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Hochschule Bremerhaven

Zellforschung, IT-Sicherheit und ein nachhaltiges Erfrischungsgetränk

Zellforschung, IT-Sicherheit und ein nachhaltiges Erfrischungsgetränk
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Pressemitteilung der Hochschule Bremerhaven vom 22. Juni 2026

Zellforschung, IT-Sicherheit und ein nachhaltiges Erfrischungsgetränk

Verein zur Förderung der Hochschule Bremerhaven e.V. prämiert Abschlussarbeiten

Auch in diesem Jahr hat der Verein zur Förderung der Hochschule Bremerhaven e.V. drei herausragende Abschlussarbeiten mit Förderpreisen prämiert. Im Rahmen des Gästeabends konnten die Absolvent:innen Linda Meißner, Herman Guenol Tsago und Christian Dielmann die Auszeichnung entgegennehmen. „Unter dem Motto ‚Horizonte erweitern‘ hat die Hochschule im letzten Jahr ihr Jubiläum gefeiert und ich bin mir sicher, dass auch unsere Preisträgerin und unsere Preisträger heute Abend Ihren Horizont erweitern werden“, stimmte Prof. Dr. med. Ulrich Sander, Vorsitzender des Fördervereins und Ehrensenator der Hochschule, die Anwesenden auf die Vorträge der ehemaligen Studierenden ein. Die Förderpreise sind mit insgesamt 3.000 Euro dotiert.

Mikroalgen als Alternative zu Kälberserum

Zellkulturtechniken mit tierischen oder menschlichen Zellen haben sich in den letzten Jahrzehnten zu einem zentralen Bestandteil der modernen Biotechnologie und der medizinischen Forschung entwickelt. Auch in der Lebensmittelbranche sind Zellkulturen inzwischen angekommen. Dadurch steigt auch die Nachfrage an Nährmedien, beispielsweise dem fötalen Kälberserum. Dies ist nicht nur sehr teuer, sondern auch ethisch bedenklich, da es aus ungeborenen Kälbern gewonnen wird. Linda Meißner hat in ihrer Bachelorarbeit im Studiengang Biotechnologie der Marinen Ressourcen untersucht, ob Mikroalgenextrakte aus der Rotalge fötales Kälberserum in der Zellkultur ersetzen können – mit positivem Ergebnis. Ob Algenextrakte perspektivisch Kälberserum vollständig ersetzen können, lässt sich derzeit aber noch nicht sagen.

Darüber hinaus hat Linda Meißner immortalisierte, also unsterbliche, Fischzellen aus einer früheren Arbeit weiter analysiert und charakterisiert. Dabei konnte sie nachweisen, dass es sich tatsächlich um Muskelzellen handelt, die künftig für weiterführende Untersuchungen genutzt werden können. Dies ist ein besonders großer Erfolg, da es bisher nur in Amerika einen Anbieter für Fischmuskelzellen gibt und sich der Import als schwierig erwiesen hat. „Immortalisierte Zellen entstehen spontan im Labor. Man kann das nicht steuern“, erklärt die Absolventin. Ihre Arbeit entstand in der Arbeitsgruppe Zellkulturtechnik der Hochschule Bremerhaven unter der Leitung von Prof. Dr. Felicitas Berger.

Die Jury des Förderpreises hat Linda Meißner mit ihrer Arbeit überzeugt. „Sie demonstriert sie kompetent, wie verfahrenstechnisches Wissen zum Nachweisverfahren zu einer möglichen Umsetzung in der Praxis gelingen kann, sowohl im Sinne der Ressourceneffizienz als auch der Wirtschaftlichkeit. Die Arbeit ist dazu klar strukturiert und trotz des hohen wissenschaftlichen Grades noch sehr gut nachzuvollziehen. Auch die Nutzung der Hochschulressourcen sowie die Aufnahme eines bereits existierenden Phänomens aus einer vorherigen Arbeit ist gelungen und zeigt den hohen wissenschaftlichen Stand der Lehre und der Ergebnisse“, so die Begründung für die Auszeichnung.

