BDZV - Bundesverb. Dt. Zeitungsverleger

Die Zeitung - als Informationsmedium und Werbeträger die Nummer eins
Gutes Anzeigengeschäft im Westen - schwierige Lage auf dem Leser- und Anzeigenmarkt in Ostdeutschland
Zeitungsverleger warnen vor neuer Debatte um Werbeverbote

    Berlin (ots) - In dem immer härteren Wettbewerb um Mediennutzer
und Werbekunden bleiben Deutschlands Zeitungen erfolgreich. Während
einerseits eine immer stärker nach Zielgruppen orientierte
Aufsplitterung im Medienmarkt stattfände, bleibe die Zeitung "das
Universalmedium für die breite Bevölkerung", erklärte der
Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger
(BDZV), Dr. Volker Schulze, heute bei der Jahrespressekonferenz in
Berlin. Die Zeitungen seien unangefochten das Informations- und
Werbemedium Nummer eins. Die Verlage wollten diese Position weiter
ausbauen - durch Investitionen in das Stammprodukt "gedruckte
Zeitung" und in wachsende Investitionen in neue Geschäftsfelder, vor
allem im Bereich Internet. "Auch die kleineren und mittleren Verlage
sind als Medienunternehmen auf dem Weg in die Zukunft", erklärte
Schulze. Doch könne dieser Weg nur dann weiter verfolgt werden, wenn
die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen stimmten.
    
    Nachhaltig kritisierte der BDZV-Hauptgeschäftsführer noch einmal
das 630-Mark-Gesetz. Noch immer hätten die Verlage wegen der
Auswirkungen des Gesetzes nicht genügend Zusteller; dazu komme ein
komplizierter, teurer Verwaltungsaufwand. Scharfe Kritik übte Schulze
auch an den weiter bestehenden Plänen für die Einführung von
Werbeverboten. Zwar sei die Entscheidung des Europäischen
Gerichtshofes zum Tabakwerbeverbot ein wichtiger Schritt. Von welcher
Dauer sei fraglich, denn der EU-Gesundheitskommissar David Byrne habe
gleich im Anschluss an die Gerichtsentscheidung angekündigt, einen
neuen Richtlinienentwurf vorzulegen, mit dem die Tabakwerbung in
Zeitungen und Zeitschriften untersagt werden solle. Schulze machte
klar, dass es um viel mehr als um das Thema Tabakwerbung gehe. "Auf
dem Spiel stehe die Mündigkeit der Bürger, die Freiheit der
Kommunikation, die Vielfalt der Presse in Europa und hunderttausende
von Arbeitsplätzen."
    
    In seinen Ausführungen zu den politischen Rahmenbedingungen für
die Zeitungsbranche kritisierte BDZV-Hauptgeschäftsführer Schulze den
von einer Expertengruppe vorgelegten Entwurf für ein neues
Urhebervertragsrecht. Erlangte der Entwurf so Gesetzeskraft, würden
die Autoren entmündigt und die Medienunternehmen zwangskollektiviert.
Das bewährte und von der Verfassung vorgegebene Tarifsystem bliebe
auf der Strecke.
    
    An die Adresse der Journalisten-Gewerkschaften, die morgen in
Frankfurt/Main zur zweiten Runde für einen neuen Gehaltstarifvertrag
mit den Zeitungsverlegern zusammenkommen, richtete Schulze den
dringenden Appell "Rücksicht auf die besondere Lage der Zeitungen in
Ostdeutschland zu nehmen". Zwar profitierten die Zeitungen von der
guten Konjunktur und vor allem im Anzeigengeschäft von den
Börsengängen der New Economy, den Werbeoffensiven der
Telekommunikationsunternehmen und der Energiewirtschaft sowie der
Dynamik im Stellenmarkt. Doch die Wirtschaftsdaten für die Branche
seien nur in Westdeutschland günstig; im Osten sei die Entwicklung
"zum Teil verheerend". Mit einem Gesamtumsatz von 34 Mark je Zeitung
pro Monat (Monatsstück) erwirtschafteten die Verlage in
Ostdeutschland 1999 lediglich 60 Prozent des Westniveaus. Die
Anzeigenerlöse im Osten seien im vergangenen Jahr sogar
zurückgegangen und lagen bei lediglich 48 Prozent des Westniveaus.
Überproportional hoch seien auch die Auflagenverluste im Osten.
    
