Lungenkrebs-Früherkennung: Arbeitsmedizin verbindlich einbinden
Bonn (ots)
Anlässlich der Nationalen Krebspräventionswoche fordert der VDBW gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe, Betriebsärztinnen und Betriebsärzte stärker in die neu eingeführte Lungenkrebs-Früherkennung einzubinden. Sie erreichen anspruchsberechtigte starke Raucherinnen und Raucher niedrigschwellig, sind jedoch aufgrund gesetzlicher Regelungslücken im Praxisalltag bislang weitgehend ausgeschlossen. Krebsfrüherkennung ist Thema der diesjährigen Nationalen Krebspräventionswoche: Unter dem Motto "Lass mal checken!" informieren die drei großen Krebsorganisationen Deutschlands - die Deutsche Krebshilfe, das Deutsche Krebsforschungszentrum und die Deutsche Krebsgesellschaft - mit Unterstützung des VDBW Menschen am Arbeitsplatz über die Möglichkeiten sowie Vor- und Nachteile der Untersuchungen der gesetzlichen Krankenkassen.
Rund eine halbe Million Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr neu an Krebs. Fachleute gehen davon aus, dass etwa 40 Prozent aller Krebserkrankungen durch eine gesunde Lebensweise vermieden werden könnten. Zugleich gilt: Je früher eine Krebserkrankung erkannt wird, desto größer sind in vielen Fällen die Chancen auf eine erfolgreiche und weniger belastende Behandlung.
Unter dem Motto "Lass mal checken!" rückt die Nationale Krebspräventionswoche vom 21. bis 27. September 2026 daher die gesetzliche Krebsfrüherkennung in den Mittelpunkt. Die gemeinsame Initiative der Deutschen Krebshilfe, des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Deutschen Krebsgesellschaft informiert über bestehende Untersuchungsangebote und unterstützt Menschen dabei, deren Nutzen und mögliche Risiken fundiert einzuordnen.
Die Deutsche Krebshilfe und der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e. V. (VDBW) setzen sich gemeinsam dafür ein, die Beratung zu Prävention und Früherkennung von Krebserkrankungen stärker in der Lebenswelt Arbeit zu verankern. Denn über den Arbeitsplatz können viele Menschen im Erwerbsalter erreicht werden - darunter auch Beschäftigte, die Angebote des Gesundheitswesens sonst nur selten nutzen.
Arbeitsmedizin schafft niedrigschwellige Zugänge
Betriebsärztinnen und Betriebsärzte kennen die Arbeitsbedingungen und mögliche berufliche Gesundheitsgefährdungen. Sie beraten Arbeitgeber zu wirksamen Schutzmaßnahmen, unterstützen die gesundheitsförderliche Gestaltung der Arbeit und stehen Beschäftigten als unabhängige, ärztlicher Schweigepflicht unterliegende Ansprechpersonen zur Verfügung. Damit können sie sowohl zur Vermeidung arbeitsbedingter Krebsrisiken als auch zur allgemeinen Gesundheitskompetenz beitragen.
"Der Arbeitsplatz ist einer der wenigen Orte, an denen wir einen großen Teil der erwachsenen Bevölkerung regelmäßig erreichen können. Betriebsärztinnen und Betriebsärzte und ihre Teams verbinden dabei die individuelle Beratung mit dem Blick auf die betrieblichen Verhältnisse. Sie können Risiken einordnen, verständlich über Prävention und Früherkennung informieren und bei Bedarf den Weg in die weitere medizinische Versorgung weisen", erklärt Susanne Liebe, Präsidentin des VDBW. "Mein Appell an die Beschäftigten lautet deshalb: Nehmen Sie angebotene arbeitsmedizinische Vorsorge wahr und nutzen Sie bei arbeitsbezogenen gesundheitlichen Fragen Ihr Recht auf Wunschvorsorge. Informieren Sie sich unabhängig davon auch über die für Sie infrage kommenden gesetzlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen."
Arbeitsmedizinische Vorsorge ist dabei von der gesetzlichen Krebsfrüherkennung durch Haus- und Fachärztinnen und -ärzte zu unterscheiden: Sie ersetzt keine Früherkennungsuntersuchung, kann aber einen vertraulichen Rahmen bieten, um berufliche und persönliche Risiken anzusprechen, Fragen zu klären und auf geeignete Angebote hinzuweisen.
Langjährige Raucherinnen und Raucher besser erreichen
Die seit 1. April 2026 angebotene Lungenkrebs-Früherkennung mittels Niedrigdosis-Computertomografie zeigt zugleich eine Regelungslücke: Die strahlenschutzrechtliche Lun-genkrebs-Früherkennungs-Verordnung berücksichtigt die Arbeitsmedizin fachlich ausdrücklich. In der GKV-Umsetzung können Beratung, Bericht und Überweisung zur Radiologie jedoch nur von an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Fachärztinnen und Fachärzten für Allgemeinmedizin oder Innere Medizin erbracht werden. Der VDBW fordert daher mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe, entsprechend qualifizierte Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmediziner rechtlich und vertraglich abgesichert sowie angemessen vergütet einzubinden.