Schutz von behördlichen IT-Systeme

Künstliche Intelligenz ist aus vielen Bereichen des alltäglichen Lebens kaum noch wegzudenken. Auch in der öffentlichen Verwaltung werden sogenannte Large Language Models (LLM) immer wichtiger. Das birgt allerdings auch Sicherheitsrisiken, beispielsweise durch Prompt-Injection-Angriffe. Dies sind versteckte Anweisungen, die Sicherheitsrichtlinien umgehen und LLM dazu bringen können, unerwünschte Aktionen auszuführen. Auf diese Weise können Angreifer:innen an sensible Daten gelangen. Wirtschaftsinformatikstudent Herman Guenol Tsago hat für seine Bachelorarbeit einen effektiven Abwehrmechanismus zur Verhinderung dieser Angriffe konzipiert und prototypisch umgesetzt. Das Herzstück des konzipierten Abwehrmechanismus bildet der interne Abfrage-Eingangsfilter, der eine robuste Verteidigungslinie etabliert. Herman Guenol Tsago führte Evaluationen durch, die die Wirksamkeit dieses Ansatzes bestätigten. „Die Integration dieser Filter führte bei der Untersuchung zu einer Sicherheits- und Abwehrrate von bis zu 99 Prozent“, erklärt er.

Die Relevanz des Themas lobt die Jury des Förderpreises. „Herr Tsago hat eine sehr beispielhafte Arbeit für den Studiengang erstellt und dazu einen wertvollen Beitrag für die verbesserte Sicherheitstechnik von Behörden-IT geleistet. Eine Umsetzung dieses Vorgehens ist höchst wahrscheinlich bzw. zu empfehlen. Diese Bachelorarbeit ist ‚am Puls der Zeit‘ entstanden und zeigt einmal mehr die Wichtigkeit, sich auch im Studium den jüngsten Entwicklungen im Bereich IT zu stellen. Dazu macht die Arbeit aber auch deutlich, wo die temporären Grenzen liegen und welche Ressourcen nötig sind, um bei Thema Sicherheit am Ball zu blieben.“

Kwas – die erfrischende Alternative zur Verwertung von Altbrot

Mit einem Getränk aus seiner Kindheit hat sich Christian Dielmann in seiner Masterarbeit beschäftigt: mit Kwas. Das ist ein Getränk, das durch die Gärung von Brot hergestellt wird und im slawischen Raum sehr beliebt ist. Auf dem deutschen Markt sind ebenfalls Brotgetränke zu finden, die sich jedoch vom Geschmack und den Inhaltsstoffen vom Original stark unterscheiden. Die industrielle Produktion von Kwas könnte ein großes Müllproblem lösen: Jedes Jahr werden in Deutschland rund 1,7 Millionen Tonnen Brot weggeworfen. „Fermentierte Getränke haben sich inzwischen vom Nischen- zum Massenmarkt entwickelt“, weiß der Absolvent. Er hat für seine Masterarbeit im Studiengang Lebensmitteltechnologie nicht nur das Produkt selbst entwickelt und sich Gedanke über das Marketing gemacht, sondern auch einen Businessplan erstellt und eine Zielgruppenanalyse durchgeführt.

Laut Jury beinhalte die Arbeit einen hoch innovativen Ansatz. „Sie ist ein Beispiel dafür, wie eine komplexe Problemstellung eigenständig und methodisch fundiert bearbeitet werden kann. Hervorzuheben ist die von Herrn Dielmann durchgeführte qualitative Zielgruppenanalyse, welche sich durch eine reflektierte und systematische Vorgehensweise auszeichnet. Auf Grundlage seiner Ergebnisse entwickelte Herr Dielmann ein innovatives und klar anwendungsorientiertes Gesamtkonzept, welches er konsequent in die strukturierte Form eines Businessplans überführt hat.“

Mit Begeisterung studieren, lehren und forschen – dafür steht die Hochschule Bremerhaven. In mehr als 20 praxisnahen und innovativen Studiengängen profitieren die rund 3.000 Studierenden von der engen Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft und modernen Lehr- und Lernansätzen. Die zahlreichen Forschungsaktivitäten der „Hochschule am Meer“ wurden bereits vielfach ausgezeichnet und unterstützen nachhaltige Entwicklungen in der Region und darüber hinaus.

Pressekontakt:
Hochschule Bremerhaven
Nadine Metzler
An der Karlstadt 8
27568 Bremerhaven
nmetzler@hs-bremerhaven.de
presse@hs-bremerhaven.de
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