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Mutige Mobilfunkpolitik könnte graue Flecken per nationalem Roaming beseitigen

Mutige Mobilfunkpolitik könnte graue Flecken per nationalem Roaming beseitigen
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Pressemitteilung von diagnose:funk vom 9.6. 2026

Mutige Mobilfunkpolitik könnte graue Flecken per nationalem Roaming beseitigen

Bundesnetzagentur und Bundespolitik sollten jetzt handeln: ein Netz für alle wie bei Strom, Straßen und Internet

Stuttgart, 9.6.2026: Die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation diagnose:funk empfiehlt der Bundesnetzagentur, dem Bundesdigitalministerium und dem Bundestag dringend, schnell nationales Roaming bundesweit einzuführen. Hintergrund ist der neueste „Jahresbericht Telekommunikation 2025“ der Bundesnetzagentur vom 5. Juni. Darin weist die BNetzA für Ende Dezember 2025 auf 13,3% der Landesfläche sogenannte graue Flecken aus (S. 89). Legt man die veröffentlichten Werte der letzten Jahre zugrunde, bleibt der graue-Flecken-Anteil bis 2030 bei 11,5% – statt bei 0,5%, wie den Mobilfunkbetreibern durch die Bundesnetzagentur auferlegt wurde (siehe unsere Prognose-Grafik unten im Anhang).

Graue Flecken sind Bereiche, in denen nicht alle vier Mobilfunkanbieter gleichzeitig verfügbar sind, mindestens aber ein LTE- oder 5G-Netz. Mit nationalem Roaming jedoch hätten alle Mobilfunkkunden Zugriff auf das Mobilfunknetz, weil die Smartphones sich im vorhandenen Netz einbuchen, unabhängig vom eigenen Vertrag. Die Anbieter verrechnen dann die anfallenden Kosten untereinander – wie dies seit Jahren im europäischen Ausland der Fall ist, und wie es von Telekom und Vodafone bereits an mehreren Standorten freiwillig durchgeführt wird (siehe z.B. https://www.youtube.com/watch?v=BSShWeZCaG8).

„Wer den falschen Vertrag in der Tasche hat, für den wird der graue Fleck unnötigerweise zum Funkloch“, sagt Jörn Gutbier, Vorsitzender von diagnose:funk. „Ein Netz für alle wäre so einfach –bei Strom, Straßen oder dem Internet verlegen wir auch jeweils nur ein Netz, das dann alle nutzen können. Das muss auch fürs Mobilfunknetz umgesetzt werden, denn technisch möglich ist es ja. Ein positiver Nebeneffekt wäre, dass gerade in den grauen Flecken, die für vier parallel betriebene, wenig ausgelastete Mobilfunknetze einfach unrentabel sind, der Ausbaudruck entfallen würde. Das spart Ressourcen und Energie bei den Netzbetreibern, weil weniger Masten gebaut und versorgt werden müssen. Und es spart zusätzliche Strahlenbelastung bei der Bevölkerung. Herr Digitalminister Wildberger, setzen Sie sich daher jetzt für nationales Roaming ein! Es wäre eine echte win-win-Situation für uns alle.“

Sowohl bei der anstehenden Neuvergabe der 5G-Mobilfunkfrequenzen durch die Bundesnetzagentur als auch bei der Novelle des Telekommunikationsgesetzes wäre es möglich, nationales Roaming für alle Netzbetreiber verpflichtend und bundesweit einzuführen. Bei LTE-800 plant die BNetzA dies sogar selbst. Daher schlägt diagnose:funk in zwei Stellungnahmen zu Frequenzverfahren der BNetzA und in einer Stellungnahme zur jetzt anstehenden TKG-Novelle vor, nationales Roaming (beispielsweise in einem neuen § 106 b TKG) nach einer angemessenen Übergangs- bzw. Verhandlungsfrist von einem Jahr verpflichtend für die deutschen Mobilfunknetze einzuführen. Mit der vorgeschlagenen Jahresfrist haben die Mobilfunknetzbetreiber bis Ende 2027 genügend Zeit, über die Gestaltung der Roaming-Entgelte zu verhandeln. Für bereits getätigte Infrastrukturinvestitionen im Mobilfunkbereich können sie untereinander Ausgleichszahlungen beanspruchen, denn für die Mobilfunknetzbetreiber soll sich Roaming natürlich auch betriebswirtschaftlich darstellen lassen.

Die Stellungnahmen von diagnose:funk:

In bergigen Flächenländern (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen) beträgt der Anteil der grauen Flecken durchschnittlich sogar 15-20% der jeweiligen Landesfläche. Am Beispiel Baden-Württemberg aus dem Jahr 2024 wird zusätzlich der Stadt-Land-Kontrast deutlich: „In städtischen Gebieten zählen rund 9 Prozent der Fläche zu diesen grauen Flecken, in ländlichen Gebieten sind es etwa 32 Prozent.“ (S. 4, siehe https://www.landtag-bw.de/files/live/sites/LTBW/files/dokumente/WP17/Drucksachen/6000/17_6630_D.pdf)

„Eine Stadt stürzt ins Funkloch“ schrieb tagesschau.de am 26.8.2025. Und weiter: „In Bad Wildbad in Baden-Württemberg herrscht seit zwei Monaten Funkstille für Kunden von O2 und Vodafone.“ Bad Wildbad ist ein berühmter Kurort im Schwarzwald, der v.a. vom Tourismus und vom Kurbetrieb lebt. Hintergrund der Meldung ist, dass ein Funkmast am Schornstein eines Heizkraftwerks abgebaut worden war mit der Folge, dass nur noch Kunden der Telekom Empfang hatten. Bad Wildbad wurde also über Nacht zu einem „grauen Fleck“, in dem nicht alle Mobilfunknetze verfügbar sind. Hätte es zu dem Zeitpunkt bereits bundesweit verpflichtendes nationales Roaming gegeben, wäre den Verbraucher:innen viel Stress erspart geblieben, weil sie über das weiterhin verfügbare Telekom-Netz (alternativen) mobilen Netzzugang gehabt hätten. Die Aufstellung mobiler Basisstationen wäre unnötig gewesen (siehe https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/karlsruhe/bad-wildbad-stadt-empfang-funkloch-100.html).

Sowohl die Verbraucherschutzministerkonferenz als auch der Deutsche Landkreistag hatten bereits nationales Roaming mit der gleichen Begründung gefordert.

Kontakt für Rückfragen:

  • Jörn Gutbier, erster Vorsitzender von diagnose:funk, Tel. 0711-250869-1
  • Peter Hensinger, zweiter Vorsitzender von diagnose:funk, Fachbereich Wissenschaft, Tel. 0711-250869-2
  • Matthias von Herrmann, Pressereferent, Tel. 0711-250869-4 oder 0174-7497868

Presseportal: https://www.presseportal.de/nr/134366

diagnose:funk ist eine unabhängige Umwelt- und Verbraucher-Organisation, die sich seit 2009 für den Schutz vor elektromagnetischen Feldern einsetzt. Dazu klärt diagnose:funk über die schädigenden Wirkungen u.a. von Mobilfunk- und WLAN-Strahlung auf und fordert zukunftsfähige technische Lösungen für eine gesundheitsverträgliche Telekommunikation. Unser Motto: Technik sinnvoll nutzen!

diagnose:funk / Bismarckstr. 63 / 70197 Stuttgart
Vertreten durch Jörn Gutbier und Peter Hensinger.
 https://www.diagnose-funk.org