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Neue Westfälische (Bielefeld): US-Abzug aus dem Irak Hoher Preis JOACHIM ROGGE, WASHINGTON

Bielefeld (ots) - Der Irak-Krieg ist vorbei. Es wäre schön, könnte man dies zum Abzugs der letzten US-Kampftruppen auch tatsächlich so eindeutig behaupten. Der stille, nächtliche Rückzug über die Grenze nach Kuwait wirkt fast wie eine Flucht. Keine Fanfaren, keine Trompetenstöße - auch Präsident Barack Obama spielt den Abzug aus guten Gründen herunter. Von stabilen Verhältnissen, von innerem Frieden ist der Irak gut sieben Jahre nach dem Einmarsch der US-Truppen noch immer weit entfernt. Und es mutet fast schon fahrlässig an, den offiziellen Abzug der Kampfeinheiten ausgerechnet in einem Moment zu forcieren, in dem die Lage im Irak wieder zu kippen droht. Am Horizont schimmert längst die Gefahr eines erneut religiös aufgeladenen Bürgerkriegs. "Augen zu und raus" - Obama hatte freilich keine andere Wahl. Er ist an sein Versprechen gebunden, die Truppen heim zu holen, ungeachtet der Situation an Tigris und Euphrat. Amerika ist kriegsmüde und des Irak-Krieges überdrüssig. Zwei Drittel seiner Landsleute weiß Obama bei dem Entschluss hinter sich, den Kriegseinsatz im Irak jetzt formell zu beenden. Trotz des Abzugs der Kampftruppen, der tatsächlich erst Ende des Monats endgültig abgeschlossen sein soll, ist der Irak-Krieg freilich noch lange nicht vorbei. 50.000 Soldaten bleiben mindestens bis Ende nächsten Jahres weiterhin im Land stationiert. Einen hohen Preis haben die USA für diesen Krieg bezahlt, der länger als der 2. Weltkrieg dauerte. 4.400 US-Soldaten ließen ihr Leben, Tausende kehrten kriegsversehrt und traumatisiert heim. Und die Kosten in Höhe von bislang etwa 1.000 Milliarden Dollar haben Amerikas Finanzen ruiniert. Vom Aufbau einer Demokratie nach westlichem Vorbild ist im Irak schon lange nicht mehr die Rede. Kein Grund für Fanfaren und Trompetenstöße.

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