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26.07.2019 – 15:02

dpa-Faktencheck

«PrognosUmfragen» arbeitet nicht seriös

Berlin (ots)

In den sozialen Medien kursieren angebliche Umfragewerte, die ein Twitter-Nutzer namens «PrognosUmfragen» verbreitet. Laut Twitter-Kurzvita liefert der Account «beste Wahlprojektionen», ohne anzugeben, wie diese erstellt werden.

BEWERTUNG: Bei den angeblichen Umfrageergebnissen des Twitter-Nutzers «PrognosUmfragen» wird nicht klar, ob und wie er sie erhoben hat. «PrognosUmfragen» erfüllt nicht die Mindeststandards der Meinungsforschungs-Branche an Transparenz und ist damit als unseriös anzusehen.

FAKTEN: Im Dezember 2012 fing «PrognosUmfragen» damit an, angebliche Umfragewerte auf Twitter zu veröffentlichen. Seither postete der unbekannte Nutzer mehr als 2100 Tweets, unter anderem mit Zahlen zu Europa-, Landtags- und Bundestagswahlen. Es handele sich um «Wahlprojektionen auf Grundlage von Umfragen und Analysen», heißt es in der Twitter-Kurzvita. (http://dpaq.de/acFTS)

Als Projektionen bezeichnet man Umfrageergebnisse, die unter anderem mit langfristigen politischen Einstellungen verrechnet werden. So sollen Umfragen die Wahlergebnisse noch genauer voraussagen. (http://dpaq.de/bl5wC)

Auffällig ist die Namensähnlichkeit zwischen dem Twitter-Account und der Prognos AG, einem großen Wirtschaftsforschungsinstitut aus der Schweiz. Die «Hannoversche Allgemeine Zeitung» berichtete schon im November 2013 über diesen Fall. «Offenbar nutzt jemand unseren Namen, um seinen Mitteilungen damit einen besonderen Wert zu verleihen», wurde eine Unternehmenssprecherin der Prognos AG damals zitiert. Man habe vergeblich darauf gedrängt, dass sich der Twitter-Nutzer offenbare. «PrognosUmfragen» fügte damals allerdings in seine Twitter-Vita den Hinweis ein: «nicht Prognos AG». (http://dpaq.de/p1uNt, http://dpaq.de/jC9eC)

Mit seinen Projektionen trifft der Account die Wahlergebnisse manchmal sehr genau, manchmal vertut er sich deutlich. Zwei Wochen vor der Europawahl 2019 sagte er für Baden-Württemberg ein AfD-Ergebnis von 18 Prozent voraus, tatsächlich wurden es 10 Prozent. Die CDU erhielt 30,8 statt der prognostizierten 24 Prozent. (http://dpaq.de/47JXb, http://dpaq.de/GPo1C)

Der Twitter-Account verweist auf kein Impressum, der Nutzer ist damit nicht identifizierbar. Eine Anfrage der dpa zu seiner Identität und seiner Arbeitsweise ließ er unbeantwortet. Damit ist weder klar, wie viele Menschen befragt wurden, noch ob sie online oder per Telefon kontaktiert wurden. Es ist auch nicht bekannt, welche Fragen den Teilnehmern gestellt wurden und wer die angeblichen Umfragen in Auftrag gegeben hat. Bei seriösen Umfrageinstituten sollten diese Daten veröffentlicht werden. Damit können sich Redaktionen und Leser ein Bild davon machen, wie glaubhaft eine Umfrage ist - und ob sie überhaupt stattgefunden hat. (http://dpaq.de/410YN)

Die Deutsche Presse-Agentur bat den Rat der Deutschen Markt- und Sozialforschung um eine Einschätzung zu «PrognosUmfragen». Der Rat dient, ähnlich wie der Presserat für Journalisten, der freiwilligen Selbstkontrolle für Umfrage-Unternehmen. (http://dpaq.de/Eblzd)

«Grundsätzlich ist nicht erkennbar, ob die Umfrage seriös ist oder nicht», teilte der Vorstandsvorsitzende des Rates, Raimund Wildner, mit. «Die Art der Darstellung ist es jedenfalls nicht.»

Wildner betont, dass bei den Veröffentlichungen bei «PrognosUmfragen» alle wesentlichen Informationen fehlen, um glaubhaft zu sein. «Wenn nicht zumindest das durchführende Institut, das Datum der Umfrage, die Umfragemethode und die Stichprobengröße genannt sind, dann würde ich der Umfrage nicht trauen.»

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Links:

Twitter-Account: http://dpaq.de/acFTS

Erster Umfrage-Tweet 2012: http://dpaq.de/4tmwe

Tweet zu EP-Wahl in Baden-Württemberg: http://dpaq.de/47JXb

Ergebnisse EP-Wahl in Baden-Württemberg: http://dpaq.de/GPo1C

Artikel in der HAZ: http://dpaq.de/p1uNt

Richtlinie für Wahlforschungs-Ergebnisse: http://dpaq.de/bl5wC

Internationaler ESOMAR-Kodex: http://dpaq.de/410YN

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Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

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