BGA Bundesverb. Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V.

BGA: Aufbruchstimmung nach der Schockstarre Auf das Ausnahmejahr 2010 folgt verhaltener Optimismus

Berlin (ots) - "Die deutsche Wirtschaft ist in Aufbruchstimmung. Die Unternehmen haben ihre Schockstarre nach dem wirtschaftlichen Absturz im Vorjahr abgeschüttelt. Derzeit arbeiten sie den schweren Einbruch des Krisenjahres 2009 in atemberaubendem Tempo auf. In einigen Bereichen können wir bereits im nächsten Jahr wieder die Zahlen des Rekordjahres 2008 erreichen und sogar übertreffen." Dies erklärt Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), heute in Berlin anlässlich der Vorstellung der aktuellen Unternehmensbefragung des Verbandes.

Die Stimmung im Großhandel hat sich nochmals kräftig verbessert. Der BGA-Großhandelsindikator ist so gut wie seit drei Jahren nicht mehr. Der Indikator liegt nun mit 132 Punkten klar im positiven Bereich. Er hat zum zweiten Mal zugelegt, und dies um fast 30 Punkte. Er übertrifft das Vorkrisen-Niveau 2008 und liegt nur knapp unter dem Spitzenwert im ersten Halbjahr 2007. Die aktuelle Geschäftslage ist kräftig gestiegen - um 36 Punkte auf 130 Punkte. Die Geschäftserwartungen sind zum dritten Mal in Folge gestiegen - um fast 23 Punkte. Mit fast 134 Punkten erreichen sie einen neuen Spitzenwert und liegen erneut über der aktuellen Lagebewertung. Die Motoren des Aufschwungs liegen sowohl in den außenwirtschaftlichen Impulsen als auch in der binnenwirtschaftlichen Belebung.

Konkret rechnet der BGA im laufenden Jahr 2010 für den Großhandel mit einem verbesserten Umsatzwachstum von rund zehn Prozent nominal und real um 6 ½ Prozent. Für das Gesamtjahr ergibt sich hieraus ein Umsatzvolumen von 790 Milliarden Euro und ist damit wieder auf dem Niveau von 2007. Damit dürfte binnen Jahresfrist etwas mehr als die Hälfte des Einbruchs im Jahr 2009 wieder ausgeglichen sein.

Die Beschäftigung wird nach BGA-Einschätzung im Durchschnitt des Jahres 2010 um etwa 5.000 ansteigen, nachdem die Zahl der Beschäftigten im Krisenjahr 2009 um etwa 40.000 auf 1,12 Millionen gesunken ist.

Auch gesamtwirtschaftlich wird 2010 ein absolutes Ausnahmejahr, das sich so 2011 nicht wiederholen lässt: Der BGA sieht seine optimistische Prognose vom Jahresanfang mit einem Wachstum von drei Prozent im Wesentlichen bestätigt. Er rechnet jedoch damit, dass sich dieser Wert im nächsten Jahr mehr als halbieren wird auf dann 1,25 bis 1,5 Prozent.

"Obwohl wir derzeit besser dastehen als unsere Nachbarn schauen wir nur verhalten optimistisch ins vierte Quartal und ins nächste Jahr 2011. Die Ursache dafür liegt in den Risiken aus den ungelösten Schulden- und Währungsproblemen. Die Krise schwelt weiter. Durch die Rettungsaktionen der EU wurde bislang nur Zeit gekauft. Es gibt berechtigte Zweifel am ernsthaften Sparwillen insbesondere der südeuropäischen Länder. Das Managen der Schuldenkrise und der Abbau der Staatsdefizite sind der einzige Schlüssel für einen lang anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung. Hier sind die wirtschaftlichen Eliten gefordert, dies der Bevölkerung in Europa klarzumachen", so der BGA-Präsident.

Noch immer stehe die Entschärfung der prozyklischen Wirkung von BASEL II an. Gegenwärtig drohe jedoch eine gegenteilige Entwicklung durch die Ausdifferenzierung der Eigenkapitalvorschriften durch BASEL III, kritisiert Börner. Dieses neue Regelwerk sei so wenig transparent und so unverständlich, dass der BGA die nächste Welle erschwerter Finanzierung auf die Unternehmen zu rollen sehe. Tatsache sei, dass die Unternehmen ein schlechtes Rating ihrer Bank mit bezahlten. Auch bei den internationalen Rechnungslegungs-Standards müsse Deutschland sich noch viel stärker einbringen, um nicht noch mehr Terrain zu verlieren, fordert der Verbandschef.

Fast zwei Drittel der Großhändler befürchten, dass es der Bundesregierung nicht mehr gelingt, Wirtschaftsimpulse für einen selbsttragenden Aufschwung zu setzen. 54 Prozent der Unternehmen sehen den Staat auch in der wirtschaftspolitischen Verantwortung über Sparen und Konsolidieren hinaus: Sie plädieren für eine Doppelstrategie aus einer Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit (25 Prozent) - etwa durch die Begrenzung staatlicher Preistreiberei bei den Energie- und Transportkosten - sowie für eine Stärkung der binnenwirtschaftlichen Kräfte (29 Prozent), damit Deutschland wieder auf einen selbsttragenden Wachstumskurs gelangt.

Zu den zentralen wirtschaftspolitischen Schwerpunkten zählt für 70 Prozent der Großhändler der Know-How-Faktor. Weitere Themen brennen den Unternehmern unter den Nägeln: Dazu zählen für 63 Prozent der befragten Unternehmen die Stabilität des Euro sowie für 40 Prozent das Fitmachen des Staates für den demographischen Wandel.

"Der Elan, den Politik, Wirtschaft und Bürger an den Tag gelegt haben, um die Krisenfolgen zu begrenzen, darf nun nicht abflauen, damit die derzeitige Dynamik in einem länger andauernden Aufschwung mündet und nicht in einem Strohfeuer. Die Unternehmen setzen derweil auf ihre eigene Kraft und warten nicht auf die Politik. Doch ohne vorausschauendes Handeln und entschlossene Strukturreformen durch die Politik sind neue Belastungsproben und permanente Stresstests vorprogrammiert", so Börner abschließend.

34, Berlin, 7. September 2010

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