Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Würdigung und Gedenken: Aussegnung von sechs Ahnen der Maka an der Universität
Würdigung und Gedenken: Aussegnung von sechs Ahnen der Maka an der Universität
In einer gemeinsamen Zeremonie der Universität Freiburg und traditioneller Autoritäten der Maka aus Kamerun wurden sechs Ahnen der Maka im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes gewürdigt. Während die feierliche Aussegnung stattfand, erfolgt die zunächst geplante formelle Repatriierung auf Wunsch der kamerunischen Regierung zu einem späteren Zeitpunkt.
Am Donnerstag, den 16. Juli 2026, versammelten sich Vertreter*innen der Maka aus Kamerun, Wissenschaftler*innen der Universität Bertoua/Kamerun sowie die Leitung der Universität Freiburg in der Universitätskirche Freiburg zu einem feierlichen Gottesdienst. Die ökumenisch gestaltete Zeremonie, die durch traditionelle Elemente der Maka ergänzt wurde, stand im Zeichen des Gedenkens und der Würdigung von sechs Ahnen der Maka, die seit der Zeit der militärischen Kolonisierung Kameruns durch das Deutsche Kaiserreich an der Universität Freiburg verwahrt wurden. „Die Aussegnung ist ein bedeutender Meilenstein in der kritischen Aufarbeitung der kolonialen Wissenschaftssammlungen“, sagt Rektorin Prof. Dr. Kerstin Krieglstein. „Für die Universität Freiburg ist es von zentraler Bedeutung, die Prozesse mit dem Ziel der Restitution konsequent zu begleiten, damit die Ahnen in ihre Heimat und zu ihren Herkunftsgesellschaften zurückkehren können. Mein aufrichtiger Dank gilt den Majestäten und traditionellen Autoritäten der Maka, den Mitgliedern der gesamten Delegation, unseren Partner*innen in Kamerun und in Freiburg, dem Land Baden-Württemberg für seine Unterstützung und allen, die in unserer Universität an der Aufarbeitung unserer kolonialen Geschichte arbeiten.“
Aufgrund laufender Abstimmungen zwischen den zuständigen Stellen in Kamerun wurde die formelle Repatriierung auf Wunsch der kamerunischen Regierung verschoben. Die Universität Freiburg respektiert diese Entscheidung und konzentrierte sich am 16. Juli auf die rituelle Aussegnung, während die formelle Rückführung nach Kamerun vertagt wurde.
Historischer Kontext und koloniales Erbe
Die sechs Verstorbenen kamen nach aktuellem Forschungsstand aus den Gesellschaften der Maka im Osten Kameruns. Während anthropologische Einschätzungen bei allen sechs Individuen von einem männlichen biologischen Geschlecht ausgehen, bleiben ihre Namen und Lebensgeschichten bislang unbekannt. Die Überführung nach Freiburg erfolgte während der deutschen Kolonialherrschaft im Deutschen Kaiserreich. Die militärische Kolonisierung war von Gewalt, Zwangsarbeit und Menschenrechtsverletzungen gezeichnet. Wie genau die Verstorbenen in die anatomisch-anthropologischen Bestände der Universität Freiburg kamen, wird weiterhin durch die Provenienzforschung beider Länder untersucht. In der Tradition der Maka werden die sechs Verstorbenen heute als heroische Ahnen des Widerstands gegen die deutsche Kolonisierung geehrt.
Verantwortung übernehmen: Aufarbeitung an der Universität Freiburg
Die Aussegnung ist Teil eines umfassenden Prozesses zur Aufarbeitung der sogenannten „Alexander-Ecker-Sammlung“, die im Jahr 1857 am Anatomischen Institut eingerichtet wurde. Diese „Sammlung“ enthält Exponate, deren Erwerb und Nutzung heute als rassistisch und menschenverachtend gewertet werden. „Mit der Aufarbeitung dieser Bestände übernehmen wir Verantwortung für das Unrecht der deutschen Kolonialzeit“, sagt die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg Petra Olschowski. Für Baden-Württemberg ist die Haltung eindeutig: Ahnen gehören zurück in ihre Heimat und zu ihren Familien. Viele wurden ohne Zustimmung ihrer Angehörigen oder mit Gewalt aus den ehemaligen Kolonialgebieten entwendet. Deshalb geben wir sie aus unseren Einrichtungen zurück. Mein herzlicher Dank gilt unseren Partnern aus Kamerun, die sich für Dialog, Provenienzforschung und Erinnerungskultur eingesetzt haben und uns daran teilhaben lassen.“
Seit 2025 wird dieses Ziel durch das von der Universität Freiburg und dem baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst durchgeführte Projekt „Provenienzforschung zu kolonialen Wissenschaftssammlungen“systematisch verfolgt. Das vom Ministerium und der Universität getragene Projekt arbeitet daran, die Herkunft der Bestände aus der Kolonialzeit zu klären und Rückführungen zu ermöglichen. „Möge diese Zeremonie zugleich ein Neubeginn sein“, sagt Seine Majestät Effoudou III, Chef Supérieur des Maka-Bebend-Königreiches ersten Grades der Region Atok in Kamerun. „Der Beginn einer erneuerten wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Kamerun und Deutschland. Der Beginn einer umfassenderen Öffnung der Kolonialarchive. Der Beginn einer Geschichtsschreibung, die gemeinsam und auf der Grundlage gegenseitigen Respekts verfasst wird. Der Beginn einer Bildung, die den jungen Generationen die Wahrheit lehrt – die ganze Wahrheit –, ohne Hass, ohne Vergessen, aber mit Gerechtigkeit.“
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