Bundesverband Osteopathie e. V. - BVO
Osteopathisches Vorgehen bei Tinnitus
Ein Dokument
Tinnitus zählt zu den häufigen funktionellen Beschwerden im HNO-Bereich und kann unterschiedliche Ursachen haben – von muskuloskelettalen Spannungsmustern über vaskuläre Dysfunktionen bis hin zu psychovegetativen Belastungen. Etwa ein Viertel der Erwachsenen erlebt im Laufe des Lebens Ohrgeräusche, bei rund 10 % bestehen diese dauerhaft. Die Osteopathie kann hier mit ihrem ganzheitlichen Ansatz wertvolle diagnostische und therapeutische Impulse geben. Durch kraniosakrale, myofasziale und neurovaskuläre Techniken werden Spannungen reguliert, die Durchblutung gefördert und vegetative Regulationsmechanismen unterstützt.
Osteopathen betrachten Tinnitus häufig als „somatischen“ Zustand, bei dem muskuloskelettale oder fasziale Dysfunktionen eine Rolle spielen. Besonders die kraniosakrale Therapie wird hier hervorgehoben: Sie zielt darauf ab, Spannungen im Schädel- und Nackenbereich zu lösen und die Beweglichkeit der Strukturen zu verbessern. In Fallberichten zeigte sich, dass osteopathische Behandlungen solcher Funktionsstörungen die Intensität eines somatischen Tinnitus deutlich reduzieren können.
Relevante Strukturen und Befunde
Bei der Untersuchung werden vor allem Halswirbelsäule (HWS) und Kiefergelenk berücksichtigt. Schon der Druck auf bestimmte Nackenmuskeln kann Ohrgeräusche verändern – ein Hinweis auf eine muskuloskelettale Beteiligung. Auch Funktionsstörungen im Bereich der Schädelbasis, der Dura oder des Zwerchfells können über fasziale Spannungen und Durchblutungsveränderungen Einfluss auf das Innenohr nehmen.
Typische osteopathische Techniken umfassen kraniosakrale, viszerale und myofasziale Ansätze. Ziel ist es, Beweglichkeit, Durchblutung und Nervenfunktion zu verbessern und strukturelle Dysfunktionen zu lösen.
Neurovaskuläre Aspekte
Neben muskulären und faszialen Dysfunktionen können auch vaskuläre und neurovaskuläre Faktoren eine Rolle spielen. „In der osteopathischen Behandlung haben wir immer Einfluss auf das vegetative Nervensystem und die Durchblutung“, erklärt bvo-Vorstandsmitglied Godehard Stoll. Spezielle Techniken im Bereich der Halsgefäße – etwa an Plexus brachialis, V. jugularis oder Vagina carotica – fördern die Gefäßmobilität und Mikrozirkulation bis in das Innenohr.
Nach Stolls Erfahrung ist der Tinnitus häufig Folge anderer funktioneller Störungen – etwa von Kiefergelenksbeschwerden, HWS-Problemen oder traumatischen Ereignissen. Eine ausführliche Anamnese ist daher entscheidend, um Zusammenhänge zu erkennen. Auch psychische Belastungen können über eine Aktivierung des Sympathikus zu Gefäßverengungen und damit zu Durchblutungsstörungen führen. „Gerade hier kann die kraniosakrale Arbeit helfen, das vegetative Nervensystem zu beruhigen und die Regulation zu fördern“, so Stoll.
Begleiterkrankungen (Komorbiditäten)
Tinnitus tritt häufig gemeinsam mit Schwindel, Kopfschmerzen oder Migräne auf. Studien zeigen, dass osteopathische Behandlungsansätze, insbesondere kraniosakrale Techniken, positive Effekte auf Gleichgewicht und Schmerzempfinden haben können.
Ganzheitlicher Behandlungsansatz bei Tinnitus
Insgesamt sucht der Osteopath gezielt nach Auffälligkeiten im Kopf-Hals-Bereich und wählt aus einem Spektrum osteopathischer Techniken die passende Herangehensweise. Fallberichte und erste Studien zeigen, dass dieser ganzheitliche Ansatz insbesondere bei funktionellen Ursachen des Tinnitus erfolgversprechend sein kann.
Infokasten
Tinnitus – Daten & Fakten
Tinnitus bezeichnet die Wahrnehmung von Geräuschen wie Pfeifen, Summen oder Rauschen ohne äußere Schallquelle. Medizinisch wird er nicht als eigenständige Erkrankung, sondern als Symptom unterschiedlicher Ursachen betrachtet – etwa von Störungen im Hörsystem, Durchblutungsproblemen, Kiefer- oder Halswirbelsäulenbeschwerden oder psychovegetativen Belastungen. [3, 4] Weltweit leiden rund 14 % der Erwachsenen an Tinnitus, etwa 2 bis 3 % an einer schweren, chronischen Form. [5] In Deutschland berichten 26 % der Erwachsenen, bereits Ohrgeräusche erlebt zu haben. [6, 7] Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit deutlich an. [5, 6]
Die Symptome äußern sich individuell und reichen von leichten Ohrgeräuschen bis zu einem dauerhaften Klingeln, Rauschen oder Zischen. Häufig gehen sie mit weiteren Beschwerden wie Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen, Schwindel, Kopfschmerzen oder einer erhöhten Stressanfälligkeit einher. [4, 8] Ein Tinnitus gilt als chronisch, wenn die Ohrgeräusche länger als drei Monate bestehen. [3] Neben Lärmbelastung und Hörsturz können auch Durchblutungsstörungen, Infektionen oder psychische Faktoren wie Stress eine Rolle spielen, da diese das vegetative Nervensystem beeinflussen und die Wahrnehmung des Tinnitus verstärken können. [4, 8]
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Christine Berek, 1. Vorsitzende | Vereinsregister Hof Nr. VR 200394




