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RNZ: Rhein-Neckar-Zeitung, Heidelberg, zu: Köhler

    Heidelberg (ots) - Horst Köhler hat  die präsidiale Rede wieder in ihre alte  Funktion als säkulare Bergpredigt eingesetzt. Dieser Beitrag mitten in der Krise verlangt Respekt und verdient Gehör. Er bezieht sein Gewicht aus der Würde des überparteilichen Amtes. Insofern wirft er aber auch ungewollt ein Schlaglicht auf das aufgeregte Theater eines Präsidentenwahlkampfes, den Köhlers Mitbewerberin inszeniert. Diese politische Casting-Schau schadet dem Amt und zieht zwangsläufig auch jeden Auftritt Köhlers ungerechterweise in den Verdacht, dem Ziel seiner Wiederwahl zu dienen. Köhler hat, was Ursachen, Verantwortlichkeiten, Folgen und naheliegende Konsequenzen der Finanzkrise betrifft, Klartext gesprochen. Es gibt keine Wirtschaft ohne Moral, keine Freiheit ohne Verantwortung. Es gibt keinen Wohlstand ohne echte, nachhaltige Arbeit. Und die konkrete Krise stellt auch die Frage nach der persönlichen Schuld. Köhler nimmt auch die Politik in die Pflicht. Wer die Krise zur Kulisse des Wahlkampfes macht, der vergeht sich an der Gemeinschaft. Gut gesprochen. Aber dürfen wir im Ernst erwarten, dass jetzt ein Ruck durchs Land geht? Dürfen wir nicht. Auch auf den Ruck, den Roman Herzog mit seiner ersten Berliner Rede lostreten wollte, warten wir noch.

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