Tüfteln für nachhaltige Recyclinglösungen
Pressemitteilung der Hochschule Bremerhaven vom 22. Mai 2026
Tüfteln für nachhaltige Recyclinglösungen
Hochschule Bremerhaven und Max-Eyth-Schule Schiffdorf gemeinsam bei Makeathon auf Gran Canaria
Unachtsam weggeworfene PET-Flaschen, angespülte Einkaufstüten und zurückgelassene Einwegverpackungen: Plastikmüll ist ein großes Problem für die Umwelt. Auf Gran Canaria war dies Ausgangspunkt für den „Smart Green Island Makeathon“, einer Veranstaltung, die in diesem Jahr schon zum neunten Mal hunderte Tüftler:innen nach Las Palmas gelockt hat. Die Hochschule Bremerhaven und die Max-Eyth-Schule Schiffdorf stellten zum ersten Mal gemeinsam ein Team, das nach innovativen technischen Lösungen für das Recycling gesucht hat.
Eine Reise nach Gran Canaria bedeutet für die meisten Menschen Entspannung am Strand und Sonne satt. Nicht für Dipl.-Ing. Claas Schott und Dipl.-Ing. Andreas Menslage: Die beiden wissenschaftlich-technischen Mitarbeiter reisen jedes Jahr mit einigen besonders motivierten und engagierten Studierenden auf die Insel zum „Smart Green Island Makeathon“. Dort tüfteln sie mit rund 750 anderen Teilnehmenden an Lösungen für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Nicht nur angehende Ingenieur:innen, sondern auch andere Fachrichtungen und Schüler:innen sind bei der Veranstaltung willkommen. „Im Grunde ist jede Gruppe wie eine kleine Firma. Innerhalb der Teams gibt es einige Aufgaben zu verteilen, die nichts mit Technik zu tun haben. Marketingideen sollen entwickelt werden und am Ende muss jede Gruppe ihre Idee präsentieren. Außerdem gibt es eine Projektleitung, die den Zeitplan und die Arbeitsschritte im Blick behalten muss“, erklärt Menslage. So lernen die Teilnehmenden ganz nebenbei, wie sie mit Menschen aus anderen Fachrichtungen zusammenarbeiten, die über weniger technisches Fachwissen verfügen als sie.
Schüler:innen erstmalig im Hochschul-Team dabei
In diesem Jahr wurden die Hochschulmitarbeiter erstmalig von vier Schüler:innen der Max-Eyth-Schule in Schiffdorf begleitet. Die Berufsbildende Schule kooperiert seit vielen Jahren mit der Hochschule Bremerhaven im Rahmen verschiedener Praxisprojekte. Seit rund zwölf Jahren ist dies die Aufgabe von Stefanie Uhe. Die ehemalige Hochschulmitarbeiterin schätzt den unkomplizierten und freundschaftlichen Umgang miteinander. „Ob es darum geht, am Campustag oder an Vorlesungen teilzunehmen, gemeinsame Projekte auf die Beine zu stellen oder Kolleginnen und Kollegen der Hochschule für einen Vortrag zu uns an die Schule zu holen, es ist immer ein gemeinsames Gestalten. Für mich ist diese Kooperation deutlich mehr als nur eine formale Verbindung – sie lebt von den Menschen dahinter und dem offenen, wertschätzenden Miteinander“, sagt sie. Die langjährige Zusammenarbeit stärke die Bildungslandschaft der Region Unterweser im MINT-Bereich. „Besonders schön finde ich, dass daraus auch immer wieder echte Highlights entstehen, wie zum Beispiel die gemeinsame Teilnahme am Makeathon auf Gran Canaria. Solche Veranstaltungen zeigen, wie gut die Zusammenarbeit funktioniert und wie viel Freude sie allen Beteiligten bringt“, so Uhe, die mit ihrem Kollegen und Schulleiter Ralf Biallas zur Veranstaltung reiste.
