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neues deutschland: Erdogans Krieg gegen die Kurden: Wohlkalkulierter Amoklauf

Berlin (ots) - Erdogan spricht von nichts weniger als der »völligen Vernichtung« der PKK, jener militanten Organisation der türkischen Kurden, mit der er bis vor kurzem noch verhandelte. Zwar war dieser Dialog stets nur informell, aber es gab ihn, und er brachte gute Ergebnisse in dem Sinne, dass den Kurden eigentlich selbstverständliche Rechte in Bezug auf Kultur, Sprache und politische Vertretung endlich offiziell zugestanden wurden. Das nützte selbstredend auch der gesamten Türkei. Dieser Prozess des Ausgleichs soll jetzt ein abruptes Ende finden. Die Ausdruckweise des türkischen Staatspräsidenten ist wohl ganz bewusst so martialisch gehalten, weil es daran keinen Zweifel geben soll. Und das alles wegen eines PKK-Anschlags auf Polizisten, der bereits Wochen zurückliegt? Eine Strafverfolgung der Täter durch den Staat wäre eine verständliche Reaktion gewesen. Aber die Ausrufung eines Vernichtungskrieges? So sicher man an der politischen Reife jener PKK-Führer zweifeln darf, die jene Tat planten, so sicher dürfte auch sein, dass sie Erdogan nur willkommener Anlass war. Was aussieht wie ein Amoklauf, ist tatsächlich wohlkalkuliert, um sich der Kurdenorganisationen entledigen zu können: Der im eigenen Land namens HDP, obwohl diese sich eindeutig vom militanten Kurs der PKK distanziert, aber sie ist Erdogan politisch zu erfolgreich. Und der in der ihm verhassten kurdischen Selbstverwaltung in Nordsyrien, die wesentlich von der PKK getragen wird.

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