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05.09.2019 – 14:02

dpa-Faktencheck

Im Kampf gegen den Hunger wären 7 Milliarden Euro viel zu wenig

Berlin (ots)

Würden schon 7 Milliarden Euro ausreichen, um «weltweit Hungersnöte zu beenden»? Und verfügt der Vatikan tatsächlich über ein Vermögen von 270 Milliarden Euro? Diese Zahlen machen im Internet die Runde, ohne dass Quellen genannt werden. In der Verbindung beider Zahlen soll offenbar der Gedanke nahegebracht werden, das Vermögen der Kirche reiche aus, um die Hungernden in der Welt zu ernähren. (http://dpaq.de/Tvgdr)

BEWERTUNG: Um den Hunger auszurotten, wäre ein einstelliger Milliardenbetrag pro Jahr nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das Vermögen des Vatikans kann nur geschätzt werden, entsprechende Zahlen veröffentlicht der Kirchenstaat nicht. Sein geschätztes Vermögen wäre aber viel zu gering, um dem Welthunger langfristig Herr zu werden.

FAKTEN: Um alle Menschen auf der Erde bis 2030 ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen, müssten den Vereinten Nationen zufolge rund 240 Milliarden Euro zusätzlich investiert werden - und das pro Jahr. Drei UN-Behörden haben dazu im Juli 2015 einen Bericht veröffentlicht (http://dpaq.de/ENvRH): die Welternährungsorganisation (FAO), das Welternährungsprogramm (WFP) und der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD).

Laut UN hatten 2018 etwa 820 Millionen Menschen nicht genug zu essen (http://dpaq.de/COzcQ). Der Kampf gegen Armut und Hunger gehört - ebenso wie Maßnahmen gegen den Klimawandel - zu den globalen Vorsätzen der Vereinten Nationen und ihrer Mitgliedsstaaten. Die Ziele sollen bis 2030 erreicht werden.

Um das Vermögen des Vatikans ranken sich nur Spekulationen, denn offizielle Angaben gibt es nicht. Bekannt ist immerhin, dass es zum größten Teil aus Wertpapieren und Immobilien besteht. Fachleute schätzten das Gesamtvermögen des Kirchenstaates auf bis zu 12 Milliarden Euro, berichtet «katholisch.de» - das Internetportal der Katholischen Kirche (http://dpaq.de/27Klk). «Zinserträge und sonstige Einnahmen könnten somit bei halbwegs günstiger Entwicklung der Finanz- und Immobilienmärkte im dreistelligen Millionenbereich liegen», heißt es dort.

Woher also könnte die im Facebook-Post genannte Zahl von 270 Milliarden Euro stammen? Vermutlich geht sie auf eine Studie des Sozialwissenschaftlers und Kirchenkritikers Carsten Frerk zurück. In seinem 2002 veröffentlichten Buch «Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland» hatte er das gesamte Kirchenvermögen hierzulande auf 500 Milliarden Euro geschätzt. Über 270 Milliarden davon verfügte der Schätzung zufolge damals die katholische Kirche in Deutschland, vor allem durch Immobilien- und Grundbesitz.

Dazu gehören neben den Kirchengebäuden im engeren Sinn auch kirchliche Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser oder Pfarrhäuser. Frerk verweist darauf, dass viele der in die Rechnung einbezogenen Gebäude und Grundstücke nicht einfach verkauft werden könnten (http://dpaq.de/WcaDr). Die Kirchen konnten die Angaben weder bestätigen noch korrigieren. Auf den Vatikan bezog sich die geschätzte Zahl von 270 Milliarden Euro nicht.

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Links:

Facebook-Post: https://www.facebook.com/Fakten99/photos/a.851317101559309/2661937567163911/?type=3&theater (archiviert: http://dpaq.de/6wOyO)

UN-Bericht: http://www.fao.org/fileadmin/user_upload/newsroom/docs/Report-Achieving-Zero-Hunger.pdf

Welternährungsprogramm: https://de.wfp.org/pressemitteilungen/un-bericht-die-zahl-der-hungernden-weltweit-steigt-zum-dritten-jahr-folge

Pressemitteilung der Welternährungsorganisation: http://www.fao.org/news/story/en/item/297804/icode/

Artikel bei katholisch.de: https://www.katholisch.de/artikel/16510-woher-bekommt-der-vatikan-sein-geld

Webseite Carsten Frerk: http://www.carstenfrerk.de/wb/buecher.php

Spiegel-Artikel zur Studie: https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/katholische-kirche-der-geheime-milliardenschatz-des-klerus-a-686793.html Spiegel-Artikel zum

Vermögen der Kirche: https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/katholische-kirche-das-versteckte-vermoegen-der-bistuemer-a-1269846.html

--- Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

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