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11.10.2019 – 18:18

dpa-Faktencheck

Die vermissten Jungen aus Neuburg an der Donau sind längst wieder aufgetaucht

Berlin (ots)

Wird im Internet zur Mithilfe bei der Suche nach Vermissten aufgerufen, ist die Aufmerksamkeit groß - vor allem dann, wenn es um Frauen und Kinder geht. Auf Facebook ist das Phänomen besonders verbreitet. In nicht offiziellen «Polizeifahndungs»-Gruppen werden Mitglieder Anfang Oktober aufgefordert, eine auf der Webseite «polizei.to» veröffentlichte Vermisstenmeldung aus dem bayerischen Neuburg an der Donau zu teilen. Die Webseite schreibt, Polizei und Eltern suchten verzweifelt nach zwei verschwundenen Jungen (http://dpaq.de/nC8F2).

BEWERTUNG: Es handelt sich um einen alten Fall, der längst gelöst ist. Die beiden Kinder waren Mitte Dezember 2018 verschwunden. Die Polizei im bayerischen Neuburg an der Donau teilte wenige Tage später mit, die damals 12- und 13-jährigen Jungen seien wohlbehalten wieder heimgekehrt.

FAKTEN: Der Aufruf auf Facebook von Anfang Oktober erweckt den Eindruck großer Dringlichkeit. «Bitte teilen» steht in Großbuchstaben über einem Bericht, in dem das Verschwinden der Jungen verkündet wird. «Polizei und Eltern suchen verzweifelt!», heißt es weiter. Die Mitglieder mehrerer nicht offizieller «Polizeifahndungs»-Gruppen werden aufgefordert, den Bericht mit dem Hinweis zu kommentieren, an welchem Ort Deutschlands sie diese Vermisstenmeldung geteilt haben.

Der Text vermittelt den Anschein, als habe sich der Fall aktuell ereignet. Auf der Internetseite «polizei.to» ist nicht direkt ersichtlich, wann der Artikel dort veröffentlicht wurde. In den Browserinformationen zur Website ist der 15. September 2019 als Zeitpunkt der Veröffentlichung angegeben («article:published_time" content="2019-09-15T18:58+02:00"»).

Die Polizei in Neuburg hatte bereits wenige Tage nach dem Verschwinden der Kinder mitgeteilt, dass die Jungen wieder wohlbehalten heimgekehrt seien. Eine einfache Suche im Netz führt direkt zu Medienberichten über das Wiederauftauchen der Ausreißer. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur teilte die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord Anfang Oktober mit, dass der Fall der vermissten Jungen seit Ende 2018 abgeschlossen sei.

Die Betreiber der Seite «polizei.to» veröffentlichen häufig völlig veraltete und überholte Polizeimeldungen. Die Endung «.to» steht für eine Registrierung im südpazifischen Inselstaat Tonga (http://dpaq.de/iMgw3). Das Königreich galt in den vergangenen Jahren als sicherer Hafen für dubiose Seitenbetreiber. Auch im Impressum von «polizei.to» (http://dpaq.de/hf0CG) gibt es keine Verbindung zu Deutschland. Als Inhaber wird «Arlen Birely» aufgeführt, die Adresse führt zu einem Dorf an der Westküste Zyperns.

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Links:

Bericht über verschwundene Jungen auf «polizei.to»: https://www.polizei.to/bitte-teilen-leon-martin-verschwunden-polizei-und-eltern-suchen-verzweifelt/?fbclid=IwAR33KoWecrFkUR_tQo3Dzm5bUPey8v_o-odqdz2KsU-5TADtDlMdH1BBMd8 (Archivierte Version: http://archive.is/GQXNG)

Facebook-Post: https://www.facebook.com/groups/1157022681120300/permalink/1386954254793807/ (archiviert: http://dpaq.de/tfBFH)

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Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

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