Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Messstationen dokumentieren Hitzerekord im Freiburger Stadtgebiet
Messstationen dokumentieren Hitzerekord im Freiburger Stadtgebiet
- Die aktuelle Hitzewelle hat in Freiburg bereits Ende Juni für höhere Temperaturen gesorgt als im August des sogenannten Jahrhundertsommers 2003. Die Freiburger Innenstadt hat dreizehn Tropennächte in Folge erlebt.
- Der städtische Wärmeinseleffekt hat höhere nächtliche Temperaturen in dicht bebauten Stadtteilen bewirkt.
- Prof. Dr. Andreas Christen, Meteorologe an der Universität Freiburg, ordnet die aktuellen Messdaten ein und erläutert, was sie für eine klimaangepasste Stadtplanung bedeuten.
Herr Christen, die aktuelle Hitzewelle hat in Freiburg zu besonders vielen Tropennächten geführt. Wie ordnen Sie diese Entwicklung klimatologisch ein?
Die aktuelle Hitzewelle war besonders durch ihre Dauer, Intensität und ihren Zeitpunkt außergewöhnlich. An der Wetterstation der Universität Freiburg, die in 50 Metern Höhe auf einem Forschungsgebäude steht, messen wir seit 2000 kontinuierlich. Am 27. Juni 2026 haben wir dort eine Maximaltemperatur von 38,8 Grad Celsius über zehn Minuten gemessen. Das ist wärmer als die höchste Lufttemperatur, die wir über zehn Minuten im Jahr 2003 gemessen haben – und damit unser Allzeit-Temperaturrekord. Damals lag sie bei 38,0 Grad. Die Nacht auf Sonntag war mit einem Temperaturminimum von 26,1 Grad die wärmste Nacht, seitdem wir messen. In dieser Hitzewelle gab es zudem bis zum 29. Juni dreizehn Tropennächte in Folge. In den letzten zehn Jahren waren es maximal fünf pro Jahr. Zum Vergleich: Im sogenannten Jahrhundertsommer 2003 gab es zwölf Tropennächte in Folge. Damit haben wir dieses Jahr schon im Juni mehr Tropennächte als im August 2003.
Sie erfassen die Temperaturen in Freiburg mit hoher räumlicher Auflösung und beobachten dabei teils deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Stadtteilen. Woran liegt das?
Diese Unterschiede ergeben sich vor allem durch die Bebauung, Versiegelung, den Grünanteil und Luftaustausch. Seit 2022 erfassen wir mit 42 bodennahen Wetterstationen die Temperaturen im Freiburger Stadtgebiet. Sie messen in drei Metern Höhe in Straßenschluchten, Parks oder über landwirtschaftlichen Flächen und zeigen damit die Lufttemperatur auf, der die Menschen im Alltag tatsächlich ausgesetzt sind. Am 29. Juni wurde an 29 Messstationen die 40-Grad-Marke überschritten. Den höchsten Wert registrierten wir vor dem Universitätsklinikum Freiburg mit 43,1 Grad. Diese Messungen sind zwar nicht direkt mit den Standardmessungen des Deutschen Wetterdienstes vergleichbar, die außerhalb von Siedlungen über kurzem Rasen erfasst werden. Sie bilden aber die tatsächliche Lufttemperatur in der Stadt sehr gut ab. Noch deutlicher werden die Unterschiede nachts. Im Stadtzentrum wurden bis zum 29. Juni bodennah sogar 13 Tropennächte gemessen – im westlichen Umland dagegen nur zwischen 0 und 5. Das liegt am städtischen Wärmeinseleffekt: Gebäude und versiegelte Flächen speichern tagsüber Wärme, die sie nachts wieder abgegeben. Je dichter und versiegelter die Stadt, desto wärmer ist es dort nachts. Hinzu kommt, dass nächtliche Winde einige Stadtteile kühlen.
Welche Maßnahmen sind aus meteorologischer Sicht besonders wirksam, um Städte widerstandsfähiger gegen zunehmende Hitze zu machen?
