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21.10.2019 – 16:26

dpa-Faktencheck

Zu lustig um wahr zu sein: Trump sagt nicht «Präsident Mozzarella»

Berlin (ots)

Den Jahrestag der Terroranschläge in den USA verwechselte er schon einmal mit einer Supermarktkette, und aus US-Verteidigungsminister Mark Esper machte er versehentlich Herrn «Esperanto». Warum also sollte US-Präsident Donald Trump nicht auch seinen italienischen Kollegen Sergio Mattarella einfach «Präsident Mozzarella» genannt haben? Das jedenfalls wird ihm im Netz hämisch unterstellt.

BEWERTUNG: Kein Mal fällt während des Besuchs Mattarellas bei Trump öffentlich das Wort «Mozzarella». Allerdings ist der Ausdruck wegen der technisch ungenügenden Worterkennung mehrmals in automatisch generierten Transkripten der verbreiteten Videos zu lesen.

FAKTEN: Italiens Staatschef Sergio Mattarella ist im Rahmen seiner US-Reise am 16. Oktober 2019 zu Besuch im Weißen Haus in Washington. Er trifft medienöffentlich US-Präsident Donald Trump im Oval Office, bei einer offiziellen Pressekonferenz und bei einem Empfang.

Schon vor den Begegnungen freuen sich Menschen in sozialen Medien diebisch auf einen falschen Zungenschlag des US-Präsidenten. Ein Nutzer twittert etwa: «Die Chancen, dass Trump den italienischen Präsidenten Sergio Mattarella "Präsident Mozzarella" nennt, stehen bei 60 Prozent. 40 Prozent, dass er ihn "Präsident Mortadella" nennt.» (http://dpaq.de/TMLt8)

Obwohl auch einige Nutzer feststellen, dass Trump seinen Kollegen ja gar nicht «Mozzarella» genannt habe, setzt sich die falsche Behauptung durch, er habe dies mehrere Male getan. Die These verbreitet sich weltweit in den sozialen Netzwerken wie ein Lauffeuer, häufig in Kombination mit dem angeblich schockierten Gesichtsausdruck der italienischen Übersetzerin. Dass keine dieser angeblichen Gelegenheiten von Kameras festgehalten wurden, stört offenbar nicht.

Dabei sind unter anderem auf dem Youtube-Kanal des Weißen Hauses ausführliche Videos der drei Medienbegegnungen zu finden - das Treffen im Oval Office (http://dpaq.de/ZDPe1), die Pressekonferenz (http://dpaq.de/pvdVl) sowie der Empfang (http://dpaq.de/cgehR).

In der Szene im Oval Office ist zu sehen, dass die Übersetzerin häufig konzentriert den Ausführungen Trumps folgt, um danach ins Italienische zu übersetzen. An keiner Stelle nennt der US-Präsident in diesem Video seinen Kollegen beim Namen, wie auch aus der offiziellen Mitschrift des Weißen Hauses abzulesen ist (http://dpaq.de/VUsZp). Er nennt ihn vielmehr in der Regel «President of Italy».

Bei der Pressekonferenz und beim Empfang hingegen nennt Trump den Namen Mattarellas mehrmals - und spricht ihn jeweils richtig aus. Die US-Faktenchecker von «Snopes» haben die Sequenzen in einem kurzen Video zusammengestellt: http://dpaq.de/NWkXu

Doch woher kommt nun die Behauptung, Trump habe «Mozzarella» gesagt? Womöglich aus einer generierten Mitschrift der Szenen. Youtube bietet diese auf seiner Plattform an. Dazu setzt ein Algorithmus die Sprache automatisch in Schrift um. Das verläuft nicht ganz fehlerfrei, da für englische Ohren ungewöhnliche Ausdrücke durchaus auch als ein anderes, dem Algorithmus bekanntes Wort wiedergegeben werden.

So wird zum Beispiel aus Trumps «President Mattarella also discussed...» etwa bei Minute 5:47 im Video der Pressekonferenz im Transkript ein «President Maduro ella also discussed...» (http://dpaq.de/G7rxI).

Im selben Transkript taucht tatsächlich zwei Mal das Wort «Mozzarella» auf - beide Male allerdings an Stellen, an denen Trump gar nicht spricht. Ein Übersetzer trägt Fragen italienischer Reporterinnen auf Englisch vor. Allerdings ist sowohl bei Minute 32:26 (http://dpaq.de/Chzxf) als auch bei Minute 42:27 (http://dpaq.de/zVtqt) klar zu verstehen, dass der Übersetzer tatsächlich «Mattarella» sagt.

Auch wenn er den italienischen Präsidenten nicht mit dem Namen einer Käsesorte angesprochen hat, sind Peinlichkeiten solcher Art für den US-Präsidenten nicht ungewöhnlich. So verwendete er etwa einmal für das Datum der Terrorattacken 2001 in New York und Washington fälschlicherweise «7/11» statt «9/11» (http://dpaq.de/CL8Qf). «7-Eleven» ist eine US-Supermarktkette.

Und erst jüngst nannte er den US-Verteidigungsminister Mark Esper in einem mittlerweile gelöschten Tweet vom 19. Oktober (hier archiviert: http://dpaq.de/YuS4b) fälschlicherweise «Mark Esperanto», also wie die internationale Kunstsprache.

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Links:

Video von Treffen im Oval Office am 16. Oktober: https://www.youtube.com/watch?v=elxUuayEuOA

Video von Pressekonferenz am 16. Oktober: https://www.youtube.com/watch?v=HMICO8tp3wA

Video von Empfang am 16. Oktober: https://www.youtube.com/watch?v=4kdBWdfX1w0

Mitschrift des Weißen Hauses zum Treffen im Oval Office: https://www.whitehouse.gov/briefings-statements/remarks-president-trump-president-mattarella-italian-republic-bilateral-meeting/

Mitschrift des Weißen Hauses zum Empfang: https://www.whitehouse.gov/briefings-statements/remarks-president-trump-president-mattarella-italian-republic-reception/

Nutzer-Tweet vor Trump-Mattarella-Pressekonferenz: https://twitter.com/TurnUp_TheTweet/status/1184534253071192064 (archiviert: http://dpaq.de/TMLt8)

Trump über Terrorattacke: https://www.youtube.com/watch?v=aj_IsiMA4G4

Trump-Tweet über Mark Esper (archiviert): http://dpaq.de/YuS4b

US-Faktenchecker «factcheck.org» über Trump/«Mozzarella»: https://www.factcheck.org/2019/10/viral-posts-fabricate-a-president-mozzarella-gaffe/

US-Faktenchecker «Snopes» über Trump/«Mozzarella»: https://www.snopes.com/fact-check/trump-italy-mozzarella-president/

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Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

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