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31.07.2019 – 15:49

dpa-Faktencheck

Spahn-Post zu Gewalttat am Frankfurter Bahnhof gefälscht

Berlin (ots)

Nach der Gewalttat am Frankfurter Hauptbahnhof, bei der ein achtjähriger Junge vor einen Zug gestoßen und getötet wurde, kursiert ein gefälschtes Zitat von Jens Spahn (CDU) im Internet. Unter anderem wird dem Bundesgesundheitsminister auf Facebook unterstellt, er habe die tödliche Attacke in Frankfurt verharmlost und in Verbindung zu seiner Politik hinsichtlich von Masernimpfungen gesetzt.

BEWERTUNG: Einen solchen Post hat Spahn nie abgesetzt. Die Fälschung ist relativ leicht erkennbar. Das Bundesgesundheitsministerium geht gegen die Verbreitung vor. Der Minister bezeichnet die Verbreitung als «besonders perfide und plump».

FAKTEN: Im Internet verbreiten sich am 31. Juli 2019 mehrere Posts, die einen vermeintlichen Social-Media-Beitrag von Jens Spahn zitieren. Demnach soll der Bundesgesundheitsminister angeblich am 29. Juli 2019 in den sozialen Medien die Tat am Frankfurter Hauptbahnhof verharmlost haben. An jenem Tag hatte ein Mann einen Achtjährigen und dessen Mutter vor einen Zug gestoßen. Der Junge starb. Der Tatverdächtige aus Eritrea kam unter Mordverdacht in Untersuchungshaft.

Der gefälschte Facebook-Beitrag behauptet nun, Spahn habe gepostet, dass «wesentlich mehr Kinder 2019 an Masern verstorben» seien als bei «Unfällen mit Zügen». Diese Aussage hat Spahn aber nicht getroffen. Auch der Satz «Meine Gedanken sind bei den Flüchtlingen, die jetzt wieder Tag für Tag abwertende Blicke von Einheimischen kassieren» ist komplett erfunden.

Zu erkennen ist die Fälschung unter anderem daran, dass der Screenshot des vermeintlichen Spahn-Posts einem Tweet nachempfunden ist. Das gefälschte Zitat ist mit rund 1000 Zeichen viel zu lang für einen Tweet. Die Nachrichten auf Twitter dürfen jeweils nur mit einer Länge von maximal 280 Zeichen verbreitet werden.

Ein Pressesprecher des Bundesgesundheitsministeriums teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit, dass der Beitrag ein Fake sei und nicht von Spahn stamme. Auf keinem von dessen Social-Media-Accounts wurde jemals ein solcher Beitrag abgesetzt.

Auf dem Twitter-Account des Ministers wurde am Nachmittag des 31. Juli die gefälschte Unterstellung als «besonders perfide und plump» bezeichnet. Es hieß: «Im Netz kursiert die Fotomontage eines gefälschten Postings mit einem gefälschten Zitat von mir. Der entsetzliche Tod eines Kindes wird so für Stimmungsmache und Fake-News genutzt.» (http://dpaq.de/8a63d)

Nach eigenen Angaben forderte das Gesundheitsministerium bereits am 31. Juli von Facebook die Löschung solcher Posts.

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Links:

Spahn-Tweet: https://twitter.com/jensspahn/status/1156540254532362240

Facebook-Post mit gefälschten Spahn-Beitrag: https://www.facebook.com/2232782300270142/photos/a.2233233473558358/2355671967981174/?type=3&;theater (archiviert: http://dpaq.de/xTzI4)

Facebook-Post mit gefälschtem Spahn-Zitat: https://www.facebook.com/eckhard.ott/posts/2884969081520219 (archiviert: http://dpaq.de/MFMiL)

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Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

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