Demokratie-Monitor 2026: Rechtspopulistisches Weltbild bei 17 Prozent der Deutschen
PRESSEMITTEILUNG DER UNIVERSITÄT HOHENHEIM
Demokratie-Monitor 2026:
Rechtspopulistisches Weltbild bei 17 Prozent der Deutschen
Anteil bleibt gegenüber dem Vorjahr stabil / In der AfD-Anhängerschaft sind dies sogar 78 Prozent, so die jährliche bundesweite Umfrage der Universität Hohenheim.
Etwa ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland glaubt an einen Einfluss „geheimer Mächte“ auf die Politik. Gut ein Fünftel ist davon überzeugt, Massenmedien würden die Bevölkerung „systematisch belügen“. Die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung wächst, und das befördert Rechtspopulismus, so der diesjährige Demokratie-Monitor der Universität Hohenheim in Stuttgart. Der Kommunikations- und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Frank Brettschneider analysierte dafür in einer repräsentativen Umfrage Rechtspopulismus, Verschwörungserzählungen, Demokratiezufriedenheit und Vertrauen in politische Institutionen. Im Auftrag der Forschenden befragte forsa im August 2026 insgesamt 4.059 Bundesbürger:innen ab 16 Jahren.
„Rechtspopulisten verwenden immer wieder die gleichen Erzähl-Elemente“, beobachtet Prof. Dr. Frank Brettschneider und zählt auf: „1. Es gibt einen einheitlichen ‚Volkswillen‘. 2. Dieser wird von inneren und äußeren Mächten unterdrückt. 3. Zu den inneren Mächten zählen die politischen Eliten und die Massenmedien. 4. Zu den äußeren Mächten zählen die EU, die Globalisierung und der Islam. Oft werden auch Verschwörungserzählungen eingebaut.“
Um das Ausmaß zu bestimmen, mit dem ein rechtspopulistisches Weltbild in der Bevölkerung verbreitet ist, wurden den Befragten 18 Aussagen vorgelegt. Einige davon enthielten Verschwörungserzählungen. Die Befragten sollten angeben, wie stark sie diesen Aussagen zustimmen oder wie stark sie sie ablehnen.
17 Prozent mit rechtspopulistischem Weltbild
Das Ergebnis: 17 Prozent der Befragten haben ein rechtspopulistisches Weltbild, so Prof. Dr. Brettschneider: „Bei acht Prozent der Befragten findet sich ein sehr starker Grad an Populismus, bei neun Prozent ein starker Grad.“ Damit liegt der Anteil auf dem Niveau der Jahre 2025 und 2024. Doch die Grenze verschiebt sich: Gewachsen ist der Anteil derjenigen, die an der Schwelle zu einem populistischen Weltbild stehen.
Unterschiede zeigen sich unter anderem zwischen Ost und West: Im Osten Deutschlands sei der Anteil der Befragten mit einem populistischen Weltbild etwas höher (21 %) als im Westen (16 %). Auch Bildung und Alter spielen eine Rolle. Je höher die formale Bildung der Befragten, desto geringer sei der Anteil derjenigen, die über ein populistisches Weltbild verfügen. Am höchsten sei der Anteil bei den 45- bis 59-jährigen Männern (25 %), am niedrigsten bei den 16- bis 29-jährigen Frauen (8 %).
Am größten fällt der Unterschied zwischen den Anhängerschaften von AfD und Grünen aus: „78 Prozent der AfD-Anhängerschaft haben ein populistisches Weltbild. Bei der Anhängerschaft der Grünen ist es ein Prozent“, so der Politikwissenschaftler. Dass es gerechtfertigt sei, überwiegend von „Rechtspopulismus“ zu sprechen, zeige ein Blick auf die politische Selbsteinschätzung: Denn unter den Befragten, die sich politisch selbst als stark rechts einstufen, beträgt der Populismus-Anteil 56 Prozent. Bei den Befragten, die sich politisch selbst als stark links einstufen, liegt der Anteil bei fünf Prozent.
„Geheime Mächte“, „Lügen“ und „Betrug“
Verschwörungserzählungen finden weiterhin bei einem beträchtlichen Teil der Bevölkerung Zustimmung. Etwa ein Viertel der Befragten glaubt, dass Politik in Deutschland von „geheimen Mächten“ gesteuert werde. Sie stimmen der folgenden Aussage zu: „Es gibt geheime Organisationen, die großen Einfluss auf politische Entscheidungen haben.“ Und 25 Prozent stimmen der Aussage zu: „Politiker und andere Führungspersönlichkeiten sind nur Marionetten dahinterstehender Mächte.“ 16 Prozent meinen sogar: „Unser Land gleicht inzwischen mehr einer Diktatur als einer Demokratie.“ In Ostdeutschland meinen das 21 Prozent der Befragten.
Deutlich zugenommen haben die Aussagen, die die politische Elite negativ sehen. So sind inzwischen 31 Prozent der Befragten der Meinung, die Regierenden „betrügen das Volk“ (2025 waren es noch 24 %). In Ostdeutschland stimmen sogar 38 Prozent dieser Aussage zu. 29 Prozent der Befragten meinen: „Die Regierung verschweigt der Bevölkerung die Wahrheit“ (2025: 25 %).
Stark gestiegen ist die Zustimmung zu zwei Aussagen, die inzwischen von mehr als der Hälfte der Befragten geteilt werden und die nicht zwingend populistisch sind, jedoch von Populisten häufig aufgegriffen werden: „Politiker nehmen sich mehr Rechte heraus als normale Bürger“ glauben 64 Prozent der Befragten (2025: 53 %). „Die Politiker kümmern sich nicht viel darum, was Leute wie ich denken“ empfinden 57 Prozent der Befragten als zutreffend (2025: 49 %).
