Greenpeace e.V.

Greenpeace: Blauer Engel für Strom ungeeignet
Antrag auf Umweltzeichen zurückgezogen - Kennzeichnungspflicht für Strom gefordert

    Hamburg (ots) - Greenpeace hat heute seinen Antrag auf die Vergabe
des Umweltzeichens "Blauer Engel" für umweltfreundlichen Strom
zurückgezogen. "In Sachen Strom wird der Blaue Engel den Verbrauchern
leider keine wirkliche Orientierung bieten", sagt
Greenpeace-Energieexperte Sven Teske. Da das zuständige
Umweltbundesamt (UBA) nicht in der Lage ist, ein verlässliches Label
für Öko-Strom einzuführen, fordert Greenpeace eine generelle
Kennzeichnungspflicht für Strom, wie sie im US-Bundesstaat
Kalifornien üblich ist.
      
    Greenpeace hatte beim UBA im Oktober 1998 die Einführung eines
Blauen Engels für umweltfreundlich erzeugten Strom vorgeschlagen und
einen entsprechenden Antrag gestellt. Die jetzt vom UBA nach
anderthalb Jahren Bearbeitungszeit vorgelegten Kriterien für die
Vergabe eines "Strom-Engels" aber sind völlig unzureichend.
    
    Die zentrale Frage im Greenpeace-Antrag, ob der Stromanbieter die
technischen Grundvoraussetzungen für die Stromversorgung des Kunden -
die zeitgleiche Durchleitung des Stroms - erfüllen kann, will das UBA
nicht überprüfen. Wenn aber diese Bedingung nicht erfüllt ist, kann
der Kunde nicht seinen Stromversorger wechseln. Einem
Strom-Produzenten kann ohne diese Prüfung nicht nachgewiesen werden,
ob er die von seinen Kunden verbrauchte Menge sauberen Stroms
tatsächlich zum Zeitpunkt des Verbrauches in das Stromnetz
eingespeist hat. Keine Kriterien gibt es außerdem für
Wasserkraft-Strom, der nicht immer ökologisch produziert wird. Auch
ein festgeschriebener Mindestanteil für Solarstrom fehlt. Viel zu
mager ist zudem die Neubau-Bestimmung ausgefallen: ein Unternehmen
mit dem "Strom-Engel" müsste pro Kilowattstunde nur zwei Pfennige in
den Neubau umweltfreundlicher Stromanlagen investieren.
    
    "Die Verbraucher haben ein Recht zu erfahren, wo und aus welchen
Quellen ihr Energieversorger den Strom einkauft. Der europaweit
anerkannte Blaue Engel hätte ein wichtiges Instrument für die
Markteinführung von sauberem Strom sein können. Doch der Engel musste
zu viele Federn lassen," resümiert Sven Teske.
    
    Die von Greenpeace geforderte Kennzeichnungspflicht ist in
Kalifornien bereits Realität. Ähnlich wie bei Lebensmitteln müssen
Stromhändler dort die Herkunft und die Zusammensetzung ihrer
Stromlieferung auf der Rechnung angeben. Allerdings sollte die
Kennzeichnung des Stroms in Europa schon mit der Stromwerbung
beginnen. Eine transparente Kundeninformation wird gerade angesichts
der zunehmenden Atomstrom-Importe aus dem Ausland immer wichtiger.
    
    Die von Greenpeace gegründete Einkaufsgenossenschaft für sauberen
Strom geht bereits mit gutem Beispiel voran: Kunden von "Greenpeace
energy" können seit April im Internet "live" verfolgen, wie ihr Strom
zusammengesetzt ist, wieviel Strom also aktuell aus Sonne, Wind,
Wasser oder Gas-Blockheizkraftwerken erzeugt wird.
    
ots Originaltext: Greenpeace
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