Meeresbiologie zum Reinschnuppern
Pressemitteilung der Hochschule Bremerhaven vom 13. Mai 2026
Meeresbiologie zum Reinschnuppern
Alessandra Kronschnabel bietet Laborkurse für Schülerinnen an
Naturwissenschaftliche und technische Berufsfelder gelten als zukunftsweisend und Garant für ein gutes Einkommen. Der Bedarf an Fachkräften ist hoch. Dennoch entscheiden sich Frauen seltener als Männer für ein Studium oder eine Ausbildung im MINT-Bereich. An der Hochschule Bremerhaven arbeitet Alessandra Kronschnabel im Verbundprojekt MINTsteps daran, Mädchen für diesen Berufszweig zu begeistern. Dafür bietet sie seit einiger Zeit auch Laborkurse in Bremerhavener Schulen an.
Alessandra Kronschnabel ist Meeresbiologin und promoviert an der Universität Bremen. Für sie sei die Stellenausschreibung für das Projekt MINTsteps „Liebe auf den ersten Blick“ gewesen: „Ich hatte bereits Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Schüler:innen und mir macht es viel Spaß, mein Wissen über die Naturwissenschaften weiterzugeben und dafür Begeisterung zu wecken. Zusätzlich bin ich selbst in Bremerhaven Lehe groß geworden und war die Erste in meiner Familie mit Abitur und später Studienabschluss. Ich kenne die Hürden, die viele Kinder aus sozial benachteiligten Familien durchleben und es ist ganz klar eine Herzensangelegenheit für mich, Schülerinnen auf ihrem Weg in die Berufswelt zu unterstützen.“ Die Doktorandin und Projektmitarbeiterin weiß sowohl aus Studienergebnissen als auch aus eigener Erfahrung, dass Frauen im MINT-Bereich bis heute unterrepräsentiert sind. „Im Bachelor- und Masterstudium hatte ich jeweils nur zwei weibliche Profs und während meiner Masterarbeit waren die Senior Scientists vor allem Männer und die Frauen eher technische Assistentinnen oder Studentinnen“, sagt sie. Dieser Eindruck trügt nicht. Wie das Statistische Bundesamt im Januar 2026 gemeldet hat, waren im Studienjahr 2024 36 Prozent der MINT-Studienanfänger:innen im 1. Fachsemester sowie 12 Prozent der neu gestarteten Auszubildenden im MINT-Bereich Frauen. Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich eine leichte Steigerung, was sich auch mit den Erfahrungen von Alessandra Kronschnabel deckt. Ausgeglichen ist der Anteil aber noch lange nicht.
Dass der MINT-Bereich sehr gute Karrierechancen bietet, ist eigentlich längst bekannt. Seit vielen Jahren ist der Fachkräftebedarf ungebrochen hoch. Warum entscheiden sich dennoch bis heute so wenig Frauen für einen solchen Beruf? „Es gibt immer noch, bewusst oder auch unterbewusst, hartnäckige Klischees, was Frauen können und was Männer können. Diese Klischees werden Kindern vorgelebt und beeinflussen sie in ihrer Wahl, was sie mögen, wie sie sich verhalten, und was sie später beruflich werden möchten“, sagt Alessandra Kronschnabel. Sie selbst habe in der Schule durch einen ihrer Physiklehrer Diskriminierung erfahren. „Er hat mich im Unterricht nie dran genommen , obwohl ich die Einzige war, die sich meldete. Nach der Klausurrückgabe sagte er, ich sei ja doch nicht so dumm. Solche und ähnliche Geschichten bekomme ich heute noch von Schülerinnen erzählt.“ Zusätzlich werde die Berufswahl oft vom familiären Umfeld beeinflusst. Mädchen wählten demnach oft den Beruf von der Mutter oder einen ähnlichen und die Jungen den vom Vater. Es werden also mehr Role Models benötigt, an denen Mädchen und junge Frauen sich orientieren können und sehen, dass auch Frauen in MINT-Berufen vertreten und erfolgreich sind.
Die Hochschule Bremerhaven hat den Bedarf an gezielten Maßnahmen für Mädchen bereits vor vielen Jahren erkannt. Für Schülerinnen ab der 5. Klasse gibt es verschiedene Angebote, beispielsweise den Girls‘ Day, Hochschule MINTensiv für Mädchen und mint:pink. Dort können sich Mädchen ausprobieren – ohne Notendruck oder Vorurteile. Im Rahmen von MINTsteps kommen zusätzliche Schnuppertage hinzu. Dazu gehört auch ein Nachmittagsangebot für Schülerinnen direkt an den Kooperationsschulen. Alessandra Kronschnabel hat dabei spannende Versuche aus dem Bereich der Meeresbiologie im Gepäck. „Zuerst lernen die Schülerinnen etwas zu dem Lebensraum Meer und führen physikalische und chemische Experimente zu Meeresströmungen und Ozeanversauerung durch. Danach lernen sie dann Mikroalgen und Bakterien kennen und können, wieder über Experimente, die Photosynthese, also Sauerstoffproduktion, und Sauerstoffverbrauch nachweisen. Das Ganze wird abgerundet durch die Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten, wo auch die Datenauswertung am Computer dazu gehört, und mit Besuchen in Laboren an der Hochschule Bremerhaven“, erläutert Kronschnabel. Interessierte Schulen können sich weiterhin gern bei ihr melden.
MINTsteps ist ein regionales Bildungscluster in Bremen und Bremerhaven zur Förderung der MINT-Bildung von Mädchen und jungen Frauen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) im Rahmen der dritten Förderphase von regionalen Clustern für MINT-Bildung von Jugendlichen seit Mai 2024 gefördert. Vom 07.- 09. Juli findet die diesjährige CampusMINT-Woche statt. Schülerinnen ab der 9. Klasse können dort in verschiedene MINT-Vorlesungen und -Übungen an der Hochschule Bremerhaven reinschnuppern und zusätzlich allgemeine Informationen übers Studieren erhalten, den AStA kennenlernen, und Role Models begegnen. Rückfragen beantwortet Alessandra Kronschnabel unter akronschnabel@hs-bremerhaven.de.
Mit Begeisterung studieren, lehren und forschen – dafür steht die Hochschule Bremerhaven. In mehr als 20 praxisnahen und innovativen Studiengängen profitieren die rund 3.000 Studierenden von der engen Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft und modernen Lehr- und Lernansätzen. Die zahlreichen Forschungsaktivitäten der „Hochschule am Meer“ wurden bereits vielfach ausgezeichnet und unterstützen nachhaltige Entwicklungen in der Region und darüber hinaus.
Pressekontakt: Hochschule Bremerhaven Nadine Metzler An der Karlstadt 8 27568 Bremerhaven nmetzler@hs-bremerhaven.de presse@hs-bremerhaven.de