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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Terror und Anti-Terror-Kampf in der Türkei Klare Haltung Dirk Müller

Bielefeld (ots) - Das Grauen lässt die Menschen nicht los. Das Selbstmordattentat, dem im südtürkischen Suruc am Montag 32 zumeist junge Menschen zum Opfer fielen, verändert das Land. Zu erschütternd waren die Bilder und Nachrichten vom Tatort, die sich längst verbreitet hatten, bevor die türkische Regierung mit einer Sperrung sozialer Netzwerke ihre drastische Botschaft noch verschleiern wollte. Täglich gehen in Istanbul und anderen türkischen Städten Menschen auf die Straße, deren Wut sich vor allem gegen Präsident Recep Tayyip Erdogen und dessen konservative Regierungspartei AKP richtet. Die Demonstranten, viele von ihnen wie die Opfer von Suruc kurdischer Herkunft, machen Erdogan für den Anschlag mitverantwortlich. In seinem Lavieren zwischen Duldung und Bekämpfung der Terroristen vom sogenannten Islamischen Staat (IS) sehen sie die Ursache für die Attacke auf die jungen Aktivisten, die sich zur Wiederaufbauhilfe für die zerstörte syrische Grenzstadt Kobane zusammengefunden hatten. Dem Präsidenten fällt erneut nichts anderes ein, als die Demonstranten mit Schlagstöcken und Tränengas auseinanderzutreiben. Dass die kurdische PKK sich jetzt zum Mord an zwei türkischen Grenzsoldaten bekannte, die angeblich mit den IS-Attentätern von Suruc kooperiert hätten, macht die Lage nur noch gefährlicher. Was Erdogan vermeiden wollte, lässt sich nun nicht mehr aufhalten. Die Türkei kommt um eine klare Positionierung im Kampf gegen die IS-Terrormiliz nicht mehr herum. Dies fällt Ankara so schwer, weil es fürchtet, dass dies gleichzeitig die kurdischen Bestrebungen nach einem eigenen Staat auf den Trümmern des zerstörten Syriens und Iraks stärken würde. Der Aussöhnungsprozess zwischen Türken und Kurden war schon auf einem viel hoffnungsvolleren Weg, als man heute für möglich hält. Hier sollte Erdogan wieder anknüpfen. Die größte Gefahr geht vom IS aus: Der Terror macht an der türkischen Grenze nicht halt.

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