Otto-Friedrich-Universität Bamberg
PM Universität Bamberg: Prof. Marvin Reuter erhält Starting Grant des European Research Council
ERC Starting Grant für Bamberger Soziologen Marvin Reuter
Europäischer Forschungsrat fördert Forschung zu Bildung und Gesundheit mit rund 1,5 Millionen Euro
Der Soziologe Prof. Dr. Marvin Reuter erhält einen Starting Grant des European Research Council (ERC). Reuter ist Juniorprofessor für Soziologie, insbesondere Arbeit und Gesundheit, an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Mit der renommierten Förderung in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro wird er in den kommenden fünf Jahren das Forschungsprojekt „Fields of Education as New Drivers of Health Inequalities“ – kurz: FIELDS – realisieren. Darin untersucht er, wie das gewählte Studien- oder Ausbildungsfach die körperliche und psychische Gesundheit im Lebensverlauf beeinflusst.
Der ERC Starting Grant zählt zu den renommiertesten Förderprogrammen Europas für exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer frühen Karrierephase. Gefördert werden besonders innovative Forschungsprojekte, die das Potenzial haben, neue wissenschaftliche Perspektiven zu eröffnen. „Seit Jahrzehnten wissen wir, dass Bildung und Gesundheit eng zusammenhängen. Erstaunlich wenig wissen wir jedoch darüber, welche Rolle das konkrete Studien- oder Ausbildungsfach dabei spielt“, sagt Reuter. „Ich freue mich deshalb sehr über die Förderung. Sie gibt mir die Möglichkeit, dieses bislang wenig erforschte Feld umfassend zu untersuchen und neue Perspektiven auf gesundheitliche Ungleichheiten zu eröffnen.“
Wie das Studien- und Ausbildungsfach die Gesundheit prägt
Bislang ist vor allem bekannt, dass Menschen mit höherer Bildung im Durchschnitt gesünder und länger leben. Doch Abschluss und Bildungsdauer erzählen nur einen Teil der Geschichte. Marvin Reuter will tiefergehen: Er untersucht, welche gesundheitlichen Unterschiede sich zwischen Menschen mit verschiedenen Studien- und Ausbildungsfächern zeigen, wie diese entstehen und welche Rolle dabei Arbeitsbedingungen, Gesundheitsverhalten und soziale Beziehungen spielen. Denn Einkommen und berufliche Chancen, Belastungen am Arbeitsplatz oder soziale Netzwerke können sich je nach Fach unterscheiden. Diese Unterschiede wiederum können langfristig die körperliche und psychische Gesundheit prägen.
Frühere Studie zeigt Unterschiede zwischen Studienfächern
Mit FIELDS knüpft Reuter an seine bisherige Forschung an. In einer erst kürzlich erschienenen Studie zeigte er, dass sich die Gesundheit von Studierenden je nach Studienfach unterschiedlich entwickelt. Während etwa Studierende der Medizin und Gesundheitswissenschaften über ihr Studium hinweg vergleichsweise gute Gesundheitswerte aufwiesen, verzeichneten Jurastudierende den stärksten Rückgang ihrer selbst eingeschätzten Gesundheit. Studierende der Geistes- und Kulturwissenschaften wiederum berichteten bereits zu Beginn des Studiums von einer vergleichsweise schlechteren Gesundheit, die sich im weiteren Studienverlauf jedoch kaum veränderte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass dabei neben Unterschieden, die bereits bei der Wahl des Studienfachs bestehen, auch das Studium selbst eine Rolle spielen könnte. Mit FIELDS geht Reuter nun einen entscheidenden Schritt weiter: Er untersucht, ob sich solche Unterschiede bis weit ins Erwachsenenalter fortsetzen und welche Mechanismen dahinterstehen.
Internationale Daten über den gesamten Lebensverlauf
Für das Projekt wertet Reuter gemeinsam mit seinem Team Daten aus sechs großen Langzeitstudien aus Deutschland, den USA, den Niederlanden, der Schweiz, Südkorea und Australien aus. Die Datensätze umfassen rund 288.000 Personen und mehr als 2,3 Millionen Beobachtungen. Der internationale Vergleich soll zeigen, wie gesellschaftliche und institutionelle Rahmenbedingungen den Zusammenhang zwischen Studien- oder Ausbildungsfach und Gesundheit beeinflussen.
Das Projekt soll nicht nur Grundlagenforschung voranbringen, sondern auch neue Erkenntnisse für Bildungs-, Gesundheits- und Sozialpolitik liefern. „Ein besseres Verständnis der Zusammenhänge kann dazu beitragen, gesundheitliche Ungleichheiten früher zu erkennen“, sagt Reuter. „Langfristig kann dies helfen, wirksamere Präventions- und Unterstützungsmaßnahmen zu entwickeln.“
Weitere Informationen für Medienvertreterinnen und -vertreter:
Kontakt für inhaltliche Rückfragen: Prof. Dr. Marvin Reuter Juniorprofessur für Soziologie, insbesondere Arbeit und Gesundheit Tel.: 0951/863-3076 marvin.reuter@uni-bamberg.de
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