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Böhmer: Forscherdrang versus Grundwerte - Ethische Aspekte bei Förderung der Bio- und Gentechnologie berücksichtigen

    Berlin (ots) - Zur Entzifferung des menschlichen Erbguts erklärt
die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr.
Maria Böhmer MdB:
    
    Genforscher in Washington, London, Paris, Tokio und Berlin haben
Analysen des menschlichen Erbguts vorgestellt. Dieses Ergebnis des
weltweiten Human-Genom-Projekts unterstreicht: Die Gentechnik und die
Genforschung entwickeln sich weiterhin mit einer unglaublichen
Rasanz. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht über eine weitere
grundlegende Entdeckung in diesem Bereich berichtet wird.
    
    Dank der großen Anstrengungen durch die damalige Bundesregierung -
vor allem durch den Bio-Regio-Wettbewerb - ist die Bundesrepublik
Deutschland in der vergangenen Legislaturperiode zur Nummer 1 in der
Bio- und Gentechnologie in Europa aufgestiegen. Nach dem
Regierungswechsel ist Deutschland aufgrund des Stockens der
Fördermittel zurückgefallen. Lag der deutsche Anteil an dem
weltweiten Human-Genom-Projekt z.B. durch die Forschung in Jena in
den  Jahren 1996 bis 1998 noch bei rund zehn Prozent, konnten
deutsche Forscher aufgrund der verfehlten Forschungspolitik der
rot-grünen Bundesregierung in der entscheidenden zweiten Phase der
Jahre 1998 bis 2000 nicht mehr mithalten: Der deutsche Anteil sank
auf rund zwei Prozent. Demgegenüber stiegen die Forschungsetats in
den Vereinigten Staaten, Großbritannien und auch Frankreich
überproportional.
    
    Die Bundesregierung hat nun endlich die Zeichen der Zeit in der
Bio- und Gentechnologie erkannt. In den kommenden drei Jahren will
sie mit einem Gesamtvolumen von 870 Millionen DM ein nationales
Genomforschungsnetz aufbauen. Zwar muss die Bundesrepublik
Deutschland auch in Zukunft einen Spitzenplatz in der Bio- und
Gentechnologie einnehmen. Allerdings stellt sich in diesem Bereich
die alte Frage mit neuer Qualität: Dürfen wir alles, was technisch
machbar erscheint ? Bei der Bio- und Gentechnologie stoßen wir
Menschen in Grenzbereiche vor. Der Mensch wird nicht mehr nur
Anwender, sondern auch Gegenstand. Es geht um Wissenschaft und
Forschung. Es geht auch um die Hoffnung, eines Tages bisher
unheilbare Krankheiten wirksam bekämpfen zu können. Es ist eine alte
Erfahrung: Wissenschaftliche Neugierde ist die Triebfeder der
Forschung. Zugleich bilden Forscherehrgeiz, Standortfragen und
wirtschaftliche Erwartungen mächtige Triebfedern. Es geht aber vor
allem um unser Menschenbild und unsere ethischen Maßstäbe.
Richtschnur unseres politischen Handelns muss das christliche
Menschenbild und die Unverfügbarkeit und Unveräußerlichbarkeit der
Menschenwürde vom Anfang bis zum Ende menschlichen Lebens sein. Es
ist eine schwierige politische Herausforderung, eine verantwortbare
Balance zwischen Forscherdrang und Markierung ethischer Grenzen zu
halten. Balance und Orientierung sind bei der rot-grünen
Bundesregierung aber überhaupt nicht zu erkennen. Denn wie anders ist
es zu erklären, dass sie in einer Kabinettssitzung einerseits mehr
Offenheit in der humangenetischen Forschung fordert und gleichzeitig
Versuche mit gentechnisch verändertem Saatgut stoppt.
    
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