    Aufgrund der günstigen Konjunkturlage haben die Umfänge der
Anzeigen in Tageszeitungen im ersten Halbjahr 2000 im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum um 6,6 Prozent zugenommen. Allerdings ist auch
hierbei ein starkes Ost-West-Gefälle zu verzeichnen (Westdeutschland
+7,2 Prozent, Ostdeutschland +1,3 Prozent).
    
    Zeitungsauflagen leicht rückläufig
    Zwar hätten die Zeitungen insgesamt etwas an Auflage eingebüßt,
doch sei die Situation zumindest in Westdeutschland recht stabil,
erklärte BDZV-Hauptgeschäftsführer Schulze. Die Auflage aller
Zeitungen (Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen) lag im 2. Quartal
2000 bei 30,5 Millionen Exemplaren, dies sind 340.000 Exemplare (-1,1
Prozent) weniger als im Vorjahreszeitraum. Während in den westlichen
Bundesländern 0,8 Prozent weniger Zeitungen als im Vorjahr verkauft
wurden, gab es in Ostdeutschland einen Rückgang von 3,2 Prozent. Die
überregionalen Zeitungen (+0,6 Prozent) legten ebenso zu wie die
Sonntagszeitungen (+0,2 Prozent). Die lokalen/regionalen
Tageszeitungen (-1,5 Prozent), Wochenzeitungen (-0,3 Prozent) und
Kaufzeitungen (-1,7 Prozent) verbuchten leichte Rückgänge. Die
Gesamtauflage der Zeitungen in Deutschland (30,5 Millionen) gliedert
sich in lokale/regionale Abo-Zeitungen (16,6 Millionen),
überregionale Zeitungen (1,7 Millionen), Kaufzeitungen (5,7
Millionen), Sonntagszeitungen (4,5 Millionen) und Wochenzeitungen (2
Millionen).
    
    Umsätze 1999
    Den Umsatz aus Anzeigen/Beilagen und Zeitungsverkauf konnten die
Verlage 1999 im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent von 19,5 auf
19,8 Milliarden Mark steigern. Die Vertriebsumsätze gingen um 1,27
Prozent auf 7,3 Milliarden Mark zurück, das Anzeigen- und
Beilagengeschäft legte um 3,1 Prozent zu. Der Gesamtwerbeumsatz aller
Zeitungsgattungen belief sich 1999 auf 12,5 Milliarden Mark. Davon
entfielen 11,86 (+3,4 Prozent) auf die Tageszeitungen. Die Wochen-
und Sonntagszeitungen kamen auf ein Umsatzplus von 4,8 Prozent (510
Millionen Mark). Die Zeitungs-Supplements mussten einen Einbruch von
21 Prozent hinnehmen und kamen auf einen Anzeigenumsatz von insgesamt
140 Millionen Mark.
    
    Kosten- und Erlösstruktur
    Der Gesamtumsatz aus Zeitungsverkauf und Anzeigengeschäft 1999
gliedert sich in Westdeutschland in 63,8 Prozent Werbeerlöse und 36,2
Prozent Vertriebserlöse. In Ostdeutschland liegt dieses Verhältnis
bei 53,2 Prozent Werbeerlöse und 46,8 Prozent Vertriebsumsatz. Die
Kostenstruktur in Westdeutschland sieht wie folgt aus: Technische
Herstellung 28,4 Prozent (Ostdeutschland: 22,9 Prozent), Papier 8,4
Prozent (8,2 Prozent), Redaktion 21,7 Prozent (26,4 Prozent),
Anzeigen 13,4 Prozent (10,6 Prozent), Vertrieb 19,8 Prozent (21,5
Prozent), Unternehmensleitung/Verwaltung 8,3 Prozent (10,4 Prozent).
    
    
    
    
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