Zur Kooperation gehört auch die Teilnahme am Frühstudium, das die Hochschule bereits seit mehr als 15 Jahren anbietet. Schüler:innen besuchen dabei ausgewählte Lehrveranstaltungen. Nehmen sie an den Prüfungen teil und bestehen, können Sie sich dies für ihr Studium in Bremerhaven anrechnen lassen. Fallen sie durch, passiert ihnen nichts. Auch Lina Stermann und Collin Christian Dücker sind Frühstudierende und kennen Schott und Menslage aus dem Labor. Dass sie in diesem Jahr zum Makeathon nach Gran Canaria fliegen durften, war für sie sowie für Lucie Ingrid Adrian und Jaron Malte Ellis, die als Schüler:innen der Max-Eyth-Schule ebenfalls teilnahmen, ein unvergessliches Erlebnis. Die Teilnahme eröffnete den Schüler:innen einen Arbeitsrahmen, der sich deutlich vom Schulalltag unterschied. Sie kamen mit technikbegeisterten Jugendlichen und Studierenden aus verschiedenen Ländern ins Gespräch und brachten ihre eigenen Stärken in die Teamarbeit ein. „Der Makeathon war für mich eine ganz besondere Erfahrung“, resümierte Jaron Malte Ellis. Besonders reizvoll sei gewesen, dass neben dem Oberthema der smarten Automatisierung für mehr Umweltfreundlichkeit viel Raum für eigene Ideen, Lösungswege und Aufgabenverteilungen geblieben sei.
Passende Materialien immer im Gepäck
Einen ersten Vorschlag, woran die Teilnehmenden arbeiten können, haben Schott und Menslage jedes Mal im Gepäck. Was am Ende daraus wird, überlassen sie aber den Tüftler:innen. „Das ist anfangs gar nicht so einfach“, gibt Andreas Menslage zu. „Wir haben uns ja etwas dabei gedacht und überlegt, welche Komponenten wir mitnehmen müssen, damit am Ende etwas entsteht, das auch funktioniert. Wenn die Teilnehmenden es dann anders angehen, als wir ursprünglich dachten, dann müssen wir uns schon etwas zurückhalten. Aber genau darum geht es ja: Um neue Ansätze und Ideen, auf die wir selbst nicht unbedingt kommen würden.“ Materialien für ihr Projekt schicken sie im Vorfeld nach Gran Canaria und kümmern sich dann am Tag vor der Veranstaltung um den Transport zur Location.
In diesem Jahr war ihre Projektidee eine Sortieranlage für verschiedene Plastikarten. Da diese unterschiedlich weiterbearbeitet werden müssen, müssen sie zu Beginn des Recyclingprozesses getrennt werden. Wie das automatisiert passieren könnte, sollten die Teilnehmer während der 72 Stunden Arbeitszeit herausfinden. Ob sie an diesem oder einem der anderen Projekte mitarbeiten, blieb aber ihnen überlassen. „Es gibt für unsere Studierenden keine Verpflichtung, an unserer Idee zu arbeiten. Am ersten Tag werden alle Projekte vorgestellt und alle Teilnehmenden entscheiden sich dann, was sie am meisten interessiert. Dadurch sind die Teams interdisziplinär und interkulturell, wovon alle profitieren“, erklärt Schott. Alles, was die Teilnehmenden für die Umsetzung ihrer Ideen brauchen, finden sie vor Ort. Wenn doch etwas fehlen sollte, wird es auf Anfrage am nächsten Tag durch den Veranstalter bereitgestellt.
Smarter Mülleimer erkennt Müllart
Eine Schülergruppe entwickelte beispielsweise einen smarten Mülleimer, der Abfälle automatisch erkennen, verdichten und der passenden Kategorie zuordnen sollte. Dazu registrierte ein an einen ESP32 angeschlossener Bewegungssensor den Einwurf und übermittelte diese Information per Bluetooth Low Energy an einen Raspberry Pi. Anschließend löste eine Kamera aus; ein selbst trainiertes Deep-Learning-Modell sollte die Müllart unterscheiden. Je nach Ergebnis sollte sich der in vier Bereiche aufgeteilte Behälter in die passende Position drehen, damit der Abfall im richtigen Fach landete. Besonders eindrucksvoll waren für die Schüler:innen außerdem die Einblicke in industrielle Bildverarbeitung: In einer Demonstration wurde gezeigt, wie Software Bauteile auf einer Platine in weniger als 50 Millisekunden auf Vollständigkeit prüfen kann.
Mit Begeisterung studieren, lehren und forschen – dafür steht die Hochschule Bremerhaven. In mehr als 20 praxisnahen und innovativen Studiengängen profitieren die rund 3.000 Studierenden von der engen Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft und modernen Lehr- und Lernansätzen. Die zahlreichen Forschungsaktivitäten der „Hochschule am Meer“ wurden bereits vielfach ausgezeichnet und unterstützen nachhaltige Entwicklungen in der Region und darüber hinaus.
Pressekontakt: Hochschule Bremerhaven Nadine Metzler An der Karlstadt 8 27568 Bremerhaven nmetzler@hs-bremerhaven.de presse@hs-bremerhaven.de