Alle Storys
Folgen
Keine Story von NDR Norddeutscher Rundfunk mehr verpassen.

NDR Norddeutscher Rundfunk

"Panorama" - Wehrbeauftragter Robbe: Bundeswehr lässt verwundete Soldaten im Stich

Hamburg (ots)

Bundeswehrsoldaten, die im Dienst verwundet
wurden, kämpfen oft jahrelang und häufig vergeblich um die 
Anerkennung ihrer Wehrdienstbeschädigung. Das bezeichnet der noch 
amtierende Wehrbeauftragte Reinhold Robbe im ARD-Politikmagazin 
"Panorama" (Sendung: Donnerstag, 15. April, Das Erste)  als einen 
"Skandal". Betroffene Soldaten würden "im Stich gelassen". Das sei 
"verheerend." Vor allem Soldaten mit "posttraumatischen 
Belastungsstörungen" (PTBS) stünden mit ihren Erkrankungen oft allein
da.
Bis heute haben nach Auskunft des Wehrbeauftragten rund 600 
Soldaten mit PTBS -Erkrankungen einen Antrag auf 
Wehrdienstbeschädigung (WDB) eingereicht. Weniger als ein Drittel der
Anträge wurden anerkannt. Nach Angaben des 
Bundesverteidigungsministeriums auf Anfrage von "Panorama" ist die 
Zahl solcher Verfahren rasant gestiegen. Waren es 2009 erst 109 
Verfahren, sind es derzeit schon 197. Zur Anerkennungsquote machte 
das Ministerium bisher keine Angaben.
Typisch für diese Fälle sind nach "Panorama"-Recherchen eine lange
Verfahrensdauer und eine geringe Anerkennungsquote. Dabei spielen die
Voten externer, ziviler Gutachter offenbar eine erhebliche Rolle. 
Eine solche Gutachterin aus Bremen etwa reduziert den 
Beschädigungsgrad mit folgender Begründung, die "Panorama" vorliegt: 
"Unter Beschuss zu stehen", könnte für einen Soldaten im 
Auslandseinsatz "nicht als außergewöhnlich belastend angesehen 
werden." Nach Auskunft des Verteidigungsministeriums sind für solche 
gutachtlichen Stellungnahmen nur drei Bundeswehr-Mitarbeiter fest 
eingeteilt, während insgesamt 22 Außengutachter für diese Aufgabe 
eingesetzt werden.
Die Vergabe von Gutachten "an Sachverständige, die von 
militärischer Materie offensichtlich keine Ahnung haben", kritisiert 
der Wehrbeauftragte Robbe in "Panorama" massiv: "Hier muss 
unterstellt werden, dass der Dienstherr, der einen Auftrag gibt, ein 
bestimmtes Ergebnis haben will." Offenbar, so Robbe, stecke System 
dahinter. Er müsse manchmal den Eindruck haben, dass in den 
"Wehrdienstbeschädigungsverfahren immer erst einmal für den Staat 
entschieden wird und gegen den betroffenen Patienten". Zu diesem 
Vorwurf äußerte sich das Verteidigungsministerium bisher nicht.
Auch der ehemalige Leiter der Psychiatrie im Bundeswehrkrankenhaus
Bad Zwischenahn, Oberfeldarzt a.D. Dr. Klaus Pellnitz, bestätigt in 
"Panorama" den Eindruck, es werde in den Gutachten gezielt nach 
Gründen gesucht, um den Schädigungsgrad herabzusetzen: "Ich habe nie 
erlebt, dass ein Grad der Schädigung heraufgesetzt wurde ...  ich 
habe immer häufiger erlebt in den letzten Jahren, dass der Grad der 
Schädigung herabgesetzt wurde."
Ein weiteres Problem bei der Versorgung kranker Soldaten sind die 
unterschiedlichen Zuständigkeiten. Nach Entlassung aus der Bundeswehr
sind die Versorgungsämter der Länder zuständig, doch die scheinen 
überfordert zu sein. Manche Anträge von Soldaten werden monatelang 
nicht bearbeitet. Ein ehemaliger Soldat aus Leipzig, Steven Ruhnke, 
steht nach einem mittlerweile 15 Jahre dauernden Verfahren mittellos 
da. Das Versorgungsamt hat ihn nun an das Sozialamt verwiesen. Jetzt 
muss der ehemalige Bundeswehrsoldat Sozialhilfe beantragen. Um auf 
diese Missstände aufmerksam zu machen, wird der Wehrbeauftragte Robbe
den Ex-Soldaten am Donnerstag (15. April) beim Gang zum Sozialamt 
Leipzig begleiten.

Pressekontakt:

NDR Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Telefon: 040 / 4156 - 2300
Fax: 040 / 4156 - 2199
presse@ndr.de
http://www.ndr.de

Original-Content von: NDR Norddeutscher Rundfunk, übermittelt durch news aktuell

Weitere Storys: NDR Norddeutscher Rundfunk
Weitere Storys: NDR Norddeutscher Rundfunk