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Der Schmerz, den viele zu lange aushalten

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Starke Regelschmerzen gelten noch immer häufig als „normal“. Für viele Frauen sind sie jedoch Ausdruck einer chronischen Erkrankung: Endometriose. Bis die Diagnose gestellt wird, vergehen oft Jahre – Jahre voller Schmerzen, Unsicherheit und dem Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Aus ihrer langjährigen Erfahrung in der Begleitung von Frauen mit Endometriose weiß Expertin Ira Beliczey, wie belastend dieser Weg für viele Betroffene ist. Gleichzeitig zeigt die aktuelle S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Endometriose: Auch Osteopathie kann als ergänzende Behandlungsoption Teil eines multimodalen Therapiekonzepts sein.

Nicht die Diagnose ist das größte Problem – sondern der lange Weg dorthin. Genau das erlebt Ira Beliczey, spezialisiert auf Frauenosteopathie und Kooperationspartnerin des Endometriosezentrums Münster, seit vielen Jahren immer wieder. „Schwere Verläufe haben nicht alle Patientinnen“, sagt sie. „Aber diejenigen, die davon betroffen sind, haben häufig eine lange Leidensgeschichte hinter sich.“

Viele Frauen hätten zu diesem Zeitpunkt ihre berufliche Situation verändert, soziale Aktivitäten eingeschränkt oder ihren Alltag vollständig nach den Schmerzen ausgerichtet. Manche könnten aufgrund der Beschwerden nicht mehr Vollzeit arbeiten, andere hätten bereits zahlreiche Therapien ausprobiert. Hinzu kämen Sorgen um einen unerfüllten Kinderwunsch oder belastende Nebenwirkungen hormoneller und medikamentöser Behandlungen.

Besonders beschäftigt Beliczey jedoch etwas anderes: „Viele Patientinnen berichten, dass sie über Jahre nicht ernst genommen wurden.“ Gerade diese Zeit bis zur Diagnose sei für viele Frauen besonders belastend.

Osteopathie als ergänzender Baustein der Behandlung

Endometriose lässt sich auf unterschiedliche Weise behandeln – je nach Ausprägung der Erkrankung beispielsweise medikamentös, hormonell und/oder operativ. Ergänzend dazu kann Osteopathie Teil eines umfassenden Behandlungskonzepts sein. Auch die aktuelle S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Endometriose greift das Thema auf. Darin wird Osteopathie als ergänzende Behandlungsoption aufgeführt.

„Die Schmerzen entstehen oft nicht nur durch die Endometriose-Herde selbst, sondern durch Spannungen und Veränderungen im Bauch- und Beckenraum“, erklärt Beliczey. „Die Osteopathie setzt genau dort an: Mit manuellen Techniken können wir beispielsweise die Beweglichkeit von Gewebe- und Organstrukturen unterstützen. Ziel ist es, die Patientin in jeder Phase individuell zu begleiten.“

Gerade weil Endometriose so komplex ist, braucht sie verschiedene therapeutische Bausteine. Osteopathie kann so ein ergänzender Bestandteil eines individuellen Behandlungskonzepts sein und Patientinnen dabei unterstützen, besser mit ihren Beschwerden umzugehen.

Nicht erst auf die Diagnose warten

Nach Erfahrung der Expertin suchen viele Frauen teilweise erst dann osteopathische Unterstützung auf, wenn die Diagnose bereits gestellt wurde – meist nach einem langen Leidensweg. Aus ihrer Sicht könnte eine frühere Begleitung sinnvoll sein.

„Man muss nicht auf die Diagnose warten, um Beschwerden ernst zu nehmen“, sagt Beliczey. Gerade bei starken Menstruationsschmerzen könne eine frühzeitige osteopathische Behandlung sowie eine Beratung zu begleitenden Maßnahmen dazu beitragen, den Körper zu unterstützen und den Leidensdruck zu reduzieren.

Voraussetzung sei allerdings, dass die Behandlung von entsprechend qualifizierten Osteopathinnen und Osteopathen durchgeführt werde, die Erfahrung im Bereich gynäkologischer Beschwerdebilder besitzen.

Unterstützung vor und nach einer Operation

„Viele Patientinnen werden nach der Operation entlassen und sind mit ihren Schmerzen zunächst auf sich allein gestellt“, berichtet Beliczey. Genau in dieser Phase sieht sie eine wichtige Rolle der Osteopathie: Sie kann die postoperative Phase begleiten, die Beweglichkeit des Gewebes unterstützen und bereits vor einer Operation dazu beitragen, Spannungen im Bauch- und Beckenbereich zu reduzieren.

Zuhören, ernst nehmen, begleiten

Für Ira Beliczey ist deshalb besonders wichtig, dass starke Regelschmerzen nicht als Selbstverständlichkeit abgetan werden. „Wenn junge Frauen mit solchen Beschwerden in die Praxis kommen, sollte immer auch an Endometriose gedacht werden“, betont sie. Denn hinter den Schmerzen könne sich eine Erkrankung verbergen, die das Leben der Betroffenen über Jahre beeinflusst.

Gerade die Geschichten von Frauen mit schweren Verläufen beschäftigen sie sehr: „Manchmal sitzt man vor einer jungen Frau und hört ihre Geschichte – und muss fast mitweinen, weil man merkt, wie sehr diese Erkrankung ihre Biografie verändert hat.“

Umso wichtiger sei es, Betroffene frühzeitig ernst zu nehmen und ihnen eine individuelle Begleitung anzubieten. „Keine Frau sollte jahrelang mit starken Schmerzen leben müssen, ohne dass nach der Ursache gesucht wird“, sagt Ira Beliczey. „Wenn Endometriose früh erkannt wird und Patientinnen die passende Unterstützung erhalten, kann das einen entscheidenden Unterschied machen.“

Infokasten: Was ist Endometriose?

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter ansiedelt. Diese Gewebeherde können Entzündungen, Verwachsungen und starke Schmerzen verursachen. Schätzungen zufolge sind allein in Deutschland zwei bis vier Millionen Frauen betroffen.

Typische Beschwerden sind:

  • starke Menstruationsschmerzen
  • chronische Unterbauch- und Beckenschmerzen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang
  • unerfüllter Kinderwunsch

Da die Symptome unterschiedlich ausgeprägt sein können und häufig anderen Ursachen zugeschrieben werden, dauert es oft viele Jahre, bis Endometriose diagnostiziert wird.

Tipp: Wer gezielt nach Osteopathinnen und Osteopathen mit einer Qualifikation bei frauenspezifischen Beschwerdebildern sucht, kann in der Therapeutensuche des bvo nach dem Qualitätssiegel „Frauenosteopathie“ filtern. Fragen Sie Ihre Therapeutin bzw. Ihren Therapeuten auch direkt nach Erfahrungen mit gynäkologischen Beschwerdebildern.

Im bvo-Podcast „Nachgefragt…“ greifen Expertinnen und Experten regelmäßig Themen rund um Osteopathie, Gesundheit und häufige Beschwerdebilder auf. ► bit.ly/BVO-Podcast.

Weitere Informationen für Ihre Leser oder zur Themenanregung finden Sie in unserem Blog „Osteopathie News“ ► bit.ly/BVO-Blog.

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Pressekontakt:

Jacqueline Damböck

presse@bv-osteopathie.de

Anschrift:

Bundesverband Osteopathie e.V. – bvo

Markgrafenstr. 39

95680 Bad Alexandersbad

Tel.: 09232 88 12 624

www.bv-osteopathie.de | Social Media: @bvo.osteopathie

Christine Berek, 1. Vorsitzende | Vereinsregister Hof Nr. VR 200394

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