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Schwäbische Zeitung: Maschinen abspecken, Anlagen abrüsten - Kommentar

Ravensburg (ots) - Deutsche Wirtschaftsdelegationen erleben stets das gleiche Ritual, egal ob sie Nordafrika, Arabien oder den fernen Osten bereisen. Respektvoll sprechen Minister und Manager im Ausland von den wunderbaren Waren aus Deutschland. Daimler und Bosch, Porsche und Miele genießen einen erstklassigen Ruf. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Nach drei Sätzen ist es meist vorbei mit der Schwärmerei. Dann heißt es: Alles fantastisch, was Ihr in Deutschland so baut, nur viel zu teuer. So widerfuhr es gerade der Wirtschaftsdelegation aus Baden-Württemberg in Südostasien. Nun könnten die Deutschen solche Einlassungen selbstbewusst vom Tisch wischen mit der Bemerkung: Qualität hat eben ihren Preis. Doch damit zögen sich die deutschen Maschinenbauer und Autohersteller leichtfertig in eine Nische zurück. Das Luxussegment ist zu klein, um Heerscharen deutscher Industriekonzerne, Mittelständler, Lieferanten und Ingenieure auf Dauer zu versorgen. Die großen Geschäfte werden in anderen Preislagen gemacht - dort wo sich Chinesen und Koreaner breitmachen, im Autobau auch die Japaner. Um sich gegen die agile Konkurrenz aus Asien zu behaupten, müssen die Deutschen auch abgespeckte Maschinen, vereinfachte Anlagen und abgerüstete Autos anbieten. Die deutschen Unternehmer müssen die Kunst der Vereinfachung erlernen. Deshalb müssen sie Fabriken in den Schwellenländern errichten und ihre Kunden in Asien und Südamerika besser kennenlernen. Ingenieure aus Brasilien, Indien und Indonesien können den deutschen Entwicklern dabei helfen, hochklassige Maschinen zu vereinfachen, ohne Qualitätsstandards preiszugeben. Raus aus dem schwäbischen Elfenbeinturm, rein in die Fabrikhallen von Bangkok und Jakarta.

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