Alle Storys
Folgen
Keine Story von Universität Konstanz mehr verpassen.

Universität Konstanz

Grenzgänger*innen und Zugezogene: Neue Erkenntnisse zur Akzeptanz von Arbeitsmigration, PI Nr.18/2026

Grenzgänger*innen und Zugezogene: Neue Erkenntnisse zur Akzeptanz von Arbeitsmigration, PI Nr.18/2026
  • Bild-Infos
  • Download

Ein Dokument

Grenzgänger*innen und Zugezogene: Neue Erkenntnisse zur Akzeptanz von Arbeitsmigration

Eine neue Studie des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“ (Universität Konstanz) und der Universität Luzern zeigt: Ansässige ausländische Arbeitskräfte genießen eine höhere Akzeptanz unter der einheimischen Bevölkerung als Grenzgänger*innen – obwohl beide Gruppen in vergleichbarer Weise auf dem Arbeitsmarkt mit Einheimischen konkurrieren. Ausschlaggebend für diese Unterschiede sind weniger ökonomische Faktoren als vielmehr die Wahrnehmung von Teilhabe und Fairness, die auch durch Fehlinformation beeinflusst wird.

Die Schweiz ist ein beliebtes Ziel für Arbeitsmigration. Ende 2024 arbeiteten laut dem Schweizer Bundesamt für Statistik rund 400.000 Grenzgänger*innen in der Schweiz – also Personen, die im Ausland wohnen und täglich zur Arbeit pendeln. Demgegenüber stehen etwa 1,9 Millionen ausländische Arbeitskräfte, die dauerhaft in der Schweiz leben und arbeiten. Eine Studie, die kürzlich im American Journal of Political Science (AJPS) erschienen ist, zeigt: Ansässige ausländische Arbeitskräfte werden als Mitglieder der Gesellschaft deutlich positiver bewertet als Grenzgänger*innen, obwohl beide Gruppen gleichermaßen mit der einheimischen Bevölkerung um Arbeitsplätze konkurrieren.

In einer repräsentativen Befragung der Schweizer Stimmbevölkerung verglichen die Autorinnen gezielt Grenzgänger*innen und ansässige ausländische Arbeitskräfte, um zu untersuchen, ob Ablehnung eher aus Angst vor Jobverlust oder aus Fairnessüberlegungen entsteht. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Einstellungen zur Arbeitsmigration weniger von ökonomischer Konkurrenz als von der Frage geprägt sind, wer als Teil der Gesellschaft wahrgenommen wird“, erklärt Gabriele Spilker, Professorin für Globale Ungleichheit und Co-Sprecherin des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz. Entscheidender sei vielmehr, ob Menschen als Mitgestalter*innen des gesellschaftlichen Lebens gelten.

Ein zusätzliches Experiment bestätigt diese Befunde. Der Wohnort – also Leben in der Schweiz versus Pendeln aus dem benachbarten Ausland – ist der stärkste Faktor für die Akzeptanz ausländischer Arbeitskräfte. Dieser Effekt zeigt sich unabhängig von beruflicher Qualifikation, Alter oder Herkunft. Dabei spielt Fehlinformation eine zentrale Rolle, wie Lena Maria Schaffer, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Luzern, ergänzt: „Viele Befragte empfinden es als unfair, dass Grenzgänger*innen hohe Schweizer Löhne beziehen, aber in Ländern mit niedrigeren Lebenshaltungskosten wohnen. Wird jedoch klargestellt, dass sie ihren Lohn versteuern müssen und keinen Anspruch auf Schweizer Arbeitslosenleistungen haben, verbessert sich ihr Ansehen deutlich.“

Die Studienergebnisse stellen damit zentrale Annahmen migrationspolitischer Debatten infrage – nicht nur in der Schweiz, sondern auch darüber hinaus. Nicht Arbeitsmarktkonkurrenz allein, sondern normative Vorstellungen von Fairness und gesellschaftlicher Teilhabe prägen die Einstellungen gegenüber Arbeitsmigration. Transparente Information und Kommunikation über Rechte, Pflichten und tatsächliche Beiträge von Grenzgänger*innen könnten dazu beitragen, Spannungen in Grenzregionen abzubauen und die Akzeptanz dieser Form von Arbeitsmobilität zu erhöhen.

Faktenübersicht

  • Originalpublikation: Schaffer, L. M.; Spilker, G. (2026): Migrating to stay or commuting to work? How fairness perceptions and exposure shape attitudes toward labor migration. American Journal of Political Science. DOI: https://doi.org/10.1111/ajps.70034
  • Methodik: Die Studie basiert auf einer repräsentativen Online-Befragung von rund 4.000 Schweizer Stimmberechtigten. Mithilfe zweier Survey-Experimente wird untersucht, wie Informationen, die tatsächliche Präsenz ausländischer Arbeitskräfte vor Ort und ihr Wohnort die Einstellungen gegenüber Grenzgänger*innen und ansässigen Ausländer*innen beeinflussen.
  • Über die Autorinnen:
    1. Lena Maria Schaffer ist Professorin für Internationale und Transnationale Politik an der Universität Luzern.
    2. Gabriele Spilker ist Professorin für Internationale Politik und Globale Ungleichheit an der Universität Konstanz und Co-Sprecherin des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“.
  • Der Exzellenzcluster „ The Politics of Inequality” an der Universität Konstanz erforscht aus interdisziplinärer Perspektive die politischen Ursachen und Folgen von Ungleichheit. Die Forschung widmet sich einigen der drängendsten Themen unserer Zeit: Zugang zu und Verteilung von (ökonomischen) Ressourcen, der weltweite Aufstieg von Populisten*innen, Klimawandel und ungerecht verteilte Bildungschancen.

Hinweis an die Redaktionen

Bilder können im Folgenden heruntergeladen werden:

  • Lena Maria Schaffer Bildunterschrift: Lena Maria Schaffer, Professorin für Internationale und Transnationale Politik an der Universität Luzern. Foto: Markus Forte.
  • Gabriele Spilker Bildunterschrift: Gabriele Spilker, Professorin für Internationale Politik und Globale Ungleichheit an der Universität Konstanz und Co-Sprecherin des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“. Foto: Ines Janas.
Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
E-Mail:  kum@uni-konstanz.de

- uni.kn

Weitere Storys: Universität Konstanz
Weitere Storys: Universität Konstanz