuprobieren und eine innere Haltung zu entwickeln, die uns auf zukünftige Herausforderungen mit gesundem Optimismus blicken lässt. Während der Recherche zu diesem Artikel habe ich mich in die kritische Selbstreflexion begeben und mich gefragt, wann ich selbst das letzte Mal den Sprung ins Ungewisse gewagt und etwas Neues ausprobiert habe? Spontan sind mir dabei zwei Dinge eingefallen. Bis vor wenigen Jahren habe ich den Paartanz gemieden. Bei Hochzeiten habe ich mich stets peinlich berührt verkrochen, sobald die Tanzfläche eröffnet wurde, getrieben von der inneren Einstellung, dass ich nicht tanzen und mich nur blamieren könne. Ich hatte mich schon fast damit abgefunden, bis ich eines Tages über meinen Schatten gesprungen bin und erste Schritte gewagt habe. Sah das zu Beginn steif und hölzern aus? Gewiss. Doch mit zunehmender Übungspraxis bemerkte ich meine eigenen Fortschritte und bin heute ein leidenschaftlicher Tänzer, der ich gern schon viel früher gewesen wäre. Ein zweites Erweckungserlebnis war ein Fallschirmsprung im Tandem aus 4000 Metern Höhe. Vor nicht allzu langer Zeit hätte ich mich das gewiss niemals getraut. Habe ich es bereut, es doch versucht zu haben? Ganz im Gegenteil.

Außerdem ist mir im Laufe der Selbstreflexion aufgefallen, dass das Thema „Mut“ in meinem bisherigen Schaffen als Kinderbuchautor weitaus präsenter war, als es mir bis dahin bewusst gewesen ist. Die von Marie Reimann illustrierten und von mir geschriebenen Kinderbücher rund um „Die kleine Eins“ handeln von weitaus mehr als mathematischen Inhalten und den Freundschaften und Abenteuern der Zahlen. Vielmehr sind sie Geschichten des persönlichen Wachstums und des Mutes.

So begibt sich die namensgebende Protagonistin, die kleine Eins, in ihrem ersten Abenteuer auf die Suche nach weiteren Zahlen. Lange Zeit dachte sie, dass sie die einzige Zahl auf der weiten Welt sei. Erst eine Reise ins Unbekannte öffnet ihr die Augen und lässt sie zudem viele neuen Freunde gewinnen. Im zweiten Band der Buchreihe wagt sie schließlich die Teilnahme an einem Rechenturnier. Zunächst hat sie Angst davor und schätzt ihre eigene Rechenkompetenz als sehr gering ein. Doch allein durch den Versuch erkennt sie, wie viel sie bereits über das Rechnen weiß und geht mit gestärkten Selbstvertrauen aus diesem Abenteuer hervor. Im dritten Buch ergründet sie schließlich die Geheimnisse des Rechnens und lernt, dass auch das Fehlermachen dazugehört und ein wichtiger Teil des persönlichen Entwicklungsprozesses ist. Im vierten Büchlein nimmt sie es schließlich sogar mit einem gefräßigen Mengenkrokodil auf und findet gemeinsam mit ihren Zahlenfreunden auch dort stets eine Lösung für auftretende Probleme.

Was sagt uns das nun? Ich denke, dass in jedem von uns etwas von der kleinen Eins steckt. Auch als Erwachsene sollten wir unserer ureigenen Neugier und Abenteuerlust Raum zur Entfaltung lassen, ganz unabhängig vom Lebensalter. In diesem Sinne kann ich Sie, liebe Leser, nur ermutigen, dieses noch junge Jahr zu nutzen und etwas zu wagen, dass Sie sich vorher niemals getraut hätten. Ich bin mir sicher, dass Sie es nicht bereuen werden.

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