Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.
Ohne Kies nix los! - Soziale Vermieter sorgen sich um den Wohnungsbau
31/2026
Kiel/Schwerin/Hamburg. Die sozialen Vermieter Norddeutschlands haben die staatlichen Behörden aufgefordert, den Abbau von Kies zu erleichtern, um den Bau bezahlbarer Wohnungen zu unterstützen.
„Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe stellte im vergangenen Dezember fest, dass die Förderung von Baurohstoffen wie Kies und Sand bundesweit seit 2020 um rund 26 Prozent zurückgegangen sei“, sagt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW). „Die drei norddeutschen Bundesländer leiden besonders darunter, dass die Schließung alter Gruben nicht rasch genug durch Neugenehmigungen kompensiert wird.“
Angespannte Lage im Norden
Besonders angespannt sei die Situation in Schleswig-Holstein und Hamburg, so der VNW-Direktor weiter: „Da Hamburg kaum eigene Reserven hat, ist die Hansestadt fast vollständig auf Zulieferungen aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen angewiesen. Jüngere Untersuchungen von Wirtschaftsverbänden ergaben, dass die Transportwege immer länger werden. Das treibt die Baupreise in der Hansestadt zusätzlich.“
In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein spiele die Konkurrenz zu Tourismus und Naturschutz eine zunehmende Rolle. „Zunehmend wird in den beiden Bundesländern hochwertiger Sand im Rahmen des Küstenschutzes für Sandvorspülungen benötigt. Das verknappt die Verfügbarkeit für den Wohnungsbau“, sagt Andreas Breitner.
Teilweise kommt das Material aus Skandinavien
Hinzu kämen Engpässe bei der Logistik. „Teilweise muss Material aus Skandinavien oder tief aus dem Binnenland importiert werden. Ferner dauern im Norden Genehmigungsverfahren für neue Kiesabbaugebiete im Schnitt zwischen acht und zwölf Jahren. Das macht es schier unmöglich, auf den Mangel kurzfristig zu reagieren“, so der VNW-Direktor.
In Schleswig-Holstein lägen die wirtschaftlich gewinnbaren Vorräte an Kies und Sand zwischen 200 und 300 Millionen Tonnen. Das reiche für etwa 15 bis 20 Jahre, sagt Andreas Breitner. In Hamburg gebe es zwar Sand- und Kiesvorkommen im Untergrund. Diese seien jedoch fast vollständig überbaut oder stünden unter Naturschutz.
Reichlich Reserven, aber …
„Besser steht Mecklenburg-Vorpommern da“, sagt der VNW-Direktor. „Experten gehen von Reserven im Umfang von mehr als 400 Millionen Tonnen aus. Allerdings ist das Bundesland bereits ‚Exportland‘ für andere Regionen. Zudem genießt der Küstenschutz Priorität vor der kommerziellen Nutzung.“ In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gebe es zudem vermehrt Flächenkonkurrenz mit Windkraft- und Photovoltaikanlagen, so der Verbandsdirektor weiter.
„Wenn wir den Bedarf der Bauwirtschaft decken wollen, müssen wir langfristiger denken und das Förderpotenzial des Nordens verstärkt in den Blick nehmen. Sand und Kies gehören zu den wenigen Rohstoffen am Bau, die nicht von weit her und damit teuer auf die Baustellen transportiert werden müssen.“
„Bau-Turbo“ nutzen
Der von der Bundesregierung verabschiedete „Bau-Turbo“ laufe ins Leere, wenn Rohstoffe wie Sand und Kies als Voraussetzung für den Wohnungsbau fehlten, sagt Andreas Breitner. „Die Kommunen sollten die neuen Regeln auch nutzen, um Genehmigungsverfahren für Kiesgruben beschleunigen.“ Letztlich stärke der Abbau von Kies die Wirtschaftskraft vor Ort.
Der lokale Abbau von Kies diene zudem dem Klimaschutz, sagt VNW-Direktor Andreas Breitner weiter: „Wenn sich stillgelegte Kiesgruben mit Wasser füllen, können sich dort seltene Tiere und Pflanzen ansiedeln.“
2026/05/08
Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 489 Wohnungsgenossenschaften, Wohnungsgesellschaften und Partnerunternehmen. In den von ihnen verwalteten 760.000 Wohnungen leben rund zwei Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 7,69 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.
V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de