Tabakrauchen ist ein bedeutender Risikofaktur für das Entstehen von Tumoren der Lunge. Lungenkrebs gehört mit rund 58.000 Neuerkrankungen pro Jahr zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Er verursacht meist spät Symptome und wird in der Regel erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt. Vier von fünf erkrankten Männern und drei von vier erkrankten Frauen versterben innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose an den Folgen ihrer Erkrankung.
"Krebsprävention, wie etwa Rauchstopp-Programme, und Früherkennung müssen die Menschen in ihren Lebenswelten erreichen. Der Arbeitsplatz bietet dafür besonders gute Möglichkeiten. Gemeinsam mit dem VDBW wollen wir Beschäftigte verlässlich und verständlich informieren und sie dabei unterstützen, ihre persönlichen Risiken einzuordnen und eine informierte Entscheidung über die gesetzlichen Krebsfrüherkennungsangebote zu treffen. Gerade bei der Lungenkrebs-Früherkennung sollten Hürden durch unnötige Versorgungsschwellen abgebaut und qualifizierte Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmediziner verlässlich einbezogen werden", sagt Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe.
Aktionsangebote für Betriebe und arbeitsmedizinische Teams
Für die Krebspräventionswoche stellen die drei beteiligten Krebsorganisationen Betrieben und Unternehmen ein kostenfreies Baukastensystem mit Informations- und Aktionsmodulen zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem Checklisten für die Durchführung betrieblicher Aktionen, Informationsmaterialien, Plakate, Präsentationen für Vorträge sowie Hinweise auf ergänzende Angebote.
Vom 21. bis 25. September finden zudem täglich von 12:00 bis 12:45 Uhr digitale Expertinnen- und Experten-Talks zu verschiedenen Bereichen der Krebsfrüherkennung statt. Die Aufzeichnungen können anschließend für die betriebliche Kommunikation und Gesundheitsförderung genutzt werden.
Der VDBW begleitet die Aktionswoche mit einer eigenen Folge seines Podcasts "Arbeit trifft Gesundheit" zur Krebsprävention und -früherkennung (http://www.vdbw.de/podcast), er informiert und motiviert über seine Website sowie seine verbandsinternen Medien. Betriebe und arbeitsmedizinische Teams sind aufgerufen, die bereitgestellten Materialien zu nutzen, Beschäftigte evidenzbasiert zu informieren und ihnen die Teilnahme an den Angeboten zu ermöglichen.
Weitere Informationen und Materialien stehen unter www.krebspraeventionswoche.de zur Verfügung.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten gemeinsam gegen KrebsDie Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Krebshilfe und dem VDBW begann bereits 2004. Seitdem bringen beide Organisationen ihre Kompetenzen regelmäßig zusammen, um Krebsprävention, Früherkennung und den Umgang mit Krebserkrankungen in der Arbeitswelt voranzubringen. Die Deutsche Krebshilfe stellt Betriebsärztinnen und -ärzten unter anderem fachlich fundierte und wirtschaftlich unabhängige Informationsmaterialien zur Verfügung und setzt beim jährlichen Deutschen Betriebsärzte Kongress mit einem Satellitensymposium wichtige fachliche Impulse.
Beim 42. Deutschen Betriebsärzte Kongress vom 21. bis 24. Oktober 2026 in Mainz wird diese Zusammenarbeit fortgesetzt: Am 22. Oktober von 13:00 bis 15:00 Uhr widmet sich das "Satellitensymposium der Deutschen Krebshilfe - Gut vernetzt gegen Krebs" der Frage, wie unter-schiedliche Akteure besser zusammenwirken können, um Menschen mit individuellen Krebsrisiken angemessen zu informieren, zu begleiten und zu versorgen.
Weitere Informationen zum Kongress und zum Satellitensymposium: kongress.vdbw.de/programm-vortraege
Über die Deutsche Krebshilfe
Die Deutsche Krebshilfe wurde 1974 von Dr. Mildred Scheel gegründet. Unter dem Motto "Helfen. Forschen. Informieren." fördert sie Projekte zur Verbesserung der Prävention, Früherkennung, Diagnose und Therapie von Krebs, der medizinischen Nachsorge und psychosozialen Versorgung, einschließlich der Krebs-Selbsthilfe. Ihre Aktivitäten finanziert die gemeinnützige Organisation ausschließlich aus Spenden und freiwilligen Zuwendungen.
Über den VDBW
Der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e. V. (VDBW) ist der größte arbeitsmedizinische Fachverband Europas. Seit 1949 setzt er sich für die gesundheitsförderliche Gestaltung von Arbeit, die Qualität der arbeitsmedizinischen Versorgung und die berufspolitischen Interessen seiner über 4.400 Mitglieder ein.
Pressekontakt:
Deutsche Krebshilfe
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Buschstr. 32
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Telefon: 02 28/7 29 90-96
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Dr. med. Vera Stich-Kreitner
Pressesprecherin
Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e. V.
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