Auch gegenüber den Medien ist das Misstrauen ausgeprägt. „Rechtspopulisten richten sich nicht nur gegen politische Parteien und deren Vertreterinnen und Vertreter, sie diffamieren auch die Massenmedien“, sagt Professor Brettschneider. 23 Prozent der Befragten unterstellen den Massenmedien Manipulation, und 22 Prozent meinen: „Die Bevölkerung in Deutschland wird von den Medien systematisch belogen.“ Aber: Um die 60 Prozent teilen diese Ansichten nicht. Besonders stark ausgeprägt ist das Misstrauen gegenüber den klassischen Massenmedien in Ostdeutschland, stellt der Experte fest. Menschen mit populistischem Weltbild nutzen die klassischen Massenmedien Zeitungen, Radio und Fernsehen unterdurchschnittlich oft, um sich politisch zu informieren. Dafür nutzen sie Social-Media-Plattformen überdurchschnittlich oft.
Doomscrolling: „Miese Lage“, „Pessimismus“ und „verklärende Nostalgie“
Bemerkenswert findet Prof. Dr. Brettschneider ein weiteres Ergebnis: „Menschen mit einem populistischen Weltbild beurteilen die Lebensqualität in ihrem Bundesland deutlich schlechter als alle anderen. Sie blicken auch weniger optimistisch in ihre persönliche Zukunft. Und sie glauben überdurchschnittlich oft, dass früher alles viel besser war.“
Einen möglichen Zusammenhang sieht der Wissenschaftler auch mit der häufigen Nutzung sozialer Medien. „Auf einigen Social-Media-Kanälen überwiegen negative Meldungen. Sie verbreiten Weltuntergangs-Stimmung. Und wer sich dann – durch Algorithmen gesteuert – dem Doomscrolling hingibt, glaubt irgendwann, die Welt sei dem Untergang geweiht“, so der Experte.
Demokratiezufriedenheit sinkt auf Bundesebene – Kommunen genießen weiterhin Vertrauen
Die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie hat auf Bundesebene weiter abgenommen. Nur noch 39 Prozent der Befragten sind zufrieden (2025: 44 %; 2024: 53 %). Auf Landesebene liegt die Zustimmung bei 51 Prozent, auf kommunaler Ebene hingegen bei 59 Prozent. „Die kommunale Ebene erweist sich als stabile Stütze der Demokratie“, sagt Professor Brettschneider. Gleichzeitig gilt: Je stärker das rechtspopulistische Weltbild ausgeprägt ist, desto größer ist die Unzufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie – und zwar unabhängig davon, ob die Befragten die Bundes-, Landes- oder kommunale Ebene betrachten.
Als einen wichtigen Treiber des Populismus macht Prof. Dr. Brettschneider die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung aus. Lediglich sieben Prozent der Befragten sind mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden, 65 Prozent äußern sich unzufrieden und 28 Prozent antworten mit „teils/teils“. „Nicht alle Unzufriedenen werden zu Populisten, aber die Unzufriedenheit erleichtert Populisten ihre Arbeit“, meint Prof. Dr. Brettschneider.
So erodiere auch das Vertrauen in die Bundesregierung. 57 Prozent der Befragten geben an, ihr zu misstrauen – nach 44 Prozent vor einem Jahr. Nur noch 21 Prozent sprechen der Bundesregierung ihr Vertrauen aus. 2025 waren es 32 Prozent.
Das größte Vertrauen genießen Wissenschaft, Polizei und Gerichte. Am unteren Ende der Vertrauensskala stehen neben der Bundesregierung das Europäische Parlament, die politischen Parteien und Social-Media-Plattformen. Dabei zeigt sich ein klarer Zusammenhang mit dem rechtspopulistischen Weltbild: Je stärker dieses ausgeprägt ist, desto größer ist auch das Misstrauen gegenüber den Institutionen: Aus der Gruppe mit dem stärksten rechtspopulistischen Weltbild misstrauen 49 Prozent der Wissenschaft, 88 Prozent dem Fernsehen und 92 Prozent den politischen Parteien.
HINTERGRUND: Demokratie-Monitoring der Universität Hohenheim
Seit 2021 führt forsa im Auftrag von Prof. Dr. Frank Brettschneider jährlich eine repräsentative Umfrage zum Demokratie-Verständnis der Bevölkerung durch. Die Ergebnisse sind auf Bundes- und auf Landesebene (Baden-Württemberg) repräsentativ. Bei einem Teil der Fragen setzt die Studie jedes Jahr einen anderen Schwerpunkt.
Weitere Informationen
Aktuelle Studie 2026: https://t1p.de/demokratie-monitor-2026_1
Demokratie-Monitoring 2025: https://t1p.de/demokratie-monitoring_2025
Demokratie-Monitoring 2024: https://t1p.de/demokratie-monitoring_2024
Demokratie-Monitoring 2023: https://t1p.de/demokratie-monitoring_2023
Demokratie-Monitoring 2022: https://t1p.de/demokratie-monitoring_2022
Demokratie-Monitoring 2021: https://t1p.de/demokratie-monitoring_2021
Kontakt für Medien
Prof. Dr. Frank Brettschneider, Universität Hohenheim, Fachgebiet für Kommunikationswissenschaft insb. Kommunikationstheorie
+49 (0)711 459 24030, frank.brettschneider@uni-hohenheim.de
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