Wir können die Auswirkungen der Hitze in Städten verringern, vor allem mit Maßnahmen, die Sonneneinstrahlung und Wärmespeicherung reduzieren und die Durchlüftung fördern. Dazu gehören Verschattungen durch Stadtbäume, helle Hausdächer, Fassadenbegrünungen sowie das Verringern von Abwärme aus Motoren und Maschinen. Wichtig ist außerdem, Kaltluftbahnen freizuhalten. Das sind Bereiche in einer Stadt, in denen kühlere Luft aus dem Umland nachts eindringen und beim Abkühlen unterstützen kann.
Wie können Ihre Forschungserkenntnisse konkret in die Stadtplanung und in kommunale Entscheidungen einfließen?
Unsere Messungen fließen vor allem in die Forschung und in die Modellierung von Anpassungsmaßnahmen ein. Sie sind eine wichtige Grundlage, um Wettermodelle für Freiburg zu prüfen. Auf dieser Basis können wir dann den Effekt verschiedener Maßnahmen gegen die Hitze simulieren. Beispielsweise haben wir eine Computersimulation zu dem Einfluss von Bäumen auf die Hitzebelastung im Freiburger Stadtteil Wiehre gemacht. Dabei zeigt sich, dass diese mit dem heutigen Baumbestand bei 53 Stunden pro Jahr liegt, ohne Bäume aber bei 98 Stunden pro Jahr. Die vorhandenen Bäume reduzieren also die Hitzebelastung um fast die Hälfte. Das zeigt, wie wirksam der Erhalt großer Stadtbäume auch auf privatem Grund ist. Zusätzliche Bäume sind ebenfalls sinnvoll, wirken aber erst langfristig, wenn sie ausreichend Schatten spenden.
Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Aufgabe von Städten wie Freiburg, um auch in Zukunft lebenswert zu bleiben?
Die Zunahme an Hitzewellen und deren Intensität ist direkt an die globalen Emissionen von Treibhausgasen gebunden. Deshalb bleibt globaler Klimaschutz durch Emissionsreduktion die effektivste Maßnahme, um diesen globalen Trend abzuschwächen. Gleichzeitig benötigen wir lokal konsequente Anpassungen: klimaangepasste Stadtplanung mit Verschattung und Wasserflächen sowie Maßnahmen, die die Stadt nachts wieder abkühlen lassen. Auch beim oft kontrovers diskutierten Thema Klimaanlagen braucht es einen differenzierten Blick. In kritischen Infrastrukturen wie Pflegeheimen, Krankenhäusern, Schulen und Kitas geht es nicht um Komfort, sondern um die Gesundheit und im Extremfall ums Überleben. Klimaanlagen müssen keineswegs klimaschädlich sein. Denn während der heißesten Tageszeit ist Energie aus Photovoltaik zum Kühlen zumindest kritischer Infrastrukturen ausreichend vorhanden. Ebenso wichtig ist der Schutz besonders gefährdeter Gruppen – etwa kleiner Kinder, älterer und mobilitätseingeschränkter Menschen. Hitze ist daher auch eine Frage der Klimagerechtigkeit: Wer in kleinen, stark aufgeheizten Wohnungen lebt, ist deutlich stärker betroffen als Menschen mit mehr Ausweichmöglichkeiten.
Zur Person
Prof. Dr. Andreas Christen leitet die Professur für Umweltmeteorologie an der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Universität Freiburg. Er ist Principal Investigator des Integrated Carbon Observation System (ICOS)-Standortes in Hartheim am Rhein sowie zahlreicher weiterer Forschungsprojekte und -verbünde, beispielsweise des ERC Synergy Grant „urbisphere“, des EU-Projekts „UrbanAIR“ und des Exzellenzclusters „Future Forests“.
Kontakt
Hochschul- und Wissenschaftskommunikation
Universität Freiburg
Tel.: +49 761 203 4302
E-Mail: kommunikation@zv.uni-freiburg.de
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Geschäftsbereich Strategie und Kommunikation Abteilung Hochschul- und Wissenschaftskommunikation Rektorat . Fahnenbergplatz . 79085 Freiburg Tel.: +49 761 